Video dokumentiert Vorfall

Eklat in Berlin: Gruppe der Jungen Union grölt an Gedenktag öffentlich Wehrmachtslied

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Ausgerechnet am historisch vorbelasteten 9. November hat sich eine Gruppe der Jungen Union in Berlin daneben benommen: Sie grölte in einer Kneipe ein Wehrmachtslied.

Berlin - Der 9. November ist für die Bundesrepublik ein heikles Datum: Nicht nur der Mauerfall und die Ausrufung der Weimarer Republik jähren sich - sondern auch die Pogromnacht, in der die Nationalsozialisten etwa 7500 jüdische Geschäfte und Einrichtungen in Deutschland verwüsteten.

In Berlin gab es auch dieses Jahr wieder eine Gedenkstunde für den traurigen Jahrestag. Doch just am gleichen Abend verhielt sich eine aus Hessen angereiste Gruppe der Jungen Union (JU) in der Bundeshauptstadt alles andere als dem Datum angemessen, wie der Tagesspiegel online berichtet. Die Mitglieder der JU Rheingau-Taunus und Limburg sollen während einer Berlin-Exkursion in einer Kneipe ein Wehrmachtslied mit düsterer Vorgeschichte gegrölt haben. 

JU-Gruppe grölt Wehrmachtslied - Künstlerin filmt den Vorfall

Festgehalten hat den Vorfall die Berliner Künstlerin Mia Linda Alvizuri Sommerfeld. Die Frau jüdischen Glaubens hatte Stunden zuvor nach eigenen Angaben noch zum Gedenken an deportierte Juden im Berliner Westhafen Blumen niedergelegt. Das Verhalten der Gruppe stieß ihr wohl auch deshalb übel auf.

Die anwesenden JUler hätten nicht nur „C-D-U“ skandiert, sondern auch Sprüche gegen „Schwuchteln“ gerichtet, erzählte sie dem Tagesspiegel. Als die Gruppe das sogenannte Westerwald-Lied intonierte, filmte Alvizuri Sommerfeld den Vorfall mit ihrer Handykamera. Ihren Angaben zufolge wurde das Wehrmachts-Liedgut „mehrfach und lautstark“ gesungen.

Eklat in Berlin: Chef der JU Hessen sieht „großen Klärungsbedarf“

Die Geschehnisse in der Kneipe „Zur Quelle“ in Berlin-Moabit sind den Beteiligten, aber auch der JU offenbar unangenehm. Nach Angaben des Tagesspiegel wollten sich weder die Verantwortlichen der involvierten JU-Verbände noch die in dem Video erkennbaren Personen äußern. Einzige Ausnahme sei der Vorsitzende der JU Limburg, Nils Josef Hofmann. Er habe seine Teilnahme bestätigt, aber keine weiteren Nachfragen beantwortet.

Gleichwohl könnte die Episode ein Nachspiel haben. Der Sprecher der Jungen Union Hessen, Leopold Born, erklärte der Zeitung, es gebe „großen Klärungsbedarf“ und versicherte, der Fall werde „selbstverständlich aufgearbeitet“.

Westerwald-Lied wurde von der Wehrmacht bei Einmärschen gesungen

Strafbar ist das Singen des Westerwald-Liedes allerdings nicht. Die Bundeswehr strich das Lied erst im Jahr 2017 aus dem Repertoire des Bundeswehr-Liederbuches. Das Streitkräfteamt erhielt den Auftrag, eine neue Liederliste zu entwickeln. 

Das 1935 verfasste Westerwald-Lied wurde von Mitgliedern der Wehrmacht während Einmärschen in Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg gesungen. „Heute wollen wir marschier'n, einen neuen Marsch probier'n“, heißt es in der ersten Strophe des Liedes. „Dieses Lied ist das wohl bekannteste Lied der ehemaligen deutschen Wehrmacht […] Es sollte daher immer besonders sorgsam abgewogen werden, ob und wo dieses Lied durch Angehörige der Bundeswehr gesungen wird“, schrieb die Bundeswehr in älteren Ausgaben ihres Liederbuches.

Unglücklich verhielt sich kurz vor dem 9. November auch die ARD. Der TV-Sender sah sich nach einem Eklat um einen Werbeclip für die Show des Comedians Dieter Nuhr sogar genötigt, sich auf eine Medienanfrage hin zu entschuldigen.

fn/dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Marc Tirl

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