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Bergauf geht´s zäh: Sebastian Frankenberger radelt durch ganz Bayern, um für die ÖDP zu werben.

Kleine Parteien bei der Landtagswahl

Wahl-Serie: Der einsame Strampler der ÖDP

München - Die Sache entscheidet sich nicht nur zwischen CSU und SPD. Zur Landtagswahl am 15. September tritt auch eine ganze Reihe kleiner Parteien an. Wir stellen sie in unserer Serie vor. Heute: die ÖDP.

Wahlkampf kann Menschen verändern. Sebastian Frankenberger zum Beispiel kommt mit zwei Händen nicht mehr rum um sein Wadl. Vier Kilo Muckis hat er sich inzwischen draufgeradelt. Er strampelt durch ganz Bayern, 3784 Kilometer waren es bis gestern, damit es seine Partei endlich in den Landtag schafft. Die hat nämlich ein Problem.

Alle wissen: Der Frankenberger, das ist der Langhaarige mit dem Rauchverbot. Aber wofür steht eigentlich die ÖDP? Die halten viele für ein politisches Leichtgewicht, das alle heilige Zeiten ganz pfiffige oder völlig absurde Ideen hat. Das zeigte sich im Wahlergebnis: 2008 bekam die Partei grad mal zwei Prozent. Das soll anders werden, sagt Frankenberger, Bundesvorsitzender der ÖDP. Einfach hat er es nicht.

"Bayerns wirksamste Oppositionspartei"

Vor allem will Frankenberger die Bayern überzeugen, dass die 30 Jahre alte ÖDP mehr drauf hat, als Volksentscheide anzuzetteln. Damit war die Partei mit 3700 Mitgliedern in Bayern und nur zwei hauptamtlichen Mitarbeitern bisher erstaunlich erfolgreich. Millionen haben unterschrieben: Die Qualmerei in den Kneipen – vorbei. Der Senat, die zweite Kammer des Parlaments – abgeschafft. Fünf mögliche Standorte für Atomkraftwerke – aus dem Landesentwicklungsprogramm gestrichen. Damit der Ministerpräsident künftig direkt gewählt wird, sammeln sie gerade Unterschriften. Die überregionale FAZ schrieb einst: „Bayerns wirksamste Oppositionspartei“, das haben sie stolz ins Heft mit dem Parteiprogramm und auf Plakate gedruckt. In Gemeinde-, Stadt- und Kreisräten sitzen 324 Mandatsträger, sogar eine Handvoll Bürgermeister stellt die ÖDP. Bisher hat das alles nicht für den entscheidenden Hopser über die Fünf-Prozent-Hürde gereicht.

Identifikationsfigur, die sich den Hintern wundradelt

Bisher hatte die ÖDP aber auch keinen Frankenberger, den 31 Jahre alten Passauer Fremdenführer mit großem Geschick, sich zu verkaufen. Bisher hatte die Partei keine Identifikationsfigur, niemanden, der sich den Hintern wundradelt wie er. Jetzt haben viele in der Partei ein Kribbeln im Bauch: „Das ist die Wahl der Wahlen!“, sagt zum Beispiel der bayerische Landesvorsitzende Klaus Mrasek. Wann, wenn nicht jetzt?

Wahl-O-Mat: Hier testen, welche Partei zu mir passt

Das Problem: Nicht alle in der Partei können mit Frankenberger, seine Gegner werfen ihm Marktschreierei und Geltungssucht vor. „Das ist der pure Neid“, sagen die, die den 31-jährigen Bundesvorsitzenden unterstützen. Die Gifteleien machen sich im Wahlkampf bemerkbar.

Bislang gab es in der ÖDP wie bei allen Parteien einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Frankenberger polarisiert extrem, vergrault sicher viele Wähler – aber er ist das bekannteste Gesicht der Partei. Aller Logik nach wäre er das Zugpferd, der Spitzenkandidat. „Nicht immer nur der“, haben sie hinter vorgehaltener Hand gemosert. Ende der Geschichte: Der bayerische Spitzenkandidat wurde abgeschafft. Das sei ein falscher Begriff, der werde ja nicht direkt gewählt – soweit die offizielle Begründung.

Frankenberger polarisiert

Frankenberger, seit einiger Zeit Wahl-Münchner, tritt also auf der oberbayerischen Liste an, im heißumkämpften Wahlkreis Schwabing. In der Landeshauptstadt haben ihn die Wahlhelfer fleißig plakatiert – auf dem Land ist das anders, da hängen eher Tafeln mit Text oder dem Konterfei des Landesvorsitzenden Mrasek. Der ist Polizist, sitzt in Amberg im Stadtrat – außerhalb der Oberpfalz kennt ihn wohl kaum jemand. Und die anderen Kandidaten, so profiliert sie sein mögen, sagen den meisten Wählern schon hinter der Gemeindegrenze nichts. Nur: Die große Werbetrommel rührt vor allem Frankenberger.

Auf seiner Radltour durch (fast) alle Wahlkreise begleiteten ihn etappenweise Mitglieder, Kandidaten und Mandatsträger, mal mehr, mal weniger – und manchmal ließen sie ihn ganz einsam strampeln. Er selbst sieht das gelassen, sagt diplomatische Sätze wie: „Es menschelt überall“ oder „Wir sind eine Partei der Ehrenamtlichen, die haben nicht so viel Zeit“.

Sollte es die ÖDP trotzdem in den Landtag schaffen, dann wird alles leichter, weniger anstrengend – glaubt Landeschef Mrasek. Für die fünf Prozent braucht die Partei deutlich weniger Stimmen als Unterschriften für ihre Volksentscheide. Mrasek glaubt, die Patzer der Landtagsparteien in Sachen Abgeordnetenaffäre spielen seiner ÖDP in die Karten. Die Leute seien auf der Suche nach Alternativen, sagt er. „Wir haben bewiesen, dass wir es können.“

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