Pro oder contra? Horst Seehofer und Hubert Aiwanger am Donnerstag. Foto: kneffel/dpa

Dialog-Gespräche

Dritte Startbahn: „Die CSU will aus der Nummer raus“

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München/Freising - Die Dialog-Gespräche zur dritten Startbahn gehen in die Endphase – und der Eindruck verdichtet sich: Seehofer rückt von der Flugpiste ab. Er selbst versucht, diese Einschätzung zu zerstreuen.

Am Donnerstag war Startbahn-Tag bei Horst Seehofer: Am Vormittag traf er zwei Stunden lang Kommunalpolitiker aus der Flughafen-Region, am Nachmittag in getrennten Terminen jeweils über eine Stunde die Landtags-Opposition. Inhaltlich überzeugt sei der Ministerpräsident nicht mehr von dem Projekt, war danach unisono zu hören. „Die CSU will aus der Nummer raus“, sagte der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger geradezu euphorisch. „Er (Seehofer – Anm. d. Red.) glaubt selbst nicht mehr dran.“ Die Startbahn sei „in weiter Ferne – weiter, als ich zu hoffen wagte“. „90 Prozent“ von dem, was auf dem Tisch kam, sei Startbahn-kritisch gewesen, berichtet ein anderer Teilnehmer. „Er ist im Moment nicht pro Startbahn festgelegt“, meint der Freisinger Grünen-Abgeordnete Christian Magerl.

Seehofer selbst bleibt offiziell bei seiner Neutralitäts-Zusage. Erst in einem Monat will er entscheiden. Klar sei nur eins, sagte Seehofer vor den Gesprächen mit der Opposition gegenüber dpa: Nichts ist klar. „Ich wüsste im Moment nicht, was ich meinem Kabinett im November vorschlagen sollte. Ich verfolge kein bestimmtes Ziel.“ Er wolle sich seine Meinung erst nach Ende des Dialogs bilden. Befürworter der Flugpiste wird Seehofer nicht mehr treffen – wohl aber vehemente Gegner, da er einen Termin in Freising-Attaching zugesagt hat.

Als Schlüsselerlebnis Seehofers bei seinem Dialog gilt der Auftritt von Flughafen und Lufthansa. Sie sollen keinen guten Eindruck hinterlassen haben, entnehmen CSU-Parlamentarier verschiedenen Äußerungen Seehofers. Die Tatsache, dass die Zahl der Flugbewegungen über Jahre stark zurückging, sei einfach nicht vom Tisch zu wischen. Flughafen-Chef Michael Kerkloh habe mit seiner „Jetzt oder nie“-Strategie zu hoch gepokert. Selbst 2015 hat der Flughafen bei Starts und Landungen bisher nur ein Plus von 0,9 Prozent, angekündigt waren bis zu zwei Prozent. Für Seehofer nicht genug. Mehrere CSU-Abgeordnete berichten, nach ihrer Einschätzung laufe es auf ein Moratorium hinaus, wobei die Dauer (fünf Jahre? zehn?) offen bleibt. Dass er mit einem Moratorium liebäugele, dementierte Seehofer indes. „Das ist falsch.“ Auch Aiwanger hat den Eindruck: „Das will er nicht – er hat jedenfalls nicht versucht, uns davon zu überzeugen.“ Einen anderen Eindruck hat indes der Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer. Er hatte zusammen mit Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter mit Seehofer in Berlin ein Dialog-Gespräch geführt. Es ist aber schon gut zwei Wochen her. „Was halten Sie von einem Moratorium?“, habe sie der Ministerpräsident am Ende gefragt, dies aber zeitlich nicht präzisiert. Schurer signalisierte damals Zustimmung.

Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher („Freisinger Mitte“) hat den Eindruck, Seehofer sei im Moment „auf keine Strategie festgelegt“. Er traf Seehofer mit weiteren Kommunalpolitikern. Ein Moratorium sei in dem zweistündigen Gespräch kein Thema gewesen, sagt Eschenbacher. Der Freisinger Landrat Josef Hauner (CSU), der mit Eschenbacher hinfuhr, wäre mit einem Moratorium ohnehin nicht zufrieden. „Eine kurzzeitige Aussetzung des Verfahrens ist der Sache nicht dienlich.“ Ähnlich Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann, der vor dem Gespräch twitterte: „Moratorium ist uns nicht genug. Seehofer muss die 3. Startbahn endgültig beerdigen.“ Der Flughafen sammelt indes unverdrossen auf seiner extra eingerichteten Startbahn-Homepage „Gut für Bayern“ Unterstützer-Stimmen. Jüngster Fan der Flugpiste: FDP-Bundeschef Christian Lindner: „Lassen wir nicht zu, dass Bedenkenträgerei und Zukunftsangst unser Land lahm legen.“ Meint er Seehofer?

Dirk Walter

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