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Drohne der US Air Force. Foto: Lt. Col. Leslie Pratt/Symbol

Dutzende zivile Tote bei US-Luftangriff im Norden Syriens

Noch nie dürfte ein US-Luftangriff gegen die Terrormiliz IS in Syrien so viele Zivilisten das Leben gekostet haben. Nur ein Irrtum? Oder missbrauchen die Extremisten Zivilisten als Schutzschild?

Damaskus (dpa) - Bei einem amerikanischen Luftangriff auf die IS-Terrormiliz sind im Norden Syriens nach unterschiedlichen Angaben bis zu 80 Zivilisten getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Unter den Opfern seien ganze Familien, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Im Nordwesten des Landes gerät indes das Regime des Machthabers Baschar al-Assad angesichts neuer Vorstöße der Aufständischen unter Druck. 

US-Kampfjets griffen laut den Berichten ein Dorf unter Kontrolle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an, das rund 40 Kilometer südlich der Stadt Kobane liegt. Auch Kämpfer der Extremisten seien getötet worden. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass der IS die Zivilisten als Schutzschilde missbrauchte.

Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardieren seit September vergangenen Jahres regelmäßig IS-Stellungen in Syrien. Die Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei war im vergangenen Sommer monatelang umkämpft, bis sie von kurdischen Milizen mit US-Luftunterstützung von der IS-Herrschaft befreit wurde.

Die vom IS kontrollierte Nachrichtenagentur Amaaq bezifferte die Zahl der getöteten Zivilisten mit 80. Aktivisten außerhalb der IS-beherrschten Zone sprachen von zusammengerechnet 90 Toten und Verletzten. Es dürfte sich um den bisher folgenschwersten Luftangriff der US-Allianz in Syrien gehandelt haben. Die Menschenrechtsbeobachter, die Informationen von Aktivisten in ganz Syrien auswerten, beziffern die Zahl der zivilen Opfer aller bisherigen US-Angriffe in Syrien mit 70.

Das Pentagon in Washington bestätigte, dass in sechs Luftangriffen sieben IS-Stellungen und ein Fahrzeug der Terrormiliz zerstört wurden. Über zivile Opfer machte das US-Verteidigungsministerium wie gewohnt keine Angaben. 

Rebellen und Regierungskräfte lieferten sich indes unweit der Hafenstadt Latakia heftige Kämpfe um die strategisch wichtige Anhöhe Nabi Junis. Sollten die Regimegegner das Gebiet einnehmen, würde ihnen das den Weg in die syrische Küstenebene öffnen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dort hat die religiöse Minderheit der Alawiten ihre Hochburg, der auch Machthaber Assad angehört.

Bei den Kämpfen um die rund 1500 Meter hohe Anhöhe einer Gebirgskette östlich der Küstenebene starben sieben Rebellen und zehn Kämpfer des Regimes, wie die Beobachtungsstelle weiter erklärte.

Die Küstenebene um die Stadt Latakia ist seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 weitgehend von Kämpfen verschont geblieben. Sollte der Konflikt das Gebiet erreichen, würde das den Druck auf das von Alawiten getragene Regime in Damaskus massiv erhöhen.

Der UN-Sondervermittler für Syrien, Staffan de Mistura, will von Dienstag an in Genf versuchen, wieder Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Opposition in Gang zu bringen. Die Sondierungsgespräche mit einzelnen Konfliktparteien sollen über mehrere Wochen gehen. Die letzten Friedensverhandlungen in Genf waren Anfang 2014 gescheitert.

Heftige Kämpfe lieferten sich islamistische Milzen und regimetreue Kräfte auch um eine Klinik in der Stadt Dschisr al-Schogur im Nordwesten Syriens. Laut den Menschenrechtsbeobachtern sind in der Klinik rund 150 Regierungssoldaten und Zivilisten eingeschlossen. Die Milizen hatten die Stadt vor einer Woche eingenommen. Zu den Rebellen gehört auch die Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Ende März hatte das Regime in der Region die Stadt Idlib verloren.

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