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Dunja Hayali musste sich in einer Livesendung des ZDF-Morgenmagazins mit einer Störerin auseinandersetzen. Sie stürmte die Bühne und skandierte „Lügenpresse“. 

Hass im Internet

Dunja Hayali erzählt von großem Schock und hat einen Wunsch beim Thema Flüchtlinge

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In einem Interview spricht TV-Moderatorin Dunja Hayali über Hass im Netz und Kritik am Journalismus. Sie weiß auch, was besser gemacht werden könnte.

Berlin - Kaum eine Person im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen polarisiert so wie Dunja Hayali. Die TV-Moderatorin ist streitbar und muss sich vor allem im Netz vielen Hasskommentaren stellen - bekommt aber auch häufig Unterstützung. In einem Interview mit dem PresseClub-Chefredakteur Peter Schmalz erzählt sie, was ihr in den sozialen Medien widerfährt und was für Lehren sie daraus gezogen hat. Und vor allem worüber man viel häufiger reden sollte.

Die in Berlin-Kreuzberg lebende 44-Jährige mit irakischen Wurzeln hat ihre eigene monatliche Polit-Talkrunde im ZDF, die ihren Namen trägt. Sie gehört seit 2018 zum Moderatorenteam des aktuellen Sportstudios und moderiert gelegentlich das ZDF-Morgenmagazin. Dort kam es vor kurzem zu einem Zwischenfall, als eine Zuschauerin die Bühne stürmte und lauthals „Lügenpresse“ skandierte. Hayali reagierte gelassen auf die Störerin. Doch der Vorfall stellt nur die Spitze eines Eisbergs dar.

Dunja Hayali äußert Wunsch: Sachlich diskutieren

In sozialen Netzwerken wird Hayali - besonders auf Twitter - hart angegangen und beleidigt. Damit umzugehen, musste die 44-Jährige erst lernen. „Zumindest die massiven persönlichen Angriffe, inklusive Morddrohungen, waren schon ein Schock. Es ging nicht mehr um die Sache, sondern um Ideologien und Dogmen“, erzählt sie Schmalz im Interview. Und das mache einen Diskurs so schwer. Man könne gerne über alles sachlich diskutieren aber nicht beleidigend werden, wünscht sich die Moderatorin. 

Dass es im Netz immer häufiger um die Person geht, die schreibt, als um den Inhalt, zeigt Hayali an polarisierenden Beispielen. So könnte Alice Weidel von der AfD oder Claudia Roth von den Grünen etwas behaupten, was den Konsens beider politischen Spektren - links und rechts - entspricht und würde trotzdem Anfeindungen erfahren. Nach dem Prinzip „der glaub ich kein Wort“. Die 44-Jährige findet es besonders bedenklich, dass Fakten immer mehr ignoriert werden, wenn es doch einmal zu einer Diskussion kommt. Sie sage dann immer: „Sie können Ihre eigene Meinung haben, aber nicht Ihre eigenen Fakten.“

Lesen Sie auch: #Abschiebechallenge: Hass auf Twitter gegen Prominente mit Migrationshintergrund

Dunja Hayali über Flüchtlings-Berichterstattung: Wünsche mir mehr Korrektheit in den Formulierungen

Generell würde sich die Moderatorin wünschen, dass ein Umdenken in der Netzwelt stattfindet. Worte wie Gutmenschen sollten nicht als Beleidigung missbraucht werden. Das seien „Menschen, die aufstehen, die anpacken, die helfen, die nicht nur meckern, sondern die sich bewegen, um etwas zu bewegen. Seit wann haben diese Menschen Hass verdient?“ Außerdem sollte man bei Formulierungen genauer sein - nicht nur im Netz. Grenzen wurden beispielsweise 2015 nicht geöffnet, denn sie waren nie geschlossen. Hier sieht sie auch die Journalisten in der Pflicht, korrekter zu arbeiten.

Auch über die Flüchtlingskrise wurde in dem Interview gesprochen - ein Wort das Hayali nicht gefällt. Die Krise haben doch die Flüchtlinge und nicht wir, so die Moderatorin. Und, dass der starke Zustrom an Geflüchteten 2015 so gut gemeistert wurde, lag nicht zuletzt an der Arbeit vieler freiwilliger Helfer, über die, nach ihrer Meinung, viel zu wenig berichtet würde. „Wir berichten nur noch über Kriminalität, innere Sicherheit und Abschiebung. Das ist alles richtig und wichtig, aber wir vergessen zu sehr die andere Seite, das Gelingen, das Positive.“

Dunja Hayali: Zuschauer wollen mehr positive Nachrichten hören

Ist es eine Berufskrankheit, das Negative in den Vordergrund zu stellen, fragt Schmalz. Das verneint Hayali nicht, sie habe nur die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Menschen auf sie zukämen und fragen würden: „Was ist denn los mit euch, warum bringt ihr nicht mal gute, positive Nachrichten?“ Daher wundere es sie nicht, dass alle glauben, das Land fahre gegen die Wand, so die 44-Jährige. Sicher diene der Journalismus als „vierte Säule der Demokratie“ und muss als Kontrollorgan häufig Kritik üben. „Aber die Zuschauer haben recht: die andere Seite gehört auch dazu.“ 

Mit diesem Twitter-Post brachte die TV-Moderatorin viele weibliche User gegen sich auf. 

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