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Drei, die wohl Minister könnten: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, l.), Cem Özdemir (Grüne, M.) und Christian Lindner (FDP, r.)

Drei Regierungskoalitionen möglich

Wer im Rennen um Ministerposten schon jetzt die Nase vorn hat

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Spitzenpolitiker stellen sich auf drei mögliche Regierungskoalitionen ein: Schwarz-rot, schwarz-gelb oder schwarz-grün. Wer könnte sich schon bald auf einem Ministerposten finden?

München - Eine halbe Woche vor der Wahl gibt es noch immer Unentschlossene, die den Optimismus von Kanzlerkandidat Martin Schulz befeuern, seine SPD könne entgegen aller Umfragen am Wahlabend noch als Sieger vor der Union landen. Experten verweisen darauf, dass viele von denen, die sich bis jetzt nicht entscheiden konnten, auch nicht wählen. Davon gehen wohl auch die meisten Frontmänner und -frauen in den Parteien aus: Sie sehen drei Koalitionsmöglichkeiten nach der Abstimmung, die höchstwahrscheinlich die Union als stärkste Kraft hervorbringen wird. Die Spitzenpolitiker laufen sich warm für begehrte Ministerposten in einer schwarz-roten, einer schwarz-gelben oder schwarz-grün-gelben Regierung. Wir stellen das Feld vor.

Außenminister: Sigmar Gabriel: Bei einer neuen GroKo könnte es beim Endspurt Richtung Auswärtiges Amt eng werden. Möglicherweise treten sich der derzeitige Minister Sigmar Gabriel , der gerne weitermachen will, und (siehe rechts) Martin Schulz auf die Füße. Gabriel gab den Parteivorsitz auf, damit Schulz Kanzlerkandidat werden konnte.

Außenminister Martin Schulz: Der Mann aus Würselen will Bundeskanzler werden, deshalb läuft er sich allenfalls hinter den Kulissen warm für einen Ministerposten. Für Schulz hängt alles ab vom genauen Punktestand bei der Wahl. Bleibt die SPD hinter dem Ergebnis von Peer Steinbrück 2013 zurück, hat er sich in der Partei und damit in der Bundespolitik ins Abseits geschossen. Übertreffen die Genossen aber Steinbrücks 25,7 Prozent, und entscheiden sie sich doch wieder für eine Juniorpartnerschaft in einer schwarzroten Koalition, wird der 62-Jährige für das Amt des Außenministers gehandelt.

Innennminister Joachim Herrmann: Der CSU-Spitzen­kandidat legt sich natürlich für seine Partei ins Zeug. Er fordert, weiht ein, verkündet. Doch hat die CSU zusammen mit ihrer Schwesterriege CDU erst mal die Nase vorn bei der Schlusswertung am 24. September, ist der Sicherheitsexperte aus Franken, der morgen seinen 61. Geburtstag feiert, als Innenminister gesetzt. Das hat sein Chef Horst Seehofer schon vor längerer Zeit angekündigt. Herrmann hat sich zehn Jahre lang im gleichen Amt auf Landesebene warmgelaufen, und sein scharfer Stil gefällt dem CSU-Chef. Damit könnte Seehofer Thomas de Maizière (CDU) abservieren. 

Spitzenkandidat für die CSU: Joachim Herrmann

Verkehrsminister Andreas Scheuer: Wie sein Vorgänger im Amt des CSU-Generalsekretärs Alexander Dobrindt (47) wird auch Andreas Scheuer (42) nach vier Jahren ministrabel, zumindest nach Meinung seines Parteichefs Horst Seehofer. Der hat für den Falle eines Wahlsiegs der Union drei Ministerien gefordert, darunter wie bisher auch das Verkehrsressort. Das möchte oder soll Dobrindt abgeben, um CSU-Landesgruppenchef zu werden – als Nachfolger ist Scheuer vorgesehen. Das Haus kennt der Niederbayer, war er doch von 2009 bis 2013 dort Staatssekretär. Eng könnte es für ihn werden, wenn die Union zwei kleine Koalitions­partner braucht.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller: Der 52-jährige Schwabe dreht schon seit geraumer Zeit seine Runden um den Kabinettstisch. In den Regierungen Merkel I und Merkel II als Parlamentarischer Staatssekretär, in der abgelaufenen Amtszeit Merkel III als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Seine Kritik an den sozialen und ökologischen Verwerfungen in Brasilien demonstrierte er, in dem er nicht zur WM 2014 reiste. Ein Herzensanliegen sind dem Mann, der das Ministeramt gerne weiterführen will, die Zustände in Afrika. Ihm droht allenfalls Gefahr bei einem dritten Koalitionspartner.

Finanzminister Christian Lindner: Der junge Vorturner der FDP wird seine Partei so gut wie sicher über die Fünf-Prozent-Hürde wieder in den Bundestag bringen. Sollte die FDP sogar bei der Regierung mitmachen, erhebt der 38-Jährige Anspruch aufs Finanzministerium. Merkel ist davon nicht begeistert. Dafür müsste die FDP außerordentlich gut abschneiden.

Wirtschaftsminister Wolfgang Kubicki: Der Kieler Liberale wird nach Berlin gehen, ob die FDP nun mitregiert oder nicht. Aus der Wirtschaft ertönt die Forderung, der 65-Jährige müsse Wirtschaftsminister werden. Er selber hatte mal Interesse am Finanzministerium bekundet.

Außenminister Cem Özdemir: Der „anatolische Schwabe“ (46) kämpft verbissen gegen den Abwärtstrend seiner Partei. Erreichen die Grünen ein einigermaßen akzeptables Ergebnis und möglicherweise sogar eine Rolle in einem „Jamaika“- Regierungskader, könnte sich Özdemirs Schicksal noch zum Positiven wenden: Bundesaußen­minister Cem Özdemir, das würde dem bürgerlichen Ober-Realo taugen. Slogan: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Finanzminister Wolfgang Schäuble: 75 Jahre und kein Stückchen leise: Das CDU-Urgestein Schäuble will unbedingt Finanz­minister bleiben. Die Gesundheit macht ihm offenbar derzeit weniger Sorgen als vor einigen Jahren. Für ihn ist es ungünstig, dass dieses Ressort mittlerweile begehrter ist als das Außenministerium. SPD-Kandidat Schulz hat das Finanzministerium schon für seine Partei beansprucht wie auch der FDP-Frontmann Christian Lindner.

Digitalminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Der 46-jährige frühere Hoffnungsträger der CSU ist wieder das – vorerst als Wahlkämpfer. Gemunkelt wird aber, der smarte Ex-Abschreiber könne trotz aller Beteuerungen des Gegenteils wieder Lust an der Bundespolitik haben. Als Verteidigungsminister kann man ihn sich nicht mehr vorstellen. Aber er könnte ein neues Ministerium für Digitalisierung etc. bekommen. Dann aber müsste wohl entweder Gerd Müller oder Andreas Scheuer das Feld räumen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Die ehemalige Arbeits- und Sozialministerin galt schon mal als Nachfolgekandidatin von Kanzlerin Merkel. Nun muss die Verteidigungsministerin hoffen, dieses Amt für eine weitere Legislaturperiode behalten zu dürfen. Die 58-Jährige hat angesichts der zahlreichen Pannen in der Truppe und bei der Ausrüstung vor allem in letzter Zeit ein wenig glückliches Händchen bewiesen. Ihr Vorteil könnte sein, dass sich momentan kein Gegenkandidat aufdrängt.

Ohne echten Gegenkandidaten: Ursula von der Leyen (CDU)

Sozialministerin Andrea Nahles: Bei einer Neuauflage der GroKo unter Merkel sollte der Posten von Andrea Nahles im Arbeits- und Sozialministerium gebongt sein. Die 47-Jährige hat in ihrem Haus viel aus dem Programm der abgelaufenen Koalition durchgesetzt. Schneiden die Sozialdemokraten bei der Wahl eher schlecht ab, werden der ehedem recht krawalligen Juso-Vorsitzenden gute Aussichten auf einen Sprung an die Parteispitze zugesprochen.

Umweltministerin Katrin Göring-Eckardt: Spitzenkandidatin „KGE“ kritisiert SPD-Amtsinhaberin Barbara Hendricks und fordert ein neues Superministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz. Sie selbst als Ministerin wäre dann auch für Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung zuständig. Ein ansehnlicher Aufgabenbereich, mit dem die 51-Jährige dann auch mit Fug und Recht gleichzeitig den Posten der Vize-Kanzlerin einnehmen könnte.

Innennminister Thomas de Maizière: Ein wenig glücklos wirkte de Maizière (63)schon öfter – z. B. als Verteidigungsminister. Und auch jetzt kann er sich ausrechnen, dass er nicht Innenminister bleiben wird. Vielleicht kommt er wieder ins Kanzleramt.

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