Droht Papst Benedikt ein Todesurteil der Ayatollahs?

- München - Papst Benedikt schwebte noch in den Wolken, die Lufthansa-Maschine mit ihm an Bord war noch nicht in Rom gelandet, da brach die Welle der Empörung los. Es begann in der Türkei. "Feindselig und provozierend" seien seine Worte über den Islam gewesen, meinte ein hoher muslimischer Geistlicher. Das war nur der Anfang, innerhalb weniger Stunden eskalierte der Streit, aus allen Teilen der islamischen Welt hagelte es Kritik, und am Freitag detonierte im Gaza-Streifen vor einer Kirche ein Sprengsatz.

Kurz zuvor hatte ein Vatikansprecher noch versucht, die Wogen zu glätten - vergeblich. Mit seinen gelehrten Worten hat der Papst einen offenen Konflikt mit dem Islam hervorgerufen.

Italienische Vatikanexperten hatten den "wunden Punkt" in der gewundenen und etwas sperrigen Rede des ehemaligen Professors Ratzinger an der Universität Regensburg sofort erkannt. Etwas "bizarr" sei die Art und Weise, wie der Papst da mit den Muslimen umgehe, meinte Marco Politi, einer der renommierten Vatikanisten. Es wurde sogar gewitzelt, ob es bald eine Fatwa (ein Todesurteil) von Ayatollahs gegen den Papst gebe. Aber da war der Ton der Debatte noch eher amüsiert.

Das hat sich geändert: Die größte Organisation islamischer Staaten OIC wirft Benedikt XVI. vor, er habe eine "Verleumdungskampagne" gegen den Islam und den Propheten Mohammed losgetreten. Das Parlament in Pakistan forderte, das katholische Kirchenoberhaupt solle seine Worte rasch zurücknehmen.

Türke vergleicht Benedikt mit Hitler

Der Vize-Vorsitzende der türkischen Regierungspartei AKP, Salih Kapusuz, meinte gar, der Papst werde wegen seiner Äußerung als negative Figur in die Geschichte eingehen wie Hitler und Mussolini. Die Bemerkungen des Papstes basierten entweder auf einer bedauernswerten Ignoranz gegenüber dem Islam oder seien eine absichtliche Verdrehung von Tatsachen, was eine 1000-fache Multiplikation von Ignoranz wäre. "Er hat eine dunkle Mentalität, die aus der Dunkelheit des Mittelalters kommt", sagte Kapusuz über das Oberhaupt der Katholiken. Der oberste islamische Geistliche in der Türkei, Bardakoglu, fügte hinzu, nicht der Islam, sondern das Christentum habe das Schwert zur Bekehrung genutzt: "Die Kirche und die westliche Öffentlichkeit haben Kreuzzüge begonnen, weil sie im Islam den Feind sehen."

Die ägyptische islamische Arbeitspartei rief zu Protesten auf: "Wacht auf, Muslime, der Papst beleidigt den Propheten und bezeichnet den Islam in seiner Ahnungslosigkeit als möglichen Feind." In Syrien forderte ein Großmufti Benedikt auf, seine kritischen Äußerungen zum Islam zu erklären.

Indische Muslime verstiegen sich in ihrer Kritik sogar zu Worten wie "Blasphemie". Im mehrheitlich muslimischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir beschlagnahmten Polizisten vorsorglich Tageszeitungen, in denen über die Papst-Rede berichtet wurde, um Unruhen zu verhindern.

Der iranische Kleriker Ahmad Chatami, Mitglied des höchsten islamischen Gremiums des Landes, bezeichnete die Äußerungen des Papstes als "unerhört": "Obwohl solche Äußerungen nur das Licht des Islams weiter erhellen werden, fordern wir den Papst auf, sich mehr mit dem Islam auseinanderzusetzen."

Verärgert reagierte auch der deutsche Zentralrat der Muslime, der sich der Kritik an der Rede des Papstes zum Islam anschloss: "Wir sind empört über diese Äußerungen - insbesondere nach dem intensiven Dialog, den wir geführt haben", sagte der Vorsitzende Ayyub Axel Köhler. "Wir setzen den Dialog trotzdem fort", fügte er hinzu. "Denn wir wollen die Wertegemeinschaft festigen. Das ist das, was wir zur Entschärfung dieser Situation hier in Deutschland beitragen können."

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