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Es ist einer dieser spontanen Ausbrüche aus dem Protokoll des Staatsbesuchs, für die Entwicklungsminister Gerd Müller gefürchtet ist: In Ghana, kurz vor dem Besuch im Präsidentenpalast, dirigierte der CSU-Mann seine Kolonne zu einer stinkenden Müllkippe um. Er wollte spontan mit den Menschen reden, die zwischen Bergen von Elektronikschrott leben – der auch aus Deutschland stammt.

Besuch in Westafrika

Minister in Ebola-Region: „Eindrücke, die man nie vergisst“

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München - Die Bundesminister Gerd Müller und Hermann Gröhe nehmen gerade die schlimmsten Ebola-Regionen in Westafrika in Augenschein. Im Telefon-Interview sprachen sie mit uns über ihre Eindrücke.

Vier Tage lang reisen zwei Bundesminister durch die Ebola-Region in Westafrika. Gerd Müller (CSU, Entwicklung) und Hermann Gröhe (CDU, Gesundheit) versprechen einen Ausbau der Hilfen – die Epidemie sei noch längst nicht besiegt. Wir haben mit Müller am Donnerstagnachmittag telefoniert. 

Sie nehmen derzeit in Westafrika auch die schlimmsten Ebola-Regionen in Augenschein. Sind wir weit weg von einer Entwarnung?

Es gibt nach den neuesten Zahlen 30 Infektionen pro Woche. Die Epidemie ist aber noch nicht besiegt. Das Virus kann jeden Tag in einem anderen Land Afrikas neu ausbrechen. Nach wie vor ist höchste Vorsicht geboten. Die Dimension der Epidemie ist leider zu Beginn unterschätzt worden.

Sie treffen in Kürze in Liberia Ebola-Helfer und ehemalige Patienten. Ist Ihnen mulmig davor?

Nein. Der Kontinent hat viele Probleme: 120 000 Menschen sterben an Masern, tausende an Cholera, bisher über 10 000 an Ebola. Das kann ich mir nicht nur aus der Ferne berichten lassen. Wer praxisnah reagieren will, muss sich vor Ort ein Bild machen. Auch wenn es hart ist – das sind Eindrücke, die man ein Leben lang nicht vergisst.

Wie wollen Sie helfen?

Wir werden in den drei am meisten betroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia, wo das Gesundheitssystem teils nur rudimentär entwickelt ist, unser Engagement verdoppeln. Insgesamt werden wir unsere Mittel zur Stärkung der Gesundheitssysteme in Afrika dieses und nächstes Jahr um 200 Millionen Euro aufstocken. Die Ausstattung der Kliniken muss besser werden, wir brauchen mobile Teststationen und müssen das Personal ausbilden. Ganz wichtig ist außerdem: Aufklärung.

Ein Problem sind hier vor allem die Beerdigungsrituale: Ebola-Tote, hoch infektiös, werden von Hand gewaschen. Hört da irgendwer auf Mahnungen eines deutschen Ministers?

Das ist tatsächlich am schwierigsten: Hier geht es um jahrhundertealte Sitten und Bräuche. Wir müssen die Infektionskette aber durchbrechen. Rituale werden Ebola nicht verhindern, sondern bringen die Menschen zusätzlich in Gefahr.

Die Menschen zuhause fragen sich: Wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass Ebola etwa über Flüchtlinge nach Europa, nach Deutschland, übertragen werden kann?

Ausschließen kann ich gar nichts. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Afrika ist 90 Mal größer als Deutschland, die Gebiete der Epidemie sind präzise lokalisiert. Sie gehören zudem nicht zu den Ländern, aus denen die Menschen in großer Zahl zu uns fliehen.

Sie haben es angesprochen: Afrika hat noch weit mehr Probleme. Eben sind Sie spontan aus dem Protokoll ausgebrochen, haben mit Ihren verdutzten Mitarbeitern in Ghana bei 38 Grad eine riesige Müllhalde besucht. Erkenntnisse?

Das ist die größte Elektronikschrott-Müllhalde der Welt. 10 000 bis 20 000 Kinder arbeiten dort. Unendliche Quecksilber-Dämpfe von brennenden Teilen wabern über die Halde, verätzen die Lungen. Ja, ich wollte das sehen: hier ist das Ende der Wertschöpfungskette. Und ich frage mich: Darf das sein? Darf es sein, dass wir am Anfang der Wertschöpfungskette schon keine fairen Preise für die Ausbeutung seltener Werkstoffe und Mineralien zahlen, und am Ende die Geräte wieder hier landen? Die Zustände sind unbeschreiblich.

Sie appellieren immer daran, faire Preise zu zahlen. Reicht das, um Entwicklungsländern effektiv zu helfen?

Es ist keine Marotte von mir, wenn ich davon rede, Globalisierung gerecht zu gestalten. Mir ist das sehr ernst. Nehmen wir das Beispiel der Schokolade: Wenn Sie beim Discounter eine Tafel kaufen, für 70 Cent vielleicht, dann gehen davon nur zwei Cent an die Arbeiter auf der Kakaoplantage. Das muss sich ändern. Deshalb haben wir das Thema auch auf die Tagesordnung beim G7-Gipfel in Elmau gesetzt.

Sie steigen jetzt gleich in den Flieger nach Liberia. Bei der Ankunft wird verpflichtend Fieber gemessen. Gilt das sogar beim Staatsgast?

Selbstverständlich. Wir wurden vorher darauf aufmerksam gemacht: Bei der Ein- und Ausreise wird Fieber gemessen und auf Symptome geachtet. Das halte ich für richtig, wir wollen da auch ein Vorbild sein.

Das Interview führte Christian Deutschländer.

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