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Bei einem Anschlag in Kabul sind am Mittwoch mindestens 25 Menschen getötet worden (Symboldbild).

IS bekennt sich

Dutzende Tote und Verletzte bei Selbstmordanschlag in Kabul 

Ein Abschiebeflieger aus Deutschland landet am Mittwoch in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Das Land wird erneut von massiver Gewalt erschüttert. 

Kabul - Ein Abschiebeflug aus Deutschland mit 46 Afghanen an Bord ist am Mittwoch in der afghanischen Hauptstadt Kabul gelandet. Unter den Abgeschobenen sind 22 rechtskräftig Verurteilte. Nur wenige Stunden nach Ankunft der Maschine sprengte sich am Nachmittag in Westkabul ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss mindestens 48 Menschen mit in den Tod, mindestens 67 wurden verletzt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Madschroh, sagte. Die Abschiebungen sind umstritten, weil sich der Krieg in Afghanistan ausweitet. Erst am vergangenen Freitag überfielen Taliban die strategisch wichtige ostafghanische Stadt Gasni.

Nach Angaben des Leiters der Kabuler Kriminalpolizei, Salim Almas, zündete der Selbstmordattentäter seine Bombe in einem Bildungszentrum im Viertel Dascht-e Bartschi. Laut Facebook-Profil des Zentrums werden dort Jugendliche auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vorbereitet, sie besuchen auch Literatur-Kurse. Lokale Medien berichteten, der Attentäter habe sich als Student ausgegeben.

Zunächst reklamierte niemand den Anschlag für sich. Das Viertel Dascht-e Bartschi war in diesem Jahr bereits mehrere Male Schauplatz von Selbstmordattentaten. Es wird vor allem von Schiiten bewohnt. Sunnitischen Extremisten werfen Schiiten vor, sie seien vom rechten Glauben abgefallen.

Anders als in vielen muslimischen Ländern gibt es in Afghanistan keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. Aber seit dem Aufkommen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Anfang 2015 sind Schiiten - die meistens der ethnischen Minderheit der Hasara angehören - zunehmend Ziel von grausamen Angriffen. Seit Januar gab es in der afghanischen Hauptstadt 16 Anschläge mit mehr als 240 Toten.

Die aus Deutschland abgeschobenen Afghanen wurden von 101 Polizisten begleitet. Es war die 15. Sammelabschiebung seit dem ersten Flug im Dezember 2016. Damit haben Bund und Länder seit Dezember 2016 bisher 349 Männer nach Afghanistan zurückgebracht.

Laut Bundesinnenministerium beteiligten sich an der Rückführungsmaßnahme Brandenburg, Berlin, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Saarland und Sachsen. 25 der 46 Männer hatten sich nach Angaben des bayerischen Innenministeriums zuletzt in Bayern aufgehalten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums gab es Ende Januar in Deutschland 4151 ausreisepflichtige Afghanen ohne Duldung.

Bei den Kämpfen in Gasni starben bisher mehr als 100 Sicherheitskräfte und 200 Talibankämpfer, wie das Verteidigungsministerium in Kabul mitteilte. Den Vereinten Nationen zufolge wurden zwischen 110 und 150 Zivilisten verletzt oder getötet.

In der Nacht zum Mittwoch wurden bei mehreren Angriffen in der nördlichen Provinz Baghlan zudem mindestens 40 Sicherheitskräfte getötet. Die Aufständischen attackierten demnach im Gebiet Baghlan-e Markasi drei Kontrollposten sowie eine Militärbasis, wie Hadschatullah Wafa, ein Mitglied des Provinzrates, mitteilte.

Militärangaben zufolge übt die Regierung in der Provinz nur in einem Bezirk größeren Einfluss aus. Ein weiterer ist unter Kontrolle der Taliban, die restlichen 13 sind zwischen Regierungstruppen und Taliban umkämpft.

Die Taliban haben in den vergangenen Monaten in Afghanistan vermehrt Großangriffe auf Militärbasen und Kontrollposten der Sicherheitskräfte verübt. Erst am Dienstag überrannten sie eine Militärbasis in der nordwestlichen Provinz Fariab. Die Angaben zu den Opfern waren unklar. Zunächst hieß es, mindestens 50 Soldaten kamen dabei ums Leben. Am Mittwoch hieß es, mindestens 17 Militärs wurden getötet, mindestens 12 weitere seien schwer verletzt worden.

Die Taliban kontrollieren laut Militärangaben knapp 14 Prozent des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft. Die Bundeswehr beteiligt sich in Afghanistan an der Nato-Ausbildungsmission „Resolute Support“. Die US-Truppen unterstützen die Einsätze der afghanischen Streitkräfte regelmäßig mit Luftangriffen und Spezialkräften.

Lesen Sie auch: Deshalb entziehen die Taliban dem Roten Kreuz in Afghanistan die Schutzgarantien

dpa

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