Der Bayerische Landtag erhält am Mittwoch keine Regenbogen-Beflaggung.
+
Der Bayerische Landtag erhält am Mittwoch keine Regenbogen-Beflaggung.

„Wie war das, Markus Söder?“

EM-Zoff in Bayern: CSU verhindert Regenbogen am Landtag - Verwunderung sogar in eigener Partei

  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
    schließen

Die Allianz Arena bleibt außen vor - aber viele Orte zeigen am Mittwoch „Regenbogen“. Das gilt nicht für den Landtag. Die CSU legt ihr Veto ein.

München - Die Aufregung um die untersagte Regenbogen-Beleuchtung der Münchner Allianz Arena schlägt weiter hohe Wellen. Viele Institutionen wollen am Mittwoch die Regenbogen-Farben sichtbar zur Schau stellen - der Ältestenrat des Bayerischen Landtags hat das Zeichen gegen Homophobie allerdings für das Parlamentsgebäude abgelehnt: CSU und AfD stellten sich gegen einen entsprechenden Vorschlag. Die Opposition ist vor allem über das Nein der Christsozialen empört. Aber auch der Koalitionspartner Freie Wähler zeigte sich enttäuscht.

CSU stimmt gegen Regenbogen-Beflaggung am Landtag: SPD ist „wütend“

Die SPD hatte den Vorschlag auf die Agenda gebracht. Nach Angaben der Landtagsfraktion stellte sich aber die CSU-Fraktion gegen die Idee. „Wir sind nicht überrascht. Wir sind wütend! Wie war das mit dem Bedauern zur UEFA-Entscheidung, Markus Söder?“, war am Mittwochnachmittag auf dem Twitter-Account der SPD-Fraktion zu lesen.

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer rechtfertigte die Entscheidung mit der Sorge vor einem Präzedenzfall. „Der Landtag würde in der Folge mit Sicherheit regelmäßig gebeten werden, für viele berechtigte Anliegen Flagge oder Farbe zu zeigen“, sagte er. Hier für jeden Einzelfall eine Abwägung zu treffen und einen Konsens zu finden, sei aus CSU-Sicht nicht zu leisten.

EM-Tohuwabohu um Ungarn und die UEFA: Verwunderung über CSU-Nein zu Regenbogen-Flagge am Landtag

Für die Umsetzung wäre die Zustimmung aller Fraktionen notwendig gewesen. Das Nein der CSU sorgte auch innerparteilich auch für Verwunderung - Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder hatte sich für eine Beleuchtung des EM-Stadions in den Regenbogenfarben ausgesprochen. Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) wäre dafür offen gewesen. 

Die übrigen Fraktionen - SPD, Grüne, Freie Wähler und FDP - zeigten sich dennoch enttäuscht, dass der Landtag damit eine gute Möglichkeit verpasse, sich als weltoffenes und für Toleranz einstehendes Parlament zu präsentieren. Statt öffentlichem „Flagge zeigen“ am Gebäude gab es am Ende vom Landtag nur ein Social-Media-Statement mit Regenbogen von Aigner und den Vizepräsidenten des Landtags. Söder hatte zuvor auf Twitter erklärt: „Schade, dass die Münchner Arena nicht in Regenbogenfarben leuchten darf. Das wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen.“

München: Streit über den Regenbogen - neuer Eklat um Orbán

Die UEFA hatte am Dienstag den Antrag der Stadt München abgelehnt, die Arena des FC Bayern für das finale Vorrundenspiel an diesem Mittwoch in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Massive Kritik war die Folge.

Hintergrund des Antrags ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt und in der vergangenen Woche vom ungarischen Parlament gebilligt worden war. Viktor Orban sagte am Mittwoch bereits eine Reise zum Spiel in München ab. Kanzlerin Angela Merkel kritisierte die Novelle in ihrer letzten Regierungsbefragung im deutschen Bundestag scharf. (fn/dpa)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare