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Demonstrativ gute Laune: Christian Ude (l.) will mithilfe von Margarete Bause Ministerpräsident werden. Hubert Aiwanger ist zumindest nicht ganz abgeneigt.

Klares Bekenntnis zu niemandem

Dritte Startbahn soll Bayern Machtwechsel bringen

München - Das Bündnis wurde mehrfach totgesagt. Doch noch immer treten SPD und Grüne gemeinsam mit den Freien Wählern auf. Aiwanger will sich nicht zu einer Koalitionsaussage hinreißen lassen - das ist nicht ungefährlich.

Als Margarete Bause ins Schwärmen gerät, fällt Hubert Aiwanger sofort die passende Antwort ein. Er freut sich schon, bevor er den Satz ausspricht. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende träumt mal wieder laut vom Machtwechsel in Bayern. Eine CSU in der Opposition. Hach! „Wenn ich mir überlege, was das für eine Sensation wäre . . .“, setzt Bause an, doch der grinsende Kollege der Freien Wähler will nicht so recht darauf einsteigen. „Ich bin natürlich nicht sensationslüstern“, sagt er trocken. Alle lachen. Auch Bause.

Nicht mal drei Monate sind es noch bis zur Landtagswahl. Die heiße Phase rückt näher, auch wenn die Umfragen der Opposition bislang wenig Hoffnung machen. Vor eineinhalb Wochen, nach der Landesversammlung der Freien Wähler in Germering, haben die Medien das offiziell nie ausgerufene Bündnis zwischen SPD, Grünen und Freien Wählern für beendet erklärt. Doch am Montagvormittag ist davon im Münchner Ratskeller nichts zu spüren. Einträchtig sitzt der SPD-Spitzenkandidat Christian Ude mit Bause und Aiwanger beisammen. Der Bürgerentscheid zur dritten Startbahn am Münchner Flughafen jährt sich zum ersten Mal. Ude war einst flammender Befürworter des Großprojekts, das die anderen beiden vehement bekämpft hatten. Inzwischen sind die drei aber so was von einer Meinung, dass der CSU angst und bange werden müsste.

Weitere Themen rund um den Flughafen München

Keiner der drei will sich an einer Regierung beteiligen, die den Bau der Startbahn weiter verfolgt. Bei den Grünen war das so zu erwarten. Auch bei Ude, der sich an den Bürgerwillen dauerhaft gebunden fühlt. Und Aiwanger? Der geht sogar noch einen Schritt weiter als nötig: „Selbst wenn die CSU die dritte Startbahn fallen ließe, gäbe es noch eine Reihe anderer strittiger Punkte, bevor wir koalieren.“

Es wirkt so, als wolle Aiwanger die Schlagzeilen der vergangenen Wochen verdrängen. Er kann sie sich nicht einmal erklären. „Überinterpretiert“ fühlt sich der Freie-Wähler-Chef. „Da waren Journalisten, die mir diese Koalition mit der CSU in den Mund legen wollten.“ Auch die Interpretation, die eher konservative Basis dränge ihn zu den Christsozialen, bestreitet er. Es stehe 50:50. „Letztlich entscheiden die Delegierten nach der Wahl, welchen Weg wir gehen. Ich würde mich derzeit aber nicht zu wetten trauen, wer da die Mehrheit hat.“

Für Rot-Grün bedeutet Aiwangers offene Haltung eine Art Lebensversicherung. Der CSU, die jüngst in mehreren Umfragen bei 46 Prozent lag, kann man nur als Dreierbündnis gefährlich werden. Ude und Bause werben deshalb offensiv um den wortgewaltigen Niederbayern, der der CSU im Falle eines Startbahnbaus heftigsten Widerstand und ein „Klein-Wackersdorf“ prophezeit. Regelmäßig sprechen sie sich mit den Freien ab: beim NSU-Untersuchungsausschuss, im Fall Mollath oder beim Volksbegehren gegen Studiengebühren. Bei anderen Themen – Asyl oder Landwirtschaft – liegen jedoch Welten zwischen den Parteien. Besonders schön durften Journalisten das in der vergangenen Woche beobachten, als das Bündnis einvernehmlich zum Bildungsgipfel lud – um sich dann vor versammelter Mannschaft deutlich zu widersprechen.

Kurioserweise freut sich bislang nur die CSU darüber, dass sich Aiwanger nicht festlegen will. Intern lautet bei den Christsozialen die Vorgabe, die Freien am besten totzuschweigen. In den Versammlungen vor Ort aber erklären die CSU-Kandidaten gerne, bei den Freien kaufe man die „Katze im Sack“. Einige trauen Aiwanger sogar deutlich mehr Prozent zu, sollte er sich vorab offen für ein Bündnis mit der CSU entscheiden.

Aiwanger aber wiegelt ab. Er traut sich ohnehin mehr zu. Die Freien würden im September eher bei 15 als bei den aktuell prognostizierten zehn Prozent liegen, sagt er. Und die CSU „eher unter 40 als darüber“. Auch deshalb wolle er keine Koalitionsaussage machen. Man müsse sehen, wer der Verhandlungsführer sei. „Ich gehe fest davon aus, dass nach der Wahl Seehofer nicht mehr der starke Mann in der CSU sein wird."

Von Mike Schier

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