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Dunja Hayali eckt mit ihren Äußerungen in der Öffentlichkeit immer wieder an - stößt so aber auch öffentliche Debatten an.

Begegnung im Park

Ganz persönlicher Facebook-Post: Dunja Hayali ertappt sich bei üblem Vorurteil - das ist ihre Reaktion

Sie ist bekannt für ihre klaren Worte - und für ihre Anstöße zu gesellschaftlichen Debatten. Die TV-Moderation Dunja Hayali hat jetzt ein neues Thema gefunden. Hintergrund ist ein Spaziergang im Görlitzer Park in Berlin und eine Begegnung mit mehreren Männern mit dunkler Hautfarbe.

Berlin - Dunja Hayali hat es schon wieder getan. Die TV-Moderation hat auf Facebook den nächsten Versuch gestartet, eine gesellschaftliche Debatte zu entfachen. Dieses Mal ist ihr Hintergrund ein ganz persönlicher. Es sind Gedanken nach einem privaten Spaziergang im Görlitzer Park mit ihrer Hündin Emma.

„Ich dachte umgehend: Na toll, schon wieder neue Dealer“

In dem Post auf Facebook vom Samstag schreibt die 44-Jährige: „Vor ein paar Tagen lief ich mit Emma durch den „Görli“ (Görlitzer Park, Anm. d. Red.). Ich sah drei farbige Männer und dachte umgehend „Na toll, schon wieder neue Dealer“. Bis ich die dazugehörigen Familien wahrnahm und die Frage hörte: „Dürfen die Kids mal Ihren Hund streicheln?“. Da war klar: keine Dealer. Klar war aber auch: kurzzeitig übelst ertappt. Die Schimpfworte, mit denen ich mich innerlich überzog, erspare ich Ihnen.“

Dieses Erlebnis aus dem für seine Drogendealer-Szene bekannten Park im Stadtteil Kreuzberg nimmt sie zum Anlass, über das Schubladendenken, also über Vorurteile in der Gesellschaft nachzudenken. „Die Fronten verhärten immer mehr. Genauso, wie Ablehnung und Ausgrenzung allem Fremdländischen gegenüber wachsen, werden auch andere Gruppierungen mal eben per Pauschalurteil separiert“, schreibt sie weiter. Die TV-Moderation war erst Mitte Mai von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für ihr Engagement für Demokratie und gegen Rassismus mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden.

Sind mittlerweile auch als Gespann bekannt: TV-Moderation Dunja Hayali und ihre Hündin Emma.

Dunja Hayali fordert, das eigene Schubladendenken zu hinterfragen

Zwar sei wissenschaftlich belegt, dass sich der Mensch nur mit Vorurteilen, mit schnellen Einsortierungen von anderen Menschen, Dingen und Situationen, die Welt ein wenig einfacher machen kann - ein Überlebensinstinkt. Andererseits habe der Mensch aber auch die Fähigkeit des Hinterfragens entwickelt. Und genau die solle er auch einsetzen, schreibt die Journalistin, die für ihr Engagement in ihrem Beruf bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden ist, darunter etwa die Goldene Kamera. Sie ist bekannt dafür, sich auch in politische Debatten einzumischen - so wie kürzlich bei der Bundestagsdebatte rund um Äußerungen der AfD-Politikerin Alice Weidel.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Dunja Hayali erst am 23. Mai das Bundesverdienstkreuz für ihr öffentliches Engagement verliehen.

Hayali stellt deshalb im Folgenden die Fragen: „Kann ich wirklich jemanden hassen, weil er/sie gerade mal Geld aus irgendeinem „Topf“ bekommt? Weil er/sie anders aussieht als ich? Oder anders spricht? Anders glaubt?“ Ihre Haltung ist klar: „Das ist doch völlig überzogen! Völlig bekloppt.“ Aus diesem Grund sei es wichtig, sich seiner Vorurteile bewusst zu werden, sie zu hinterfragen, jeden Menschen einzeln kennenzulernen und erst dann zu bewerten - auch wenn das nicht immer leicht sei.

Dunja Hayalis Fazit: „Schubladen sind für Socken da, aber nicht für Menschen“

Ihr Fazit lautet: „Aber egal wie sehr wir (in Diskursen) auseinanderdriften, eines sollten wir bedenken: nichts gibt einem den Freibrief, jemanden auf den ersten Blick einfach in eine Schublade einzusortieren. Denn Schubladen sind nun einmal für Socken da, vielleicht auch für ganz bunten Krimskrams, aber nicht für Menschen.“ Diese Haltung hatte sich auch schon beim Skandal rund um die Essener Tafel Anfang dieses Jahres eingenommen.

Gemeinsam machen Dunja Hayali und Hündin Spaziergänge durch Berlin - auch durch den Görlitzer Park.

Die Kommentare unter dem Post lassen in jedem Fall erkennen, dass sich viele Befürworter dieser Vorgehensweise finden - aber auch einige, die offenbar nichts davon verstanden haben, was die Moderatorin des „ZDF-Morgenmagazins“ mit ihrem sehr persönlichen Post ausdrücken wollte. Doch dieses Gefühl kennt sie ja bereits aus diversen Beleidigungsprozessen und gerichtlichen Auseinandersetzungen nach Debatten auf ihrer Facebook-Seite. Sie eckt mit ihrem Engagement für eine bessere Welt immer wieder an.

Philipp Keßler

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