Biden fürchtet „Wahl-Diebstahl“

US-Wahl: Umfrage liefert heftige Klatsche für Trump - dessen Reaktion erinnert CNN an „Venezuela“

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Der US-Präsident reagiert erstaunlich auf einen Umfrage-Flop - der Sender CNN fühlt sich an das Handeln gewisser „Regime“ erinnert. Herausforderer Biden fürchtet Schlimmes.

  • Die US-Präsidentschaftswahl nähert sich mit großen Schritten: Im November 2020 wird gewählt*.
  • Donald Trump reagiert unerwartet auf eine negative Umfrage - er fordert von CNN eine Entschuldigung.
  • Herausforderer Joe Biden unkt unterdessen bereits jetzt über einen möglichen „Wahl-Diebstahl“ Trumps.

Washington - In rund vier Monaten wählen die US-Amerikaner einen Präsidenten. Umfragen zum Wahlausgang sind zu diesem Zeitpunkt eine Selbstverständlichkeit - doch der Umgang von Amtsinhaber Donald Trump* mit einer Erhebung mit unliebsamem Ausgang hat nun einmal mehr einen Eklat nach sich gezogen: Der Regierungschef und der Sender CNN tauschten heftige Vorwürfe aus.

Umfrage zur US-Wahl: CNN sieht Biden klar vorne - Trump-Mitarbeiter fordern Entschuldigung

Stein des Anstoßes ist eine am Montag veröffentlichte Umfrage. Das Institut SSRS hatte Anfang Juni im Auftrag von CNN 1.259 US-Amerikaner befragt - und war zu dem Ergebnis gekommen, dass 55 Prozent der Wähler den Herausforderer Joe Biden im Weißen Haus sehen wollen. Für Trump sprachen sich 41 Prozent der Befragten aus. Zugleich sank die Zustimmungsrate zu Trumps Politik auf 38 Prozent.

Der US-Präsident reagierte allerdings nicht mit einer Kampfansage oder Schweigen - sondern ließ einen Beschwerdebrief an den Sender adressieren. Kampagnen-Chef Michael Glassner und Rechtsberaterin Jenna Ellis erklärten darin laut CNN, die Umfrage müsse zurückgezogen werden - nötig sei eine „komplette, faire und sichtbare Zurückziehung“ sowie eine Entschuldigung und eine „Klarstellung für die irreführenden Schlussfolgerungen“. 

US-Präsidentenwahl 2020: Umfrage-Flop - Trump hat ein „FAKE“-Gefühl

Es handle sich um eine gefälschte Umfrage, die Wähler vom Wählen abhalten und das Momentum für Trump abwürgen solle, begründeten die beiden Trump-Mitarbeiter die Forderung. Auch Trump selbst twitterte zu dem Fall. Er erklärte, er habe sich professionelle Unterstützung geholt - weil er angesichts des „unglaublichen Enthusiasmus“ für seine Person das Gefühl habe, die Ergebnisse seien „FAKE“.

Auch die von Trump angeforderte Analyse des Hauses McLaughling & Associates Polling ist online zugänglich. Dieses wirft der Konkurrenz eine „verdrehte Umfrage“ und eine „absichtliche Strategie“ vor. Die Begründung ist bemerkenswert: Konkret seien - kurz nach dem Fall Floyd - rund um die Sonntagsfrage auch Fragen zum Verhältnis der Bevölkerungsgruppen gestellt worden, statt zur Arbeitsplatzsituation. Auch sei die Umfrage vor den jüngsten „großartigen ökonomischen Nachrichten“ geführt worden.

Trump attackiert CNN wegen Wahl-Umfrage: Sender zieht Parallelen zu „Venezuela“

Allerdings hatte zuletzt auch Trumps Haussender Fox News Biden mit acht Prozentpunkten in Front gesehen - und auch die aktuellen Erkenntnisse zu Corona-Infektions- und Arbeitslosenzahlen in den USA fallen kaum in die Kategorie „großartig“.

CNN jedenfalls reagierte kühl: In einem weiteren Brief erklärte CNN-Vize David Vigilante, seiner Kenntnis nach würden dem Sender zum ersten Mal seit Bestehen rechtliche Schritte angedroht, weil „einem amerikanischen Politiker die Umfrage-Ergebnisse von CNN nicht gefallen“. Typischerweise habe es solche Fälle bisher nur „aus Ländern wie Venezuela oder von anderen Regimen gegeben, die keinen oder nur geringen Respekt für freie und unabhängige Medien kennen“. 

US-Wahl: Biden fürchtet, Trump wolle „die Wahl stehlen“ - „Militär würde ihn aus Weißen Haus eskortieren“

Durchaus passend zu dem Vorfall glaubt Herausforderer Biden* nach eigenen Angaben schon jetzt nicht mehr an ein faires Verhalten Trumps bei der Wahl im November. „Dieser Präsident wird versuchen, die Wahl zu stehlen“, sagte der Ex-Vizepräsident am Mittwochabend in der „Daily Show“ des Senders Comedy Central. „Das ist ein Kerl, der sagt, dass alle Briefwahl-Stimmzettel falsch sind.“

Joe Biden will im November Donald Trump als US-Präsident ablösen - Ausgang offen.

Auf die Frage, ob er in Betracht gezogen habe, dass Trump sich weigern könnte, das Weiße Haus im Fall einer Niederlage zu verlassen, antwortete Biden: „Ja, das habe ich.“ Er fügte hinzu, er sei „absolut überzeugt“ davon, dass das Militär Trump dann hinauseskortieren würde. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, nannte Bidens Äußerungen eine „Verschwörungstheorie“. Dem Sender Fox News sagte sie am Donnerstag, Trump freue sich auf die Wahl.

Biden sagte, er werde im Wahlkampf jede Lüge Trumps thematisieren. „Dieser Kerl ist kein guter Kerl.“ Er rechne damit, dass Trump ihn persönlich angreifen werde „und Dinge über mich, meine Familie, meine Kinder und alles sagt, die einfach nicht wahr sind“. Er selbst habe Schwächen und werde Fehler machen. „Aber der Punkt ist, ich übernehme Verantwortung für die Fehler.“

fn/dpa

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Rubriklistenbild: © AFP / SAUL LOEB

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