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Ausschreitungen bei der EM

Wegen Hooligan-Gewalt: Krach zwischen Frankreich und Russland

Paris/Moskau - Die Krawalle bei der Fußball-EM in Frankreich sorgen für Verstimmungen zwischen Paris und Moskau. Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte am Mittwoch die Festnahme dutzender russischer Fans scharf, das Außenministerium in Moskau bestellte sogar den französischen Botschafter ein.

43 russische Fußballfans waren am Dienstag auf dem Weg nach Lille zum nächsten EM-Spiel festgenommen worden. Ihr Bus wurde angehalten, dann wurden sie nach Marseille zurückgebracht. Später kamen elf der 43 Festgenommenen wieder frei, alle anderen blieben in Gewahrsam und sollten weiter befragt werden. „Wir haben bei etlichen Beweise für eine Beteiligung an den nicht zu akzeptierenden Gewalttaten gefunden“, sagte der Präfekt des Departments Alpes-Maritimes, Adolphe Colrat. Am Abend ordneten die Behörden die Ausweisung dreier Russen und eines Ukrainers wegen Störung der öffentlichen Ordnung an.

Lawrow kritisierte unter anderem, die französischen Behörden hätten ihre Pflicht verletzt, die russische Botschaft oder das Konsulat zu informieren. Am Montag hatte Frankreichs Sportminister Patrick Kanner Russland mangelnde Kooperationsbereitschaft vorgeworfen. Bis zu 200 russische Hooligans seien in Frankreich, die eigentlich nie hätten ausreisen dürfen.

Bundesinnenminister Thomas De Maizière sagte Frankreich hingegen „volle Unterstützung“ zu. Nach einer Kabinettsitzung im Elysée-Palast hob er hervor, Deutschland und Frankreich arbeiteten „aufs Engste“ zusammen, um Ausschreitungen von Hooligans und andere Gewalttaten bei der Europameisterschaft zu verhindern. So habe Deutschland den französischen Behörden die Namen sogenannter Gefährder übermittelt. Er verurteilte zudem die Gewalt bei der EM, an der vor allem russische und englische Hooligans beteiligt waren. Allerdings hätten auch Deutsche am Austragungsort Lille „mit dem Zeigen rechtsextremer Symbole den Fußball missbraucht für ihre extremen politischen Auffassungen und für Gewaltanwendung“. „Wir werden das nicht dulden“, fügte der Minister hinzu. Er traf in Paris auch zur EM entsandte deutsche Polizeibeamte. Regierungssprecher Steffen Seibert kritisierte, von Hooligans werde ein „widerwärtiger Gewaltkult“ gepflegt.

Rund um die EM-Partie Russland gegen England hatten sich Fußballfans und Hooligans am Samstag in Marseille heftige Straßenschlachten geliefert. Auch im Stadion gab es nach dem Abpfiff Angriffe. Mindestens 35 Menschen wurden verletzt, die meisten waren Briten. Die Gewalt ging offenbar vornehmlich von organisierten russischen Hooligans aus. Der russische Parlaments-Vizepräsident Igor Lebedew hat die Fanausschreitungen von Marseille verteidigt. „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht Jungs. Weiter so!“, schrieb der Politiker der nationalistischen Liberaldemokraten auf Twitter.

Lesen Sie hier einen Kommentar zu den Ausschreitungen in Russland: Rüpel-Russlands Macho-Gehabe

Wegen der Ausschreitungen im Stadion wurde Russland vom europäischen Fußballverband Uefa scharf gerügt – die Mannschaft ist nur noch unter Vorbehalt bei der EM dabei und muss das Turnier bei erneuten Krawallen russischer Hooligans im Stadion verlassen. Russlands Sportminister Witali Mutko schloss neue Randale durch mitgereiste russische Fans nicht aus. „Unsere Fans werden ständig provoziert“, sagte er.

Alles Aktuelle rund um die EM 2016 in Frankreich lesen Sie in unserem News-Blog.

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