+
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

Kritik von Lindner und Kauder

EEG-Streik: Gabriel sieht Chancen auf Einigung

Berlin - Das Ja im Bundestag zur EEG-Reform ist sicher - doch die Kritik aus Brüssel schwebt wie ein Damoklesschwert über dem schwarz-roten Projekt. Wirtschaftsminister Gabriel bleibt jedoch optimistisch.

Unmittelbar vor der Entscheidung im Bundestag zur EEG-Reform hält Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Lösung des Streits mit Brüssel für möglich. Er habe großes Verständnis dafür, dass die EU-Kommission eine mögliche Abschottung des europäischen Marktes für erneuerbare Energien unter Wettbewerbsgesichtspunkten kritisch bewerte, schrieb Gabriel jetzt in einem Brief an EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Deshalb sehe die schwarz-rote Ökostromreform - die am Freitag im Bundestag beschlossen werden soll - ausdrücklich vor, dass künftige Ausschreibungen auch teilweise für ausländischen Strom geöffnet würden. Das habe kein anderes EU-Mitgliedsland vor. „Ich denke, dass wir damit auf einem guten Weg sind, dass das EEG im Juli von der Kommission genehmigt werden kann“, erklärt Gabriel.

Hofreiter über EEG-Reform: "Jetzt sind wir in der Chaos-Phase"

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte Gabriel auf, rasch für Klarheit zu sorgen. „Mit dem Versuch, diese Bedenken auszusitzen, riskiert Sigmar Gabriel die Planungssicherheit vieler Industriebetriebe“, sagte Hofreiter der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bundesregierung schwanke beim EEG zwischen Chaos und Koma. „Jetzt sind wir in der Chaos-Phase. Mehrere Monate hat Minister Gabriel bewegungslos verstreichen lassen, um jetzt im Hauruckverfahren sämtliche Abstimmungen durchzuboxen“, meinte der Grünen-Politiker. Die EEG-Novelle belaste Zukunftsenergien und unterstütze mit der Braunkohle einen Energieträger von gestern.

Ähnlich äußerte sich FDP-Chef Christian Lindner. Er forderte bei der Energiewende einen radikalen Schnitt. Lindner sagte der dpa: „Das EEG ist längst zur heiß laufenden Subventionsmaschine geworden, die die Energiewende jeden Tag teurer und grotesker macht. Das EEG gehört nicht reformiert, sondern abgeschafft.“

Lindner: Herr Gabriel sollte seinen Entwurf zurückziehen

Lindner warf Gabriel vor, den Überblick verloren zu haben. „Statt in einem chaotischen Verfahren die missratene Reform durch den Bundestag zu drücken, sollte Herr Gabriel seinen Entwurf zurückziehen.“ Die Lösung sei langfristig ein europaweiter Energiemarkt. „Niemand versteht, dass er Bücher in Holland, aber nicht Strom in Skandinavien einkaufen kann.“

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) kündigte harten Widerstand gegen das Ansinnen der EU-Kommission an, dass auch ausländische Ökostrom-Produzenten von der deutschen Förderung profitieren könnten. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag) sprach Kauder von einem „sehr unfreundlichen Akt“ der Behörde. „Würde uns Brüssel dazu zwingen, wäre das ein ganz schwerer Schlag gegen die deutsche Energiewende.“ Brüssel solle froh sein, dass Deutschland dabei helfe, Europa unabhängiger von russischem Öl und Gas zu machen. Er ging zugleich für die Abstimmung im Bundestag am Freitag von einer "überzeugenden Mehrheit" für das Erneuerbare-Energie-Gesetz aus.

dpa/AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

SPD will Abzug aus Incirlik beschließen
Immer wieder Streit um Besuche deutscher Abgeordneter bei den Soldaten in der Türkei. Die SPD drückt aufs Tempo für eine Entscheidung über einen Abzug.
SPD will Abzug aus Incirlik beschließen
Tausende Asylbewerber sitzen in Griechenland fest
Der EU-Deal mit der Türkei und die Schließung der Balkanroute haben Griechenlands Rolle in der Flüchtlingskrise geändert. Statt direkt weiterzureisen, beantragen die …
Tausende Asylbewerber sitzen in Griechenland fest
Panama Papers: Juncker muss Rede und Antwort stehen
Welche Rolle spielt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei der Affäre um die Panama Papers? Diese Frage soll ein Ausschuss in Brüssel klären. 
Panama Papers: Juncker muss Rede und Antwort stehen
Russland-Affäre: Trump unterstützt seinen Schwiegersohn 
Der in der Russland-Affäre unter Druck geratene Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, sagt ab Dienstag vor den Geheimdienstausschüssen …
Russland-Affäre: Trump unterstützt seinen Schwiegersohn 

Kommentare