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Peter Ramsauer (59)

Peter Ramsauer nach dem Rauswurf

„Ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf“

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München – Am Ende steht die Frage: Warum ich? Er habe mit vielem gerechnet, erzählte Peter Ramsauer am Wochenende einigen Parteifreunden am Telefon, mit einer Versetzung, einem geschrumpften Ministerium vielleicht.

Als am Samstag, 16 Uhr, Horst Seehofer anrief und ihn feuerte, fiel Ramsauer aus allen Wolken. „Es war“, sagt ein enger Wegbegleiter, „ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf.“

Einige Stunden bleiben für den Auszug aus dem Büro, dann ist Amtsübergabe und letzte Personalversammlung. Heute Mittag schon wird Alexander Dobrindt Verkehrsminister. Ramsauer muss auf einen Schlag seine Mitarbeiter, Dienstwagen und Krypto-Handy abgeben, die Entlassungsurkunde hat er schon. Im neuen Kabinett ist für den 59-Jährigen keine Verwendung mehr. „Eine Demütigung“, heißt es in der CSU an mehreren Stellen mit unterschiedlich viel Mitleid.

Platz wäre gewesen – die Berufung von Gerd Müller als Entwicklungsminister gilt als Notlösung. Der Regionalproporz war auch kein Problem: Die Zahl der Oberbayern in Führungsämtern ist sogar gesunken. Dem Minister aus Traunreut wird zum Verhängnis, dass er sich mit Parteichef Seehofer überworfen hat, schon letztes Jahrzehnt in der Spitze der Landesgruppe.

Öffentlicher Streit um Donau, Maut, Betreuungsgeld, wo Ramsauer jedes Mal widerspenstig auftrat, belegen das schlechte Verhältnis. Als „Zar Peter“ verspottete ihn Seehofer vor einem Jahr. Ramsauer rächte sich, indem er per Interview Ilse Aigner als Seehofer-Nachfolgerin empfahl und ein frühes Datum andeutete. Es spiele in Bayern „keine Rolle, ob jemand sagt, dass er noch fünf oder zehn Jahre im Amt bleiben will“. Das gilt jetzt auch für ihn. Seehofer merkt knapp an, hohe Ämter seien halt „Geschenke“ (kurze Pause): „Geschenke auf Zeit“.

Parteifreunde beschreiben Ramsauer als tief getroffen, aber äußerlich gefasst. Im Inhalt will er sich nichts vorwerfen lassen. „Ich übergebe ein gut geführtes Haus, das sehr solide für die Zukunft aufgestellt ist“, sagt er offiziell. Der Verkehrsetat sei aufgestockt, der „jahrelang aufgebaute Sanierungsstau“ in der Infrastruktur schrumpfe. Die Bahn sei „zur Kundenbahn“ umgebaut wurden, der Fernbusverkehr liberalisiert, das Flensburger Punktesystem und das Baugesetz reformiert. „Herr Dobrindt“ nennt er kühl seinen Nachfolger, und dazu die SPD-Bauministerin Barbara Hendricks. Subtext: Um mich zu ersetzen, braucht es zwei.

Was nun? Frühere Ex-Minister zeigen unterschiedliche Wege auf. Michael Glos (68) übernahm ab 2009 noch vier Jahre im Bundestag reise-intensive, aber ruhige Aufgaben. Gerda Hasselfeldt (63) wechselte als Bundestagsvizepräsidentin ins Repräsentative, kehrte aber 2011 überraschend als Landesgruppenchefin in die erste Reihe zurück. Erwin Huber (67) trat in Bayern zurück ins Glied und erkämpfte einen eher anstrengenden Ausschussvorsitz. Glos, Huber und nun auch Ramsauer eint: Seehofer ist Parteifeind auf Lebenszeit.

Ramsauer will sich jetzt über Weihnachten mit Frau und vier Kindern zurückziehen und seine Zukunft planen. Abgeordneter will er bleiben, da bestärkt ihn auch die CSU im Stimmkreis Traunstein und Berchtesgadener Land, wo er mit gut 62 Prozent den Erststimmen-Rekord holte. Die Basis dort hat null Verständnis für den Rauswurf. Ob er weitere Jobs annimmt, ist offen; finanziell braucht er das nicht. Über die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung wird spekuliert, deren Vorsitz im Frühjahr frei werden soll. Andere Ämter sind durch Seehofers späte Ansage verbaut: Als Bundestagsvizepräsident zum Beispiel wurde schon der Münchner Johannes Singhammer gewählt.

Christian Deutschländer

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