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In der Kritik: Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA).

Ermittlungen gegen Friedrich

Edathy-Affäre: Regierung steht zu BKA-Chef

Berlin - Fragen über Fragen im Fall Edathy: Durfte Minister Friedrich den SPD-Chef informieren? Warum hat der BKA-Präsident den Kinderpornografie-Fall in den eigenen Reihen nicht öffentlich gemacht?

In der Edathy-Affäre rücken Ermittlungen gegen den als Minister zurückgetretenen Hans-Peter Friedrich (CSU) näher. Die Berliner Staatsanwaltschaft bat die Bundesregierung um die dazu nötig Ermächtigung. Mit Rücktrittsforderungen aus der Opposition sah sich am Montag weiterhin der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, konfrontiert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) steht indes zu Ziercke. Grüne und Linke dringen auf Aufklärung im Bundestag-Innenausschuss und in einem Untersuchungsausschuss.

Der Verdacht gegen Friedrich lautet auf Verrat von Dienstgeheimnissen im Zusammenhang mit dem Fall des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy. Als Bundesinnenminister hatte der CSU-Politiker Mitte Oktober während der schwarz-roten Koalitionsgespräche den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel über das Auftauchen von Edathys Name auf der Käuferliste eines kanadischen Kinderpornografie-Versands informiert. Friedrich trat deshalb im Februar als Agrarminister zurück. BKA-Chef Ziercke steht unter Druck, weil er in zwei Befragungen durch den Innenausschuss nichts über den Fall eines hohen BKA-Beamten gesagt hatte, der auch auf der kanadischen Liste stand.

Opposition macht Druck auf Ziercke

Das Ersuchen zu den Friedrich-Ermittlungen sei an das Bundesjustizministerium geleitet worden, sagte eine Berliner Justizsprecherin und bestätigte damit einen Bericht des „Tagesspiegels“ (Dienstag). Die Entscheidung liegt beim Bundesinnenministerium. Sobald das Ersuchen der Staatsanwaltschaft da sei, werde es geprüft, sagte ein Ressortsprecher.

Grüne und Linke erneuerten ihre Forderungen nach einem Abzug Zierckes von der BKA-Spitze oder nach einem Rücktritt. Die Regierung solle Ziercke suspendieren, bekräftigte Linke-Chef Bernd Riexinger. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte im Bayerischen Rundfunk: „Wenn man den Eindruck hat, ein BKA-Chef sagt im Innenausschuss des Deutschen Bundestages nicht ganz die Wahrheit oder er lässt zumindest einen Teil der Wahrheit weg, sollte so jemand zeitnah gehen.“

Die Oppositionsfraktionen beantragten am Montag eine Sondersitzung des Innenausschusses. Sie wollen Ziercke erneut befragen. Eine Entscheidung des Parlamentspräsidenten wird laut Bundestag an diesem Dienstag erwartet. Der Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) rechnet nach eigenen Worten nicht mit einer Sondersitzung, weil der Komplex ohnehin kommende Woche bei der nächsten regulären Sitzung auf die Tagesordnung komme, wie er der Nachrichtenagentur dpa sagte.

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Für diese Sitzung sagten laut Ausschusssekretariat aus Niedersachsen auch Generalstaatsanwalt Frank Lüttig (Celle), der Leitende Oberstaatsanwalt Jörg Fröhlich (Hannover) und Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) zu. Mehrere Politiker hatten der niedersächsischen Justiz Ungereimtheiten bei ihren Ermittlungen gegen Edathy vorgehalten.

Als möglich gilt, dass Ziercke nun auch zu diesem Ausschuss-Termin kommt. Von ihm will die Opposition unter anderem wissen, warum das BKA bis Oktober 2013 Edathys Namen in dem Beweismaterial nicht aufgefallen sein will - während der Fall des BKA-Beamten schon Anfang 2012 an die Staatsanwaltschaft Mainz übergeben wurde. Die Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Britta Haßelmann sagte: „Das Maß an Ungereimtheiten ist voll.“ Laut Riexinger ist auch nach Aufklärung im Innenausschuss ein Untersuchungsausschuss nötig. Aufklärung müsse es es zu folgenden Fragen geben: „Was hat das BKA verschwiegen, was hat es gewusst, wie widerspruchsfrei sind die Aussagen Zierckes?“

Ein Sprecher de Maizières betonte: „Der BKA-Präsident hat das Vertrauen des Bundesinnenministers.“ Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag), wenn Ziercke Ermittlungen gegen den BKA-Beamten öffentlich gemacht hätte, wäre dies möglicherweise sogar problematisch gewesen. „Es ging ja nicht um einen Politiker, sondern um einen Beamten.“ Einem Untersuchungsausschuss würde sich die Union laut Strobl aber nicht verschließen. SPD-Innenexperte Michael Hartmann nahm Ziercke in der „Passauer Neuen Presse“ (Montag) in Schutz. Er äußerte sich skeptisch zu einem solchen Ausschuss.

dpa

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