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Unbekannte Hacker haben 198 E-Mail-Adressen der bayerischen Staatsregierung geknackt.

E-Mail-Adressen geknackt

„Bayern hat ein Sicherheitsproblem“

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München – Unbekannte Hacker haben 198 E-Mail-Adressen der bayerischen Staatsregierung geknackt. Finanzminister Markus Söder gibt sich gelassen. Doch die Opposition warnt: Bayern hat ein Sicherheitsproblem.

Die Meldung schreckte im Januar jeden Internet-Benutzer auf. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schlug Alarm, weil Unbekannte insgesamt 16 Millionen E-Mailkonten gehackt hatten. Inzwischen ist klar: Auch fast 200 Konten der Staatsregierung mit der Endung „bayern.de“ waren betroffen. Ob auch auf Mailadressen des Landtags unter der Domäne „landtag.de“ zugegriffen wurde, ist offen. Das BSI verweigert eine Weitergabe der Informationen an den Freistaat.

Aufgekommen ist das alles durch eine Anfrage der stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Fraktion, Katharina Schulze. Die Antwort von Finanzminister Markus Söder (CSU) gewährt einen tiefen Einblick in die deutsche Gesetzeslage zum Datenschutz in Zeiten des Internets. „Die Staatsregierung hat sich mehrfach beim BSI aktiv um die betroffenen E-Mail-Identitäten bemüht“, schreibt Söder. Doch während die Hacker die Daten nach Belieben missbrauchen können, legen sich die Behörden untereinander Steine in den Weg. Das BSI weigerte sich jedenfalls, die Staatsregierung zu informieren. Natürlich aus Datenschutzgründen.

Katharina Schulze

Das Verhalten der Bundesbehörde löst bei Regierung wie Opposition Verwunderung aus. „Man sollte doch meinen, dass deutsche Behörden in so einem Fall besser zusammenarbeiten“, sagt Katharina Schulze. Im Finanzministerium sieht man das ähnlich. Per Amtshilfeersuchen in Niedersachsen – bei der dortigen Staatsanwaltschaft ist das Verfahren anhängig – bekam man schließlich die 198 Konten mitgeteilt. Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Das Ersuchen umfasste jedoch nur die Domäne „bayern.de“.

Die Frage ist nun, was die unbekannten Hacker mit den Daten anfangen können. Der Diebstahl erfolgte wohl über Internetseiten oder private Rechner, die mit Schadsoftware befallen waren. Im Januar hatte das BSI erklärt, meist seien die Kombinationen von Passwort und Nutzernamen entwendet worden. Welchen Schaden die Hacker mit den Millionen Daten angerichtet haben, ist bislang nicht bekannt.

„Die von diesem Vorfall ausgehende Bedrohung für die staatlichen IT-Systeme wird als sehr gering eingeschätzt“, schreibt Söder. Dem Vernehmen nach sind die Rechner der Staatsregierung durch eine sehr hohe Firewall geschützt. Katharina Schulze ist dennoch skeptisch. „Ich finde, die Staatsregierung beschwichtigt, wenn sie uns glauben lassen will, dass kaum eine Gefahr bestanden hat“, sagt die Innenpolitikerin. „So sicher ist das wohl alles doch nicht.“ In den nächsten Tagen will sie mit einer weiteren Anfrage nachhaken.

Opfer der Hacker wurden neben der Staatskanzlei, dem Landtagsamt und mehreren Ministerien übrigens noch zwei sensible Behörden. Der Oberste Rechnungshof, der den Mächtigen auf die Finger schauen und hauen soll, bestätigt: „Es gab offenbar einen Angriff.“ Zwei Adressen wurden geknackt. Noch bitterer: Die Hacker trafen auch Bayerns Datenschutz-Beauftragten Thomas Petry, der seit Jahren für einen sensibleren Umgang mit Daten kämpft und seinen Mitarbeitern strenge Vorgaben macht. Petry wurde am Freitag von der Anfrage unserer Zeitung überrascht. Davon höre er zum ersten Mal. Söder hatte dagegen erklärt, am 6. Februar alle Opfer informiert zu haben: „Den Behörden wurde empfohlen, die Passwörter der betroffenen Nutzer umgehend zu ändern sowie deren PCs auf Schadsoftware zu überprüfen.“

Vielleicht erklärt das, warum ausgerechnet im Namen des Datenschutzbeauftragten in den vergangenen Wochen Spam-Mails verschickt wurden. „Wir schreiben niemanden an ohne vorherigen Kontakt, verlangen niemals Geld oder sensible Daten per Mail“, sagt Petry. Hinweise, dass die Kommunikation mit Behörden und Petenten abgegriffen wurde, hat Petry indes nicht.

Mike Schier und Christian Deutschländer

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