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Total leise, emissionsfrei und unumstritten: Der Flughafen München in der Version aus Lego in Günzburg. Der echte Flughafen ist allerdings derzeit ein Streitobjekt.

Interview mit Markus Söder

Debatte um Flughafen-Ausbau: „Ohne Startbahn verlieren wir“

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Die Staatsregierung erhöht den Druck auf die Stadt München, ihr Veto gegen den Bau der dritten Startbahn am Flughafen München aufzugeben. Im Interview setzt Markus Söder nun einen Zeitplan.

Nach der Sondersitzung mehrerer Minister erhöht die Staatsregierung den Druck auf die Stadt München, ihr Veto gegen den Bau der dritten Startbahn am Flughafen München aufzugeben. Bis 2025 müsse die Piste fertig sein, verlangt Finanzminister Markus Söder, der den Aufsichtsrat des Flughafens führt.

Haben wir das richtig verstanden: Sie wollen die dritte Startbahn – haben aber keine Ahnung, wie Sie das gegen Münchens Veto durchsetzen können?

Markus Söder: Wir wollen die dritte Startbahn, weil Bayern ohne sie langfristig große Nachteile bekommen wird. Wir wollen jetzt mit der Landeshauptstadt München in den Dialog treten, wie die Realisierung möglich ist.

Wollen Sie einen weiteren Bürgerentscheid in München oder nicht?

Söder: Erst mal führen wir eine Meinungsbildung im Aufsichtsrat herbei. Dazu wird es noch vor der Sommerpause eine Sondersitzung geben. Dort müssen Freistaat, Bund und Landeshauptstadt bereden, wie es mit dem Flughafen weitergeht. Wir wollen eine grundsätzliche Antwort von der Stadt: Erkennt sie die Fakten und die riesigen Chancen der dritten Startbahn an oder nicht? Wenn ja, wäre ein Ratsbegehren in München der demokratische und fairste Weg.

Die SPD mag nicht.

Söder: Oberbürgermeister Reiter hat zugesagt, dass er sich auf Basis neuer Fakten ein neues Ratsbegehren vorstellen könne. Hier sind die neuen Fakten, und sie sind eindeutig: Passagierzahlen, Flugbewegungen, Frachtaufkommen wachsen. Die dritte Startbahn bietet das Potenzial für 15 000 neue Arbeitsplätze und Wachstum vor allem auch in Richtung Ostbayern.

Markus Söder ist Bayerns Finanzminister und Flughafen-Aufseher

Söder: Wollen demokratische Lösung für Startbahn-Streit

Die Landes-SPD hat schon klargestellt: Nein, die Fakten reichen nicht!

Söder: Ich finde es schade, dass sich die Landes-SPD immer gleich festlegt, bevor sie die Fakten kennt. Immer dagegen – das ist Miesepetrigkeit. Die Diskussion darf nicht parteiideologisch geführt werden. Wir sollten uns gemeinsam Gedanken machen, was für Bayern das Beste ist und wie wir den örtlich betroffenen Bürgern helfen können. Wir wollen zusätzliche Hilfsmaßnahmen und wir werden die Verkehrsanbindung der Region enorm verbessern. Also Fakten auf den Tisch und ehrlich diskutieren!

Klartext: Planen Sie heimlich die AG-Umwandlung des Flughafens, um München auszutricksen?

Söder: Wir wollen die demokratische Lösung mit einem Bürgerentscheid. An der Debatte muss sich die Landeshauptstadt aber bitte beteiligen.

Fällt die Startbahn-Entscheidung in dieser Legislaturperiode bis 2018?

Söder: Ein Ratsbegehren ließe sich schnell auf den Weg bringen. Aber es kommt nicht auf einige Monate hin oder her an, sondern darauf, dass Mitte des nächsten Jahrzehnts die Startbahn fertig sein sollte. Bereits das Signal, dass die Startbahn kommt, würde viele Airlines, Interkontinentalverbindungen und das Drehkreuz in München halten.

„Champions League oder Bundesliga?“

Sind Ihre schönen Zahlen nicht Makulatur, wenn zum Beispiel Air Berlin pleite geht?

Söder: Ganz im Gegenteil. Wir müssen heute schon Anfragen von Airlines in den Spitzenzeiten abweisen. Wie es mit Air Berlin weitergeht, ist offen. Aber Flugrechte und Slots in München würde jede andere Fluglinie sofort nehmen.

Die Bahn eröffnet im Dezember die Eil-Strecke nach Berlin. Das spart innerdeutsche Flüge...

Söder: Das ist schön. Das Bundesverkehrsministerium rechnet aber 2020 bis 2030 mit einem Riesenschub im nationalen und internationalen Flugverkehr – unabhängig von Straße und Schiene. Wenn wir nicht in München dabei sind, werden Drehkreuze in Zürich, Amsterdam, Istanbul profitieren. Das heißt für uns: Verlust von Verbindungen, Stellen und Wachstum. Die Kernfrage ist: Bleiben wir Champions-League, oder werden wir Mittelfeld Bundesliga?

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