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CSU-Kandidaten für GroKo-Kabinett: Andreas Scheuer und Dorothee Bär.

Nach SPD-Ja zur GroKo

CSU: Drei Männer als Bundesminister und Dorothee Bär im Kanzleramt

Mit der Zustimmung der SPD zur Großen Koalition klärt sich auch in der CSU die Frage nach den künftigen Personalien. Wer welchen Posten übernimmt:

München - Neben dem als Bundesinnenminister gesetzten Horst Seehofer dürften Andreas Scheuer (Verkehr) und Gerd Müller (Entwicklung) Bundesminister werden, Dorothee Bär Staatsministerin für Digitales. Neuer CSU-Generalsekretär wird wohl Markus Blume.

HORST SEEHOFER erfindet sich mit 68 Jahren mal wieder neu. Bundespolitisch hatte Seehofer sich unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) vor allem als Sozialexperte profiliert. Nach neuneinhalb Jahren als Ministerpräsident wird er nun mit einem sehr breit aufgestellten Innenministerium die vielleicht größte Aufgabe seiner Politikerlaufbahn zu bewältigen haben.

Kritiker fürchten zwar, dass der Ingolstädter sich mit den um die Bereiche Heimat und Bau zum Superministerium aufgewerteten Innenressort plus dem Parteivorsitz zu viel zumutet. Seehofer lässt alle Kritik aber an sich abperlen - er verweist darauf, bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin für seine Partei viel durchgesetzt zu haben.

ANDREAS SCHEUER dürfte neuer Bundesverkehrsminister werden. Mit seiner Vita erscheint dies logisch. Der verheiratete Vater einer Tochter machte als Verkehrsstaatssekretär unter dem Minister Peter Ramsauer von 2009 bis 2013 seine ersten Regierungserfahrungen.

Der 43 Jahre alte Niederbayer ist seit Ende 2013 CSU-Generalsekretär. Er organisierte die Wahlkämpfe zur Europawahl 2014 und zur vergangenen Bundestagswahl und vertrat als "Mann fürs Grobe" Seehofers strittige Positionen in der Flüchtlingskrise gegenüber der Schwesterpartei CDU mit scharfen Worten. Diese Loyalität wird nun belohnt.

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GERD MÜLLER scheint sich mit seiner Zähigkeit durchgesetzt zu haben. Auf den ursprünglichen Kabinettslisten tauchte der seit 2013 amtierende Bundesentwicklungsminister nicht mehr auf. Doch der 62 Jahre alte Müller sagte offensiv, er kämpfe um sein Amt. Rückenwind bekam der Schwabe dabei aus seinem CSU-Bezirk.

Der seit 1994 im Bundestag sitzende Müller sorgte in diesem eher wenig beachteten Ressort wiederholt mit Initiativen für Aufsehen, wie Fluchtursachen vor Ort bekämpft werden können.

DOROTHEE BÄR dürfte nach einem Bericht des Müncher Merkur zwar anders als erwartet nicht Bundesministerin werden, kann aber dennoch zufrieden sein. Sie soll angeblich Staatsministerin für Digitales werden, eine im Bundeskanzleramt angesiedelte Aufgabe. "Sie ist in der Digitalisierung gut zu Hause", sagte Seehofer dem Blatt.

Bär zählt zu den wenigen namhaften Frauen in der Bundespolitik der CSU. Dort ist das Frauenproblem der Christsozialen besonders deutlich, unter den 46 CSU-Abgeordneten sind nur acht Frauen. Nach Jahren in eher zweiter Reihe als stellvertretende CSU-Generalsekretärin von 2009 bis 2013 und als Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium seit 2013 macht Bär mit 39 Jahren den nächsten Karriereschritt.

MARKUS BLUME soll auf Scheuer als CSU-Generalsekretär folgen. CSU-intern hat er schon länger den Stempel Hoffnungsträger. Außerdem hat er mehr Einfluss, als es sein Mandat als Landtagsabgeordneter und der im vergangenen Jahr übernommene Posten des stellvertretenden CSU-Generalsekretärs verraten.

Laut Seehofer war Blume derjenige, der in der entscheidenden Nacht der Koalitionsverhandlungen den Zugriff der CSU auf das Bundesinnenministerium auf den Weg brachte und so den verfahrenen Streit um die Ressortverteilung auflöste. Der 43 Jahre alte Münchner machte sich zudem als Chef der CSU-Grundsatzkommission einen Namen als Vordenker.

Blume, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, dürfte kein klassischer "Wadlbeißer"-Generalsekretär werden, wie es Scheuer oft war. Seehofer sieht darin einen Vorteil. Blume sei "nachdenklich, strategisch, argumentierend" und könne mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf Augenhöhe argumentieren.

afp

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