Ehemaliger bayerischer ver.di-Vize wechselt von der SPD zur Linken

München - Aus Protest gegen den neuen Kurs der SPD ist der frühere bayerische ver.di-Vizevorsitzende Michael Wendl nach 36 Jahren aus der SPD ausgetreten und zur Linken gewechselt.

Zweieinhalb Wochen vor der bayerischen Landtagswahl rief er am Dienstag offen dazu auf, am 28. September für die Linkspartei zu stimmen. Wendl begründete seinen Schritt unter anderem mit dem Festhalten der SPD- Führung an der "Agenda 2010"-Politik der früheren Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder, wie die bayerische Linke mitteilte.

"Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich ist Resultat der Politik der SPD", wurde Wendl in der Mitteilung zitiert. "Aber die SPD-Führung um (Franz) Müntefering und (Frank-Walter) Steinmeier wird sich um diese Kritik aus den eigenen Reihen einen Dreck scheren", sagte Wendl mit Bezug auf die jüngste Kritik SPD- Linker am Kurs der Partei. Die SPD wolle nach dem "Putsch" gegen den bisherigen Vorsitzenden Kurt Beck offensichtlich zurück zu einer bereits unter Schröder "grandios gescheiterten Politik". Wendl war bis April 2007 Vize-Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Bayern und zuvor bayerischer ÖTV-Vorsitzender.

Der Vorsitzende der bayerischen Jungsozialisten (Jusos), Thomas Asböck, forderte von der neuen SPD-Führung aus dem designierten Parteichef Franz Münterfering und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Zugeständnisse an den linken Parteiflügel. Eine hundertprozentige Fortsetzung der Politik der "Agenda 2010" sei nicht zu machen, weil weite Teile der Partei sich dem verweigern würden, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Korrekturen seien dort erforderlich, wo die Agenda zu "unsozialen Auswüchsen" geführt habe. Nach Asböcks Ansicht muss sich die SPD "glaubhaft als linke Volkspartei positionieren". Er plädierte auch für Bündnisse der SPD mit der Linken.

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