Aufmüpfig oder demütig?

Duell in der Jungen Union

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München - In Oberbayern entscheidet sich das Schicksal des Bundesverbands der Jungen Union: Kuscheln oder Kanzlerin kritisieren? Eine Kampfkandidatur ist unvermeidlich.

In der Union ist das seit Jahren so eine Art Naturgesetz: Wenn Angela Merkel wissen will, wer sie demnächst ärgert, muss sie nach Ingolstadt schauen. Nächste Woche gilt das sogar doppelt: An Horst Seehofers Heimatort nämlich dürfte sich – das ist Zufall – entscheiden, wer künftig den Bundesvorsitz der Jungen Union innehat und ob die 117.000 Mitglieder fortan eher aufmüpfig oder demütig auftreten werden.

In Ingolstadt müssen sich am 13. August die zwei Bewerber für die bundesweite JU-Spitze den bayerischen Delegierten stellen. Durch ganz Deutschland sind sie schon getourt. Jetzt geht es um die letzten 66 Stimmen, auf die es bei der Wahl entscheidend ankommen wird. Bundesweit ist das Rennen um die Nachfolge des mindestens aus Altersgründen ausscheidenden Philipp Mißfelder (34) nämlich offen. „Es wird sauknapp, am Ende entscheiden vielleicht nur fünf Stimmen“, sagen Beteiligte.

Zwei junge Männer kandidieren: Paul Ziemiak, 28 Jahre alt und JU-Chef in Nordrhein-Westfalen. Und Benedict Pöttering, 31 Jahre alt und stellvertretender JU-Bundesvorsitzender. Kampfkandidaturen sind im Unions-Nachwuchs ungewöhnlich, in zwölf Jahren Mißfelder ging es zunehmend gesetzt zu. Nun aber wird ein Duell nach allen Regeln der JU-Kunst praktiziert, also inklusive allerlei Tiefschläge: Der in den Medien sehr zurückhaltende Ziemiak kämpft gegen das Image als ewiger Student. Gegen Pöttering wird geschmutzelt, er wolle basisfern und ohne viel Inhalte in Papis Fußstapfen treten – Vater Hans-Gert Pöttering war EU-Parlamentspräsident und führt die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung. Sohn Pöttering immerhin zeigte Biss, als er auf einem CDU-Parteitag gegen die Rente mit 63 wetterte. Merkel, der Chefin der Großen Koalition, soll das nicht sonderlich gefallen haben.

Im Ingolstädter Gasthaus Mittl werden sie also gegeneinander um die Bayern buhlen. Der Freistaat dürfte mehrheitlich, aber nicht geschlossen auf Pötterings Seite stehen, ist in vielen Gesprächen zu hören. „Beide sollen sich mal vorstellen, ein Frage-Antwort-Spiel. Ich will dem nicht vorgreifen“, sagt der Landesvorsitzende Hans Reichhart diplomatisch. Man sehe sich beide Kandidaten an, erklärt auch seine Vorgängerin Katrin Albsteiger, die eher bei Pöttering vermutet wird.

Bayerns Interesse ist eh ein anderes: Albsteiger soll zur Vizechefin auf Bundesebene aufsteigen, von welchem Vorsitzenden auch immer. Dafür haben sie die bayerischen JUler bereits nominiert. Mancher drängte die telegene Bundestagsabgeordnete gar, sich angesichts der zankenden Konkurrenten gleich selber um den Vorsitz zu bewerben. Das würde zur kuriosen Situation führen, dass Merkel erstmals plötzlich eine CSU-Politikerin mitten im geheim tagenden CDU-Vorstand sitzen hätte, wo der JU-Chef einen festen Platz hat. Albsteiger allerdings macht dazu keinerlei Anstalten.

Die Vorentscheidung also fällt in Ingolstadt, die Entscheidung dann in Inzell: Der Deutschlandtag findet dort im südlichen Landkreis Traunstein von 19. bis 21. September statt. Als Ehrengast dürfte dann auch Merkel einfliegen. Sie will den wegen seiner Russland-Nähe zuletzt herb in die Kritik geratenen Mißfelder verabschieden und ihren verbleibenden Nachwuchs inspizieren.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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