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Martin Zeil,Vize-Ministerpräsidentund FDP-Spitzenkandidat

Landsberg-Affäre

Lockte ein Parteifreund Zeil in die Telefon-Falle?

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München – Es klingt nach einer kleinen, schmutzigen Intrige. Offenbar ist Vize-Ministerpräsident Martin Zeil (FDP) in der Landsberg-Affäre von einem Parteifreund in eine Falle gelockt worden.

In Landsberg geht es um Millionenverluste der Stadt bei riskanten Zinsgeschäften mit einer Privatbank. Vor seiner Polit-Karriere war Zeil Justiziar der Bank. Er unterzeichnete vor knapp zehn Jahren einen Rahmenvertrag mit der Stadt, war in das operative Geschäft nach seinen Angaben und auch laut Bank nicht eingebunden. Vergangene Woche wurde Zeils Beteiligung publik. In einer Stadtratssitzung fiel sein Name.

Zeil hätte das im fernen München wohl lange nicht mitbekommen. Ein „Bürger“, so sagt er, habe ihn aber am Handy angerufen, ihn informiert und geraten, sich bei einem der Stadträte über Details der Sitzung zu erkundigen. Die Handynummer des jungen parteiunabhängigen Stadtrates Jonas Pioch habe der „Bürger“ gleich mitgeliefert. Zeil rief dort an. Pioch aber gab keine größeren Auskünfte – sondern machte stattdessen den Anruf öffentlich.

Zeil stand da als einer, der Lokalpolitiker über nichtöffentliche Sitzungen aushorchen wollte. Mehr noch: Der FDP-Kreisrat Markus Wasserle reagierte erbost mit einem Rücktritt von seinen Parteiämtern und trat aus der FDP aus. „Meine politischen Grundüberzeugungen wurden in den vergangenen Tagen und Stunden in den Grundfesten erschüttert. Der Politikstil einiger Parteifreunde aus der FDP hat mich zutiefst enttäuscht“, verbreitete Wasserle.

Nach übereinstimmenden Angaben aus der FDP-Spitze allerdings war derjenige, der Zeil zum Anruf bei Pioch riet – Wasserle selbst. Eine Falle? Hochrangige Parteifreunde sprechen von einer Intrige. Wasserle habe schon länger mit der FDP gefremdelt, sich eher der CSU anschließen wollen, und nun einen Anlass für einen spektakulären Parteiaustritt gefunden. Der FDP-Bundestagsabgeordneter Klaus Breil berichtet, Wasserle habe ihm seine Wechsel-Absicht zur CSU und ein konkretes Angebot an Pfingsten konkret mitgeteilt; er habe dem Parteifreund davon abgeraten. Wasserle selbst war gestern nicht zu erreichen, Zeil äußert sich nicht konkreter. In CSU-Kreisen wird angedeutet, dass man Kontakt zu Wasserle habe.

In Landsberg, wo über die Zins-Zockerei schon ein Oberbürgermeister stürzte, ist die Affäre ein hochemotionales Thema. Für Zeil ist sie zumindest lästig. Er ist landesweit FDP-Spitzenkandidat. Die Partei blieb bisher weitgehend frei von den kleineren und größeren Vorwürfen, die sich derzeit gegen mehrere Minister der Staatsregierung richten. Landsberg wäre der erste Fleck auf der weißen Weste der Liberalen.

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Der Fall wird auch noch den Landtag beschäftigen. Die Grünen und die SPD haben Dringlichkeitsanträge eingereicht, um die Debatte ins Parlament ziehen zu können. Gestern allerdings kam das Plenum wegen der dichtgedrängten Tagesordnung nicht dazu. Die Anträge werden wohl am 4. Juli aufgerufen.

Christian Deutschländer

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