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Das von der Mission der Vereinten Nationen in Südkorea zur Verfügung gestellte Standbild einer Überwachungskamera zeigt den Fluchtversuch des nordkoreanischen Soldaten. Foto: YNA/United Nations Command

Video

Nordkoreanische Soldaten jagen Kameraden an Landesgrenze

Mit Schüssen wollen nordkoreanische Soldaten die Flucht eines Kameraden in den Süden der Halbinsel verhindern. Doch schwer verletzt schafft er es über die Grenzlinie und wird schließlich gerettet. Ein Video zeichnet die dramatischen Ereignisse vom 13. November auf.

Seoul/Panmunjom (dpa) - Das Video von der dramatischen Flucht über die Grenze setzt um 15.11 Uhr Ortszeit ein. Da fährt der Soldat mit einem Militärjeep schon auf eine Kontrollstation auf nordkoreanischer Seite der schwer befestigten Grenze zwischen Süd- und Nordkorea zu.

Der junge Soldat der Volksarmee durchfährt die Stelle offensichtlich ohne anzuhalten. Ein Soldat rennt ihm nach, doch der Wagen beschleunigt und überquert die sogenannte 72-Stunden-Brücke - und entkommt. Die Brücke heißt so, weil sie Nordkorea nach einem Grenzzwischenfall 1976 innerhalb von 72 Stunden gebaut hatte, um sich Zugang zum Grenzort Panmunjom zu verschaffen.

Der Soldat schafft es schließlich bis nach Panmunjom. Doch dann bleibt er mit seinem Jeep stecken, kommt nicht weiter. Er springt aus dem Wagen und rennt auf die südkoreanische Seite. Hinter ihm jagen vier nordkoreanische Soldaten her, die mehrere Schüsse auf ihn abgeben; einer überschreitet dabei sogar die militärische Demarkationslinie. 

Doch da liegt der Flüchtende schon schwer verletzt am Boden und die nordkoreanischen Soldaten ziehen sich schließlich wieder zurück. Pause. Dann sind auf Infrarotaufnahmen zu sehen, wie zwei südkoreanische Soldaten sich auf dem Boden kriechend dem Schwerverletzen nähern und ihn in Sicherheit bringen. Das Video, das an Spionagefilme aus der Ära des Kalten Kriegs erinnert, endet um 15.55 Uhr. Der nordkoreanische Soldat überlebt. 

Neun Tage dauerte es, bis das von den USA geführte UN-Kommando (UNC) in Südkorea die Aufnahmen der Überwachungskameras über die Ereignisse vom 13. November veröffentlichen. Das Kommando warf der Gegenseite am Mittwoch Verstöße gegen das Waffenstillstandsabkommen vom 1953 vor. Die Volksarmee habe das Abkommen zweifach verletzt: Einmal, als Soldaten über die Demarkationslinie hinweg auf den Flüchtenden geschossen hätten, und das andere Mal, als einer der Soldaten bei der Verfolgung für kurze Zeit die Linie überschritten habe.  

Das Kommando, das seit dem Ende des dreijährigen Korea-Kriegs über die Einhaltung des Abkommens wacht, habe Nordkorea über die Verletzungen unterrichtet und ein Treffen verlangt, hieß es. Man wolle "über die Untersuchungsergebnisse und Maßnahmen sprechen, um in Zukunft solche Verstöße zu verhindern". Bis heute ist zwischen den Kriegsgegnern kein Friedensvertrag geschlossen worden. 

Der Soldat wurde nach seiner Flucht in ein Krankenhaus nahe der Haupstadt Seoul gebracht, die nur etwa 60 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Die behandelnden Ärzte teilten mit, dass der Nordkoreaner nach zwei Operationen mittlerweile wieder bei Bewusstsein sei. Seine Fluchtmotive waren zunächst unklar. Er soll, wie in anderen Fluchtfällen, zu seinen Motiven befragt werden, sobald es sein Zustand erlaubt, wie südkoreanische Medien berichteten. 

Ein Abstecher nach Panmunjom, dem gemeinsamen Sicherheitsbereich (Joint Security Area/JSA) an der Grenze, gehört seit vielen Jahren zum Reiseprogramm tausender von Touristen. Der Ort liegt mitten in der demilitarisierten Zone, einer 240 Kilometer langen und vier Kilometer breiten Pufferzone, die beide Staaten voneinander trennt.

Die JSA ist der einzige Ort auf der koreanischen Halbinsel, wo sich süd- und nordkoreanische Soldaten direkt gegenüberstehen. Zahlreiche deutsche Politiker, die schon dort waren, sprachen später davon, dass der Besuch Erinnerungen an das traurige Kapitel der Teilung des eigenen Landes hervorgerufen habe. 

Zahlreiche Nordkoreaner flüchten jedes Jahr aus Hunger oder Unzufriedenheit mit der autokratischen Führung aus ihrer weithin  abgeschotteten Heimat. Doch die meisten flüchten dabei über die Grenze nach China, oft fallen dabei auch Schüsse von Grenzsoldaten. Über Drittländer gelangen viele später nach Südkorea. Gelegentlich flüchten auch nordkoreanische Soldaten. Doch ist es selten, dass sich dabei ein Grenzsoldat auf der nördlichen Seite von Panmunjom absetzt.  

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