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Erstes Treffen der Oberen: EU-Ratspräsident Donald Tusk (l.) begrüßt US-Präsident Donald Trump beim EU-Gipfel.

US-Präsident auf großer Tour

So verlief Trumps Antrittsbesuch bei der EU in Brüssel

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Donald Trump besucht auf seiner ersten Auslandsreise als US-Präsident auch die EU in Brüssel. Dort werden dem Republikaner einige Annehmlichkeiten bereitet.

München - Grabgesänge von Donald Trump auf Nato und EU - schlechter hätten die Vorzeichen für den Antrittsbesuch des US-Präsidenten in Brüssel nicht sein können. So gesehen verliefen am Donnerstag die ersten Gespräche zwischen der neuen Spitze jenseits und den alten Spitzen diesseits des Atlantiks gar nicht so schlecht.

„Mein Gefühl ist, dass wir uns auf vielen Gebieten einig sind“, betonte EU-Ratspräsident Donald Tusk die Gemeinsamkeiten, nachdem die EU-Spitze und Trump eine Stunde lang debattiert hatten. „Aber einige Fragen bleiben offen - wie Klima und Handel“, so Tusk. Laut EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wurde vereinbart, die Arbeit an einem gemeinsamen Aktionsplan zum Handel aufzunehmen. Trump moniert seit Langem, dass die EU zu viele Waren in die USA exportiert.

Schlagen unterschiedliche Richtungen ein: Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump haben sich offenbar nicht viel zu sagen.

Tusk: Wohl keine gemeinsame Meinung wegen Russland

Wenig Einigkeit auch beim Thema Russland, für Trump wegen der jüngsten Affären zu Hause ein heikles Terrain. Tusk erklärte: „Ich bin nicht hundertprozentig sicher, dass wir heute sagen können, dass wir eine gemeinsame Position, eine gemeinsame Meinung zu Russland haben. Obwohl es beim Ukraine-Konflikt so scheint, dass wir auf der gleichen Linie liegen.“ Beim Klimaschutz lagen die Positionen wieder weit auseinander. Dafür war man sich laut Tusk beim Kampf gegen den Terror einig.

Der steht auch bei der Nato ganz oben auf der Tagesordnung, wo Trump der Eröffnung des neuen Hauptquartiers beiwohnte, während Adler der Polizei den Himmel von unerwünschten Drohnen freihielten. Die Teilnehmer der Nato-Gesprächsrunde waren angehalten, ihre Redebeiträge auf vier Minuten zu beschränken, um die Aufmerksamkeitsspanne des Präsidenten nicht über Gebühr zu strapazieren.

Wegen Bundeswehr-Abzug: Merkel droht Erdogan bei Nato-Gipfel

Trump und Merkel eröffnen Mahnmal

Das Bündnis war schon zuvor Trumps Forderungen entgegengekommen: Die Nato tritt der internationalen Allianz gegen die Terrormiliz IS bei. Außerdem verpflichten sich die Nato-Staaten, Pläne vorzulegen, wie sie ihre Verteidigungsausgaben erhöhen wollen. Am Nachmittag wollte Trump auf dem Gelände des neuen Nato-Hauptquartiers mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Mahnmal eröffnen, das aus Stücken des World Trade Centers und der Berliner Mauer besteht. Außerdem traf er sich mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Ob Trump jetzt die Brüsseler Verhältnisse verstanden hat? Bei der Begrüßung im EU-Ratsgebäude hatten Tusk und Juncker ihrem Gast am Morgen die EU-Institutionen erklärt: „Wissen Sie, Herr Präsident, dass wir zwei Präsidenten in der EU haben?“, fragte Tusk. „Weiß ich!“, erwiderte Trump, und Juncker meinte: „Einer zu viel!“ Worauf Tusk erklärte: „Es ist kompliziert.“

Rede des US-Präsidenten: Donald Trump (r.) tritt bei der Eröffnung des neuen  Nato-Hauptquartiers ans Mikrofon.

Trump und wie er die Welt sieht

Russland-Affären und Widerstand gegen seine massiven Sozialkürzungen: Innenpolitisch läuft es für Donald Trump gerade nicht besonders gut. Ob seine Weltreise davon ablenken kann? Hier die Stationen der Trump-Tournee.

Saudi-Arabien: Erst ein Säbeltanz, dann unterzeichnet Trump Rüstungsverträge mit dem ultra-strenggläubigen saudischen Königshaus über 350 Milliarden Dollar. Dann eröffnet er mit König Salman und Ägyptens Staatschef Abdel-Fattah al-Sisi ein Deradikalisierungzentrum. Tochter Ivanka heimst noch eine 100-Millionen-Dollar-Spende für ihre Frauenstiftung ein.

Israel: In Israel gibt Trump den Friedensfürsten, tätschelt Präsident Reuven Rivlin und Premier Benjamin Netanjahu die Knie. Dass er den Russen israelische Geheiminfos verraten hat? Geschenkt! Das Holocaust-Mahnmal Yad Vashem bezeichnet er im Gästebuch als „fantastisch“. Zum Dinner mit Trump nimmt Netanjahu seine Söhne mit, aber keine Minister.

Vatikan/Italien: Papst Franziskus ist für sein fast unermüdliches Lächeln bekannt, die Trumps empfängt er am Mittwoch im Vatikan mit finsterster Miene, auch wenn sich Gattin Melania Trump und Tochter Ivanka schwarze Schleier angelegt haben - was sie bei den Saudis nicht taten! Am Freitag fliegt Trump wieder nach Italien, zur G7-Konferenz in Taormina auf Sizilien.

J. Welte

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