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Putin erteilt russischen Soldaten wohl Rückzugsverbot - und zeigt so tiefes Misstrauen

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Von: Felix Durach

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Russlands Militär gerät im Ukraine-Krieg immer mehr in die Defensive. Die Militärführung soll sich Berichten zu Folge jetzt zu einem radikalen Schritt entschieden haben.

Moskau – Die russischen Streitkräfte werden im Ukraine-Krieg weiter aus den zuvor eroberten Gebieten zurückgedrängt. Gerade im Nordosten des Landes – in der Region Charkiw – können die ukrainischen Truppen immer weitere Gebietsgewinne erzielen. Erst am Sonntag (18. September) soll es dem ukrainischen Militär gelungen sein, Truppen auf das östliche Ufer des Flusses Oskil überzusetzen. Dadurch könnten die ukrainischen Streitkräfte auch in Kürze in die Region Luhansk vorstoßen.

Ukraine-News: Nach Gebietsverlusten - Moskau erteilt wohl Rückzugsverbot für russische Soldaten

Die jüngsten Erfolge stellen wohl auch für den russischen Präsidenten eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Denn Wladimir Putin hat mit einem radikalen Schritt auf die ukrainische Gegenoffensive reagiert. Der Kreml-Chef hat bereits in der vergangenen Woche wohl ein Rückzugsverbot für russische Soldaten angeordnet. Das geht aus dem aktuellen Lagebericht des US-Thinktanks „Institute for the Study of War“ (ISW) hervor.

Ukrainische Soldaten fahren auf einem gepanzerten Fahrzeug nahe der Stadt Izyum.
Ukrainische Soldaten fahren auf einem gepanzerten Fahrzeug nahe der Stadt Isjum © JUAN BARRETO/AFP

Das Verbot gelte den Berichten eines nicht näher genannten russischen Militärbloggers zu Folge für alle Einsatzkräfte im Donbass. Die dort eingesetzten Soldaten haben demnach den Befehl, ihre Position ungeachtet der militärischen Entwicklungen zu halten. Für die Militärexperten vom ISW deutet dieser radikale Schritt – sollten sich die Meldungen als wahr erweisen – auf gleich mehrere Entwicklungen hin.

Russische Militärführung in Sorge? Rückzugsverbot würde zwei Dinge zeigen

Zum einen betrifft der Befehl auch die Region Donezk. Dort gab es zuletzt keine Anzeichen einer großangelegten ukrainischen Gegenoffensive wie in Charkiw. Im Gegenteil wurden dort bis zuletzt vereinzelte offensive Bemühungen durch die russischen Streitkräfte vermeldet. Das Rückzugsverbot würde suggerieren, dass Moskau auch in Donezk bald eine großangelegte Gegenoffensive befürchtet und sich auf die Angriffe vorbereitet, analysieren die Experten des ISW.

Zum Anderen würde der Befehl ein tiefes Misstrauen in die Kampfbereitschaft der im Donbass eingesetzten Truppen zeigen. Moskau sieht es offenbar als notwendig an, die Soldaten mit einem Befehl an die Front zu binden. Dem Report des ISW zu Folge steht diese Entscheidung im Kontrast zum Vertrauen, das die russische Militärführung in die Truppen in der Region Cherson zeigt. Dort würde aktuell offenbar über einen kontrollierten Rückzug nachgedacht werden.

Ukraine-Krieg: Russische Militärführung reagiert auf ukrainische Gegenoffensive

Zuletzt könnte der Befehl auch dazu dienen, um zu verhindern, dass die ukrainische Gegenoffensive weiter Fahrt aufnimmt. Anfang September verzeichneten die ukrainischen Truppen massive Gebietsgewinne in der Region Charkiw in nur wenigen Tagen. Dabei gab es auch immer wieder Berichte vom chaotischen Rückzug russischer Streitkräfte. Moskau sprach lediglich von einer „Umgruppierung“ der eingesetzten Truppen. (fd)

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