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Michail Lessin.

Medien berichten von Herzanfall in Washington

Ehemaliger Putin-Berater tot in Hotel aufgefunden

Washington - Der umstrittene russische Ex-Medienminister Michail Lessin, ein früherer Berater von Staatschef Wladimir Putin, ist in den USA tot aufgefunden worden.

Der an der Gründung der englischsprachigen russischen Fernsehsendergruppe RT beteiligte 57-Jährige sei in einem Hotelzimmer in Washington einem Herzanfall erlegen, berichtete der staatlich finanzierte Sender am Samstag. Die Washingtoner Polizei bestätigte den Todesfall. Kritiker hatten Lessin die Einschränkung der Pressefreiheit vorgeworfen.

"Lessin ist gestorben. Es ist unmöglich, das zu glauben", schrieb RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan im Kurznachrichtendienst Twitter. An der Gründung der Sendergruppe, die früher unter dem Namen Russia Today bekannt war, war Lessin maßgeblich beteiligt. Sie will nach eigenen Angaben mit Programmen auf Englisch, Spanisch und Arabisch im Ausland "einen alternativen Blickwinkel" anbieten und das Ausland mit Russlands Sichtweise vertraut machen.

Die Polizei in Washington bestätigte Lessins Tod, der sich bereits am Donnerstagvormittag (Ortszeit) ereignet habe. Zunächst waren demnach Rettungskräfte zu einer "bewusstlosen Person" gerufen worden, die dann vor Ort einen leblosen Menschen vorgefunden hätten.

Die Todesursache werde nun untersucht, Lessins Leiche sei bereits obduziert worden, hieß es weiter. Ob die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet wurde, wurde nicht mitgeteilt. US-Regierungsvertreter informierten die russische Botschaft in Washington über Lessins Tod und die Behörden beider Länder untersuchten daraufhin die Todesursache.

Der US-Fernsehsender ABC News hatte am Freitagabend unter Berufung auf russische und US-Regierungsvertreter berichtet, Lessin sei am Vortag im Washingtoner Dupont Circle Hotel gefunden worden.

Putin sprach Lessins Angehörigen sein Mitgefühl aus, wie der Kreml mitteilte. Der Staatschef schätze "in höchstem Maße den enormen Beitrag von Michail Lessin zur Gründung zeitgenössischer russischer Medien", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow vor Journalisten.

Lessin war von 1999 bis 2004 russischer Minister für Presse, Fernsehen und Radio. Später diente er als Berater im Kreml. 2013 wurde er Chef der Medien-Holding des Energieunternehmens Gazprom und beaufsichtigte unter anderem den Radiosender Moskauer Echo. Ein Jahr später gab Lessin den Posten auf und führte familiäre Gründe an.

Lessins Gegner warfen ihm vor, die Pressefreiheit in Russland beschnitten zu haben. In einem Interview mit dem Magazin "Forbes" sagte Lessin vergangenes Jahr, er finde es in Ordnung, dass die meisten russischen Fernsehsender vom Staat kontrolliert würden. "Ich bin ein Staatsmann", sagte er dazu.

Der republikanische US-Senator Roger Wicker hatte vergangenes Jahr gefordert, gegen Lessin wegen Geldwäsche und Korruption zu ermitteln, wie ABC berichtete. Lessin soll demnach Millionen Dollar in Europa und den USA angehäuft haben, darunter 28 Millionen Dollar (26 Millionen Euro) an Immobilien in Los Angeles. Dass ein russischer Staatsdiener solch ein Vermögen anhäufe, werfe "ernsthafte Fragen" auf, argumentierte Wicker damals.

AFP

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