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Schlecht verhandelt? Nach der Einigung zu einer Großen Koalition von Union und SPD muss Kanzlerin Angela Merkel (CDU) viel Kritik einstecken.

Kommentare nach GroKo-Einigung

„Ein Witz“, „über Tisch gezogen“, „dramatisch geschwächt“: So kanzelt die Presse Merkel ab

Die GroKo-Einigung ist endlich da. Doch was Angela Merkel als Sieg für sich verbuchen könnte, wird von vielen Kommentatoren großer Tageszeitungen als eine Niederlage gesehen. 

Was lange währt, wird endlich gut - ob diese Plattitüde für die Neuauflage der Großen Koalition gilt? Glaubt man den Kommentatoren der nationalen und internationalen Presse: Nein. Der überwiegende Tenor lautet: Merkel hat mit diesem Koalitionsvertrag vorzeitig das Ende ihrer Ära eingeläutet. Dass die Kanzlerin der CDU nicht die wichtigsten Ministerposten sichern konnte, wird als Niederlage gewertet. Wir haben die wichtigsten Kommentare zur Machtposition Merkels nach der GroKo-Einigung zusammengefasst. 

„Ihren Abschied großen Schritt näher gekommen“

Rheinische Post:

„Angela Merkel hat der SPD mit Außen-, Finanz- und Sozialressort die Schlüsselressorts überlassen. (...) Die Kanzlerin wird künftig die Leitlinien der Politik mit Frau Nahles und Herrn Scholz besprechen. Sozialdemokratische Leitlinien. Diese SPD-Regierung wird von Angela Merkel toleriert.“

Lesen Sie auch auf merkur.de*: Wie Horst Seehofer sich selbst zum Super-Minister machte

Deutsche Welle:

„Was - so fragt man sich - bleibt da noch für die Union? Die CDU stellt die Kanzlerin - aber danach kommt lange nichts. Keines der wirklichen Spitzenministerien. Außerdem existiert kein großes gemeinsames Projekt der Union. Ja, Angela Merkel hat es geschafft, dass es endlich einen Koalitionsvertrag gibt. Sie hat dabei im Interesse des Landes und der Stabilität gehandelt. Im Ausland wird das gewürdigt, aber nach innen wirkt sie nicht gerade wie eine Siegerin....Angela Merkel ist mit diesem Tag ihrer vierten Kanzlerschaft, aber auch ihrem Abschied einen großen Schritt näher gekommen.“

„Operation gelungen - Patient (fast) tot“

Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Früher gehörten Finanz- und Wirtschaftspolitik zum Markenkern der Union, heute nicht mehr. Die CDU wurde von einer 20-Prozent-Partei über den Tisch gezogen. Alle zentralen Ressorts gehen an die SPD oder die CSU. Ist das der Preis dafür, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt?

Bild-Zeitung:

„Operation gelungen, Patient (fast) tot. Doch der Patient, das ist nicht die SPD, sondern die CDU – und Angela Merkel. (...) Angela Merkels Berliner Kanzleramt jedenfalls wirkt jetzt wie die letzte Zitadelle. Draußen drumherum lagern die anderen: Finanzen, Außen, Arbeit & Soziales gehen an die SPD, das massiv aufgewertete Innenressort an die CSU.

Womit will die CDU die Zukunft prägen und das Land? Etwa mit dem Wirtschaftsministerium allein? Das ist ein Witz. (...) Selbst der waidwunde Partei-Chef Horst Seehofer konnte sich gegen die CDU-Chefin durchsetzen.“

„Dramatisch geschwächte Figur“

Die Welt:

„Angela Merkel hat verhandelt, als ginge es nur noch darum, den Laden zusammenzuhalten. Die Misere ist schon daran zu erkennen, dass sich die CDU kein Schlüsselministerium gesichert hat. Die Bundeskanzlerin hat sich ihre vierte Amtszeit teuer erkauft – und nicht zum Wohle ihrer Partei.“

The Washington Post (USA):

„Merkel geht aus den Koalitionsverhandlungen als dramatisch geschwächte Figur raus. Sie war gezwungen, einen extrem hohen Preis an die Verhandlungspartner der SPD zu zahlen. Das wird ihr die Basis der CDU noch lange vorhalten. Vorbei sind die Tage, als Merkel die politische Landschaft in Deutschland nach ihrem Willen gestalten konnte. Auch wenn sie ihren Sitz als Kanzlerin behält, das Ende ihrer Ära ist in Sicht.“

Hier finden Sie unsere merkur.de-Exklusivgeschichte: Wie Merkel in der Nacht Seehofer zum Innenminister machte

Politiken (Dänemark):

„Angela Merkel wird weder zuhause noch außerhalb Deutschlands die dominierende Figur sein, an die sich die Welt in den vergangenen Jahren gewöhnt hat. Eine geschwächte Kanzlerin, die Teile ihrer Politik und große Ministerposten in den Regierungsverhandlungen aufgeben musste, und die tiefen prinzipiellen Gegensätze zwischen SPD und CSU in der Asyl- und Sozialpolitik können diese große Koalition ausbremsen, bevor sie die nächste Wahl in gerade vier Jahren erreicht.“

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smu

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