+
Psychisch kranke Menschen sollen künftig besser versorgt werden. Die Vergütung werde sich daran orientieren, ob eine Einrichtung nach modernem wissenschaftlichen Standard behandelt, erläuterte Gesundheitsminister Hermann Gröhe. Foto: Jörg Carstensen

Einigung auf flexiblere Versorgung psychisch Kranker

Die Zahl der Patienten in psychiatrischen Kliniken ist deutlich angestiegen. Doch deren Behandlung ist nicht immer auf dem neuesten Wissensstand. Das will die schwarz-rote Koalition jetzt ändern.

Berlin (dpa) - Psychisch kranke Menschen sollen künftig besser versorgt werden. Die Gesundheitspolitiker der großen Koalition verständigten sich auf entsprechende Eckpunkte.

Dabei werde sich die Vergütung daran orientieren, ob eine Einrichtung diese Menschen nach modernem wissenschaftlichen Standard behandelt, erläuterte Gesundheitsminister Hermann Gröhe nach einem Treffen mit Fachverbänden.

In diesem Zusammenhang müsse in einem solch betreuungsintensiven Bereich auch über eine Aufstockung des Personals nachgedacht werden. Allerdings seien noch keine genauen Angaben über die Kosten der Reform möglich, hieß es.

Gröhe zeigte sich überzeugt, dass die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen gerade in der Psychiatrie künftig an Bedeutung gewinnen werde. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach erläuterte dazu, häufig komme es vor, dass psychisch Kranke nach einer Behandlung in einer Klinik nach Hause entlassen würden und dann die Betreuung abrupt abbreche, so dass der Patient nach einiger Zeit wieder eingeliefert werden müsse. 

Künftig ist laut Gröhe vorgesehen, dass Patienten nach einer Entlassung aus einer Klinik von Klinikpersonal zu Hause weiter betreut werden sollen. Die Vergütung komme dann aus dem Klinikbudget. Es gelte, sogenannte Drehtüreffekte zu vermieden, sagte Gröhe. Die SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis wies darauf hin, dass für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche das häusliche Umfeld für eine erfolgreiche Behandlung ein wesentlicher Faktor sei.

Der Maßstab für die Vergütung sei künftig grundsätzlich eine leitliniengerechte Behandlung der Patienten. Zudem werde sie sich auch nach regionalen Besonderheiten richten. So kann es durchaus sein, dass in einigen städtischen Gebieten häufiger psychisch Erkrankte in Kliniken eingewiesen werden als etwa im ländlichen Raum.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Maria Michalk, unterstrich, um zu erkennen, ob eine Einrichtung leitliniengerecht behandelt, sei Transparenz dringend notwendig. "Auf diese Weise können die in den Kliniken erbrachten Leistungen untereinander verglichen werden."

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink verwies im Gespräch mit der dpa auf einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen in psychiatrischen Krankenhäusern. Zudem seien lange Wartezeiten in der ambulanten Behandlung, häufig wiederkehrende stationäre Aufenthalte der Kranken sowie ein Anstieg von frühzeitiger Erwerbsunfähigkeit "deutliche Hinweise, dass die Versorgung insgesamt dringend weiterentwickelt werden muss". Klein-Schmeink betonte: "Wir brauchen eine am individuellen Bedarf der Patienten ausgerichtete Vergütung, die flexibel verschiedenste Versorgungsformen ermöglicht."

BMG zur psychiatrischen Versorgung

BMG zu Entgeltsystem in der Psychiatrie

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Asyl-Streit: „Eine Absurdität“ - Polizisten rügen große Lücke in Seehofers Plan
Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Zwei Wochen hat die Kanzlerin nun Zeit, um einen Bruch abzuwenden. Alle Entwicklungen rund um …
Asyl-Streit: „Eine Absurdität“ - Polizisten rügen große Lücke in Seehofers Plan
USA nach Austritt aus UN-Menschenrechtsrat nahezu isoliert
Mit scharfen Worten verabschieden sich die USA aus dem UN-Menschenrechtsrat. Die Trump-Regierung wirft dem Gremium Verlogenheit vor. Gleichzeitig steht sie selbst wegen …
USA nach Austritt aus UN-Menschenrechtsrat nahezu isoliert
"Wir sind bereit": Kanadas Parlament legalisiert Cannabis
Schon im Wahlkampf hatte Kanadas liberaler Premierminister Trudeau die Legalisierung von Cannabis versprochen. Jetzt ist die letzte parlamentarische Hürde genommen. …
"Wir sind bereit": Kanadas Parlament legalisiert Cannabis
Merkel unter Druck: Italien sagt zu Flüchtlingsrücknahme No
Die Zeit ist knapp. Am Wochenende will Kanzlerin Merkel ausloten, mit wem sie bilaterale Abkommen zur Migration erreichen kann. Eines der wichtigsten Länder dabei stellt …
Merkel unter Druck: Italien sagt zu Flüchtlingsrücknahme No

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.