"Ein Tsunami der Islamisierung"

München - Islam und islamischer Fundamentalismus sind auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland. Wir sprachen darüber mit dem Nahost-Kenner und Buchautor Udo Ulfkotte.

- Die Muslimbruderschaften, schreiben Sie in ihrem neuesten Buch, verfolgen eine langfristige Strategie, um die europäische Kultur zu zerstören. Ist das nicht arg plakativ?

Überhaupt nicht. Dazu muss ich nicht spekulieren, sondern kann mit dem obersten Chef der Bruderschaften aufwarten, Mohammed Mahdi Akef, der lange Zeit Leiter des islamischen Zentrums an der Wallnerstraße in München war. Er spricht davon, dass man langfristig das Ziel habe, Europa komplett dem Islam zu unterwerfen. Er benennt auch die Personen, die in Deutschland für seine Organisation an vorderster Stelle tätig sind: etwa den Präsidenten der islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), Al Zayat. Auch die IGD ist in München angesiegelt.

- Welche Rolle spielt dabei der Bau von Groß-Moscheen etwa in München?

Für uns ist eine Moschee wie eine Kirche. Das stimmt so nicht, denn zu einer Moschee gehören auch ein Einkaufszentrum, ein Hotel, ein Café, ein Begegnungszentrum und ein Markt. Eine Moschee ist also die Keimzelle auch des wirtschaftlichen, soziologischen, kulturellen und politischen Lebens. In Moscheen wird der politische Islam dokumentiert. Deshalb spielt der Bau von Moscheen eine große Rolle bei der Ausweitung des politischen Islams.

Foto: Schlaf

Udo Ulfkotte

Der Islamexperte studierte Rechtswissenschaften und Politik. Bis 2003 war er Redakteur der FAZ. Ulfkotte, Jahrgang 1960, ist Gründer des gemeinnützigen Vereins "Pax Europa", der sich gegen die schleichende Islamisierung wendet (pax-europa@gmx.net). Unter www.akte-islam.de hat Ulfkotte eine Internetseite eingerichtet, die über islamische Aktivitäten informiert.

- Muss es einen hellhörig machen, dass die Ditib (Türkisch-Islamische Union) in Deutschland die muslimische Wortführerschaft hat, also eine Steuerung der Vorgänge von der Türkei aus erfolgt?

Ditib überschreibt Moscheen, die in Europa errichtet werden, in das Eigentum des türkischen Staates. Ditib ist eine staatlich-türkische Organisation. Wenn also in Deutschland Moschee-Bauten zum Teil mit Steuergeldern finanziert werden, und diese Bauten dann dem türkische Staat gegeben werden, dann sollte die deutsche Öffentlichkeit das doch wissen.

- Ist das in anderen EU-Ländern ähnlich?

Am Rande von London soll die größte Moschee Europas entstehen. Eine Gruppe, die in die jüngsten Terroranschläge in Großbritannien verwickelt war, hat einen Bauantrag eingereicht, der in Teilen von der EU gefördert wurde.

- In London wurden die Anschläge im Umfeld einer Moschee geplant. Befürchten Sie eine ähnliche Radikalisierung wie unter den dort lebenden Pakistani auch auch unter den hier lebenden Türken?

Dieses Phänomen gibt es überall in Europa. In Italien etwa wurden in einer Moschee in Perugia Anleitungen zum Bau einer Bombe deponiert. In einem Komplex bei Ulm verkehren nachweislich radikale Muslime. In ganz Europa haben wir schon jetzt Moscheen - auch in Hamburg, wo Terror-Pilot Atta und seine Gruppe verkehrten -, in deren Umfeld der radikale Islam in Erscheinung tritt. Durch Personen, die eine radikal-islamistische Theokratie errichten, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zerstören und durch die Scharia ersetzen wollen.

- Und wie?

Ein Beispiel: Alle deutschen Parteien sind gegen die Scharia, freuen sich aber, wenn ein islamkonformer Geldfonds aufgelegt wird - weil das zur Integration beiträgt. Damit wird nach Bestimmungen des Korans Geld aus unserem Wirtschaftskreislauf entzogen und in einem Scharia-konformen eingespeist. Über diese Fonds wachen bei den großen Banken Scharia-Gelehrte. Einer dieser Wächter bei einer großen deutschen Bank war ein Scheich, der Selbstmord- Attentate gutgeheißen hat. Der Mann hat sogar ein Buch mit Anleitungen dafür geschrieben, wie man Frauen am besten schlägt - und niemand in Deutschland hat sich darüber aufgeregt. Wir klatschen, während unser Wirtschaftssystem langsam zerstört wird. Weil wir kurzfristig denken und christliche Werte aufgegeben haben.

- Ist es das, was Bassam Tibi meint, wenn er sagt, dass es der westlichen Gesellschaft an Selbstbewusstsein mangelt?

Er hat absolut Recht. Ich werde oft auch von Muslimen gefragt, wie ich es mir erkläre, dass der Islam immer attraktiver wird, dass allein im vergangenen Jahr 4000 Deutsche zum Islam konvertiert sind? Das hängt damit zusammen, dass wir einen fürchterlichen Werteverfall haben - und dass der Islam Werte bietet, die wir nicht mehr haben. Die Familie zum Beispiel, in der die Eltern geehrt werden. Oder das Ablehnen von Verhütungsmitteln. Diese Werte vermittelt der Islam, wenn auch in einer Form, die ich größtenteils nicht schätze.

- Wir haben in Europa doch viele Werte, auf die wir stolz sein können: Wir achten die Würde jedes einzelnen Menschen, die Gleichberechtigung der Frau, unsere christlich-abendländische Kultur hat den Humanismus entwickelt und die liberale Demokratie.

Ja, aber in immer größeren Teilen der Gesellschaft pfeifen wir auf diese Werte. Wir schweigen, wenn Innenminister Schäuble bei einem Islamgipfel einen nicht eingeladenen Fundamentalismus-Verdächtigen, der von einer anderen Person mitgebracht wurde, vor lauter Höflichkeit duldet. Zu unseren Werten sollte eigentlich gehören, dass jemand, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ausgegrenzt wird - so wie es bei Rechtsextremisten sofort geschieht. Werte muss man verteidigen und Demokratie muss wehrhaft sein. Wir aber lassen zu, dass andere unser Wertesystem besetzen.

- Auch mit radikalen Werten?

Ganz bestimmt. Das sieht man auch daran, dass immer mehr Muslime für die Einführung der Scharia sind und mit Bin Laden sympathisieren. In Großbritannien etwa - wo 1,8 Millionen Muslime leben - heißen mehr als zehn Prozent der jungen Muslime Anschläge gut. Das gibt rund 180 000 aktive Terrorunterstützer. Wenn man das - auch in heruntergerechneter Form - überträgt, dann haben wir in Europa bald ein Problem.

- Wie kann man diesen Radikalen beikommen?

Wir suchen in Europa händeringend nach Muslimen, die für Integration stehen und als Ansprechpartner dienen könnten. Wie problematisch das ist, vermag vielleicht ein Beispiel aus Dänemark zu zeigen. Dort lebt eine 1981 geborene Frau namens Asmaa Abdol-Hamid, die 5-jährig als Flüchtling aus Palästina kam und als Vorzeige-Muslima in Sachen Integration gilt. Sie wurde von den Grünen als Kandidatin für die Parlamentswahlen aufgestellt. Und was macht sie? Sie erklärt, sie finde es gut, wenn dänische Soldaten im Irak bei Terroranschlägen getötet werden!

- Und wie sieht es in Deutschland aus?

Wir haben auch hier einen Vorzeige-Muslim namens Ibrahim al-Zayat, der in vielen Talkshows vertreten ist und nicht müde wird zu behaupten, dass er ein friedfertiger und integrationsbereiter Mann ist. Er ist Prädident der Islamischen Gemeinde Deutschlands (IGD) und damit auch Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft und Verbände bei Dialog-Foren. Er behauptet, mit Islamisten nichts zu tun zu haben. Und plötzlich wird dieser Mann in Ägypten - woher er stammt - in Abwesenheit von einem Militärtribunal wegen mutmaßlicher Unterstützung radikal-islamistischer Gruppen angeklagt. Und der oberste Chef der Muslimbruderschaft, Mohammed Akef, sagt offen, dass dieser Al-Zayat der Deutschland-Chef der Muslimbruderschaft sei. Wie passt das zusammen?

- Unternehmen die in Deutschland lebenden Muslime zu wenig, um Radikale zu stoppen?

Die Mehrzahl der Muslime weiß sehr genau, was in Deutschland geschieht. Sie wissen auch, dass sie eigentlich aufstehen und Zeichen setzen müssten. Sie wenden sich aber ab.

- Es scheint, der Missionierungsauftrag, den auch das Christentum hat, wird im Islam intensiver gelebt?

Bei aller Tolerenz und Gastfreundschaft: Es gibt auch hier Grenzen. Irgendwann muss man sagen: bis hierher und nicht weiter. In Australien etwa ist es so, dass Premierminister John Howard vom 1. September an alle Neubürger ein Papier unterzeichnen lässt, in dem sie die christlich-jüdische Kultur und die Werte der Alteingesessenen als Leitkultur akzeptieren. So etwas würden wir in Deutschland erstaunlicherweise nie machen.

- Und warum nicht?

Weil wir vor allem aus historischen Gründen Angst haben, weil wir es als politisch nicht korrekt empfinden zu sagen: genug ist genug. In Frankreich hat es keine Woche gedauert, bis die neue Regierung unter Sarkozy als eine der ersten Maßnahmen jeder muslimischen Familie, die in ihre Heimat zurückkehren will, 8000 Euro geboten hat.

- Der Islam verbietet Integration. Eine deutsche Multikulti-Gesellschaft war also von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Warum hat man sie dennoch angestrebt?

Als die ersten muslimischen Familien nach Deutschland geholt wurden, hat man sich weder mit dem Islam noch mit den Folgen beschäftigt. Es gab auch kaum einschlägige Literatur. Im Laufe der Zeit aber hätte man die Zeichen erkennen müssen. Jetzt ist es so, dass für die kommende Generation eine Entwicklung eintritt, die nicht zu einem friedfertigeren Miteinander führen wird, sondern zu einem Tsunami der Islamisierung.

- Sind auch die vielen bei uns lebenden Türken vom radikalen Islam verführbar?

Es wird kein großes Unterstützerpotential für die El-Kaida-Ideologie geben. Bei den Türken liegt das Problem in der Ablehnung unserer Gesellschaft, in der Kriminalisierung türkischer Jugendlicher und in der Ablehnung der deutschen Staatsmacht und des deutschen Rechtssystems. Die Hemmschwelle zum Einsatz von Gewalt wird bei jungen Türken immer niedriger.

- Kaum jemand in Deutschland wagt es, laut gegen Milli Görüs aufzutreten. Aus Mangel an Zivilcourage?

Ich bin überzeugt, dass Milli Görüs als eine der größten Organisationen für türkischstämmige Muslime inzwischen so viel Macht in Deutschland hat, dass man auf politischer wie auf Seiten der Sicherheit fast schon Angst vor dieser Gruppierung hat und deshalb nicht so vorgeht, wie es geboten wäre. Ein aktives Vorgehen gegen Milli Görüs könnte provozieren, dass Hunderttausende Türken auf die Straßen gehen - was sozialen Sprengstoff und Krawalle erzeugen würde. Deshalb bekommen Gruppierungen wie Milli Görüs immer mehr Einfluss, und das werden unsere Kinder und künftige Politiker ausbaden.

- Kritiker werfen Ihnen als strammem Konservativen vor, das Thema Integration und Islam unnötig zu dramatisieren.

Als das Buch "Der Krieg in unseren Städten" herauskam, gab es ein Kapitel mit Vorschlägen, was zu tun ist, um die Situation zu verändern. Da hat es geheißen: Das ist fast schon rechtsextremistisch. Wenige Wochen später kam der damalige Innenminister Otto Schily mit seinem sogenannten "Otto-Katalog Sicherheitspakete" - und ging weit über das hinaus, was ich gefordert habe.

- Zum Beispiel?

Ich wollte wissen, wie es sein kann, dass am Tag der Einbürgerung eines muslimischen Asylbewerbers sofort die Ausländerakte mit allen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden vernichtet werden muss. Wenn drei Tage später bei einem Terrorverdacht die Spur zu dieser Person führt, sind die Fahnder die Lackierten. Dann kam Schily - und heute zweifelt niemand mehr an dem, was ich einst vorgeschlagen habe. Jetzt wird ja sogar schon darüber diskutiert, ob man mutmaßliche Terroristen nicht prophylaktisch töten soll. Ich bin kein Scharfmacher, aber wir leben in einer Demokratie. Ich lege einen Finger in die Wunde, was ich als einer meiner Aufgaben ansehe. Ich will nicht politisch korrekt sein.

- Sie haben in vielen arabisch-islamischen Ländern gelebt. Prägte Sie das?

Ja. Entscheidend sogar. Wenn ich hierzulande immer höre, Islam bedeutet Friede, dann ist das falsch. Salam ist das Wort, das Friede bedeutet. Islam bedeutet Unterwerfung oder Hingabe an Allah. Es hat mich geprägt, zu sehen, wie sehr die Islamophobie unter Muslimen verbreitet ist, wie sehr die ins Angsthafte übersteigerte Furcht vor dem Islam sogar viele Muslime prägt. So sehr, dass Muslime einander ermorden - und zwar immer unter Berufung auf ihre Religion. Und wie sie das übertragen auf andere Erdteile und den Terror exportieren. Ich habe Hinrichtungen in Saudi-Arabien erlebt und im Jemen gesehen, wie abgehackte Hände an das Stadttor geheftet wurden. Ich habe Steinigungen gesehen, die Entwürdigungen von Frauen, die Einteilung von Menschen in verschiedene Klassen und das menschenverachtende Weltbild der Muslime erlebt. Ja, das alles hat mich sehr geprägt.

Das Gespräch führten Georg Anastasiadis und Werner Menner.

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