Mussolini begleitet Meloni auf Schritt und Tritt, ob sie will oder nicht. Vor Wochen machte sie einen Witz über den ewigen Faschismus-Vorwurf gegen sie und ihre Partei und wählte vier Wörter mit dem Anfangsbuchstaben „M“, darunter „Mama“ und „Meer“. Weil „M“ aber auch der Anfangsbuchstabe des Namens Mussolini ist, hieß es, sie wolle versteckte Signale an ihre Anhänger senden. Denn von denen verehren die meisten den faschistischen Diktator, oder haben zumindest nichts an ihm auszusetzen.
Immer wieder werden FdI-Politiker beim Zeigen des Hitlergrußes, antisemitischen, rassistischen oder neofaschistischen Umtrieben ertappt. Auch Meloni sagte über Mussolini einst, er habe zwar Fehler wie die Rassengesetze oder den Kriegseintritt begangen und ein autoritäres Regime geführt, er habe aber auch Erfolge vorzuweisen.
Ein Tabu brach Meloni mit dieser Haltung in Italien nicht. Zwar wurde die italienische Verfassung 1946 im Geist des Antifaschismus verfasst und verabschiedet. Den Jahrestag der „Befreiung vom Nazifaschismus“ am 25. April feiert aber ein Teil der italienischen Politik demonstrativ nicht mit. Seine Vertreter sammeln sich seit 2013 um Meloni. Ein Tabu war der Faschismus in Italien nie.
Sie habe ein „entspanntes Verhältnis zum Faschismus“, sagte Meloni einst, die als Jugendliche Mitglied in der „Jugendfront“, der Jugendorganisation der Neofaschisten war. Als Jugendministerin ehrte sie 2008 noch zwei bei einem Anschlag getötete neofaschistische Aktivisten in Rom. Inzwischen versucht sie die eigene Vergangenheit herunterzuspielen. In der Partei sei „kein Platz für faschistische, rassistische und antisemitische Nostalgiker“. Die Realität zeigt das Gegenteil. Vor Kurzem erst bewarb Meloni die Kandidaturen zweier auf ihren Urgroßvater stolzer Mussolini-Urenkel für die „Fratelli d’Italia“.
Meloni schöpft im Becken rechter, unzufriedener Wähler, von denen sich viele den starken Mann und inzwischen auch eine starke Frau wünschen. Sie ist die Frontfrau der Partei, die bei einem Erfolg ein echtes Personalproblem bekommen dürfte. Qualifizierte Politiker kann man bei den Brüdern Italiens an einer Hand abzählen. Die Parteichefin, die ohne Vater aufwuchs, eine Sprachenausbildung absolvierte und als Berufsangabe „Journalistin“ angibt, sticht durch demagogisches Talent hervor. Sie besetzt mehr noch als Matteo Salvini (Lega) das rechtspopulistische Spektrum.
Außenpolitisch bekennen sich die Brüder Italiens zur Nato und im Krieg auf die Seite der Ukraine. Sie habe keine Beziehungen zu russischen Oligarchen, sagte Meloni und zielte damit auf Lega-Chef Matteo Salvini und seine Russland-Beziehungen ab. Meloni gegen Salvini, dieses Wahl-Duell wartet nun auf Italien in den Sommerferien. Julius Müller-Meiningen