Brüssel: Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, trifft zu einem EU-Gipfel im Gebäude des Europäischen Rates ein.
+
Emmanuel Macron ist bekannt für seine Reformen und er polarisiert stets.

Der Staatspräsident von Frankreich im Überblick

Leben und Karriere von Emmanuel Macron 

  • VonCarolin Schulz-Osterloh
    schließen

Emmanuel Macron zwischen eigener Partei, Skandalen und Familie – Das Leben und die Karriere des Staatspräsidenten von Frankreich

  • Emmanuel Macron wurde am 7. Mai 2017 Staatspräsident von Frankreich, nachdem er seine eigene Partei En Marche gegründet hatte.
  • Seine liberale Reformpolitik bringt ihm viel Unterstützung aus verschiedenen politischen Lagern, aber auch viel Kritik ein.
  • Privat ist Macron mit seiner 25 Jahre älteren ehemaligen Lehrerin glücklich, der er 2007 heiratete.

Der französische Politiker Emmanuel Macron wurde am 21. Dezember 1977 unter dem vollen Namen Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron in Amiens, Frankreich geboren. Seit 2017 ist er Staatspräsident von Frankreich und steht mit seiner Politik vor allem für Neuanfänge. Er verließ die traditionelle sozialistische Partei Parti Socialiste (PS), gründete 2016 seine eigene Partei En Marche und trat bereits 2017 bei der Präsidentschaftswahl seines Landes an, die er mit 66% der Stimmen in der Stichwahl gewann.

Macron ist bekannt für seine Reformen und er polarisiert stets. Zwar bekam er vor der Wahl mit seiner liberalen Politik viel Unterstützung aus vielen politischen Lagern, seine Gegner und auch langjährige Wegefährten haben aber auch schon saftige Kritik für den Politiker übriggehabt und auch seine Reformpolitik ist nicht von jedermann, wie zum Beispiel von den Geldwesten, gern gesehen.

Emmanuel Macron: Kindheit und Ausbildung 

Emmanuel Macron wuchs in Amiens im Norden Frankreichs in einer Ärztefamilie auf. Sein Vater Jean-Michel Macron ist Professor für Neurologie und seine Mutter Françoise Macron-Noguès ist Kinderärztin, die außerdem als beratende Ärztin für die gesetzliche Sozialversicherung arbeitet. Das Paar hat neben dem Politiker noch zwei weitere Kinder, den Sohn Laurent und die Tochter Estelle. Emmanuel Macron ist von den drei Geschwistern der älteste, seine beiden jüngeren Geschwister traten mit der Berufswahl in die Fußstapfen der Eltern und wurden Ärzte. Darüber hinaus haben die drei noch den Halbbruder Gabriel, den der Vater mit seiner zweiten Frau bekam, nachdem er sich 2010 von der Mutter des Politikers hatte scheiden lassen.

Sein Abitur, das in Frankreich das Baccalauréat genannt wird, machte der heutige Staatspräsident am Elitegymnasium Lycée Henri IV in Paris. Danach bewarb er sich zweimal an der Elitehochschule École normale supérieure, bestand die Aufnahmeprüfung aber beide Mal nicht, weshalb er zunächst Philosophie an der Universität Paris-Nanterre und Politikwissenschaften am Sciences Po, dem Institut für politische Studien in Paris, studierte. Dort legte er seinen Master und sein Diplom ab und arbeitete gleichzeitig von 1999 bis 2001 als Assistent des Philosophen Paul Ricœur in Nanterre.

Danach besuchte Emmanuel Macron die Elite-Verwaltungshochschule École nationale d’administration in Straßburg und schloss diese trotz ursprünglicher Ablehnung im zweiten Versuch als einer der Jahrgangsbesten ab. Nach seinem Abschluss bekam er 2005 den Posten des Finanzdirektors im öffentlichen Dienst bei der Inspection des Finances angeboten und arbeitete fortan für das Finanzministerium, wo er den Wirtschaftsberater des damaligen Präsidenten François Mitterand, Jacques Attali, kennenlernte, der ihn später dem nachfolgenden Präsidenten François Hollande als Berater empfahl. 2008 wechselte Macron vom Finanzministerium zur Pariser Investmentbank Rothschild & Cie, bei der er nur zwei Jahre später auch als Partner einstieg.

Politische Laufbahn von Emmanuel Macron

In die Politik gelang Emmanuel Macron erst relativ spät. Im Mai 2012 gewann François Hollande die Wahl zum Staatspräsidenten, woraufhin Macron seinen Job bei Rothschild verließ, um als Berater für Hollande in der Wirtschaft- und Finanzpolitik zu arbeiten. Außerdem übernahm er zusätzlich die Stelle als stellvertretender Generalsekretär im Élysée-Palast. Eine seiner Aufgaben in seiner neuen Rolle war es, ein wirtschaftsfreundliches Gegengewicht zu Arnaud Montebourg darzustellen, der Wirtschaftsminister und bekennender Globalisierungskritiker war. Der Kampf zwischen ihm und Montebourg prägt die gesamte politische Karriere Macrons, nicht selten stellte Montebourg sein Gegenüber als treuen Hund des Präsidenten ohne eigene Macht und Meinung dar.

2014 überlegte Macron schließlich, aus etwa diesem Grund den Job als Berater aufzugeben, da er in seiner damaligen Situation keine Möglichkeit sah, Minister zu werden. Um einen Rückzug zu verhindern, ernannte François Hollande den Politiker dann zum Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales, womit Macron Montebourgs Posten übernahm. Der immer schon recht freche Montebourg hatte den Präsidenten zuvor mit einigen Sprüchen dann doch einmal zu oft beleidigt, weshalb er schließlich seinen Posten räumen musste. Das führte erneut zu einer medialen Darstellung dieses Zweierkampfes. In den Medien wurde Macron zum Beispiel als „Anti-Montebourg“ bezeichnet.

Zunächst galt Emmanuel Macron als Reformträger, der mit der sozialdemokratischen Linie brach und wichtigster Wirtschaftsberater Hollandes war. Er war maßgeblich an einem Reformpaket beteiligt, das zum Beispiel die Steuern für Unternehmen erleichtern und die Wirtschaft ankurbeln sollte. Viele andere Reformvorschläge Macrons, wie sein Gesetzentwurf Loi Macron von 2015, wurden aber auch von Volk und Gegnern stark kritisiert. Nach mehreren Auseinandersetzungen mit dem damaligen Premierminister Manuel Valls und vielen gespannten Verhältnissen, trat Macron 2016 von seinem Amt als Minister zurück und gründete seine eigene Partei.

Emmanuel Macron: Wahlkampf und die stete Kritik

Im April 2016 startete Emmanuel Macron seine eigene politische Partei, die er La République en Marche, oder kurz En Marche nannte. Seine alte Partei Parti socialiste (PS) sah darin und in seinem Rücktritt als Minister einen Verrat an der Regierung und Manuel Valls warf ihm mangelnde Loyalität vor. Im November 2016 gab Macron bekannt, dass er für das Staatspräsidentenamt kandidieren würde, auch wenn sein vorheriger Kollege und Freund Hollande ein weiteres Mal antrete. Bereits im Januar hatte seine neugegründete Partei 136.000 Mitglieder und bei der ersten Wahlrunde erreichte Macron tatsächlich mit 24% der Stimmen das beste Ergebnis aller elf Kandidaten. Bei der Stichwahl am 7. Mai 2017 gegen Marine Le Pen von Front National gewann der Politiker schließlich mit 66%.

Beim Volk, das in Frankreich seit 1962 den Präsidenten direkt wählt, kam Macron gut an. Seine Kollegen und ehemaligen politischen Weggefährten bezeichnen seine Bewegung En Marche als rechtspopulistisch, Hollande fühlte sich von seinem ehemaligen Berater verraten.

Politische Positionen und Skandale von Emmanuel Macron

Im Juli 2017 verabschiedete Emmanuel Macron ein Gesetz zur „Moralisierung der Politik“, nachdem Abgeordnete keine Verwandten oder Angehörigen mehr als Mitarbeiter einstellen dürfen. Außerdem führte er im April 2019 den „Universellen Nationaldienst“ ein, der ab 2021 alle Franzosen zwischen 16 und 25 dazu verpflichtet, für mindestens einen Monat einen zivilen oder militärischen Dienst zu leisten, bei dem sie französische Werte und soziales Engagement erlernen sollen.

Beim Wirtschaftsrecht setzt Macron auf den Abbau von Unternehmensregulierungen und Beschränkungen des Arbeitsrechts. Energie- und umweltpolitisch möchte Macron die Abhängigkeit Frankreichs von der Atomenergie verringern, ganz aus der Atomkraft aussteigen will er aber nicht. Die Asylpolitik soll bei Macron schneller gehen. Der Politiker fordert eine schnellere Bearbeitung der Asylverfahren, besserer Integrationen und schnellere Abschiebungen von Personen ohne Asylrecht. Darüber hinaus steht Macron für ein vereintes, starkes Europa gegenüber dem nicht-europäischen Ausland mit gemeinsamen Informationssystemen für einen besseren Austausch bei der Bekämpfung von organisiertem Verbrechen und Terrorismus.

Aber auch mit einigen Skandalen musste der Staatspräsident in seiner Amtszeit schon umgehen. Am 18. Juli 2018 veröffentlichte die Tageszeitung Le Monde ein Video, in dem zu sehen war, wie ein Leibwächter Macrons bei einer Demonstration Gewalt gegen einen Protestierenden anwandte. Zunächst versuchte Macron, den Vorfall kleinzureden, übernahm aber später die Verantwortung dafür. Seinem Image tat der Vorfall aber nicht besonders gut.

Auch die Massenproteste der „gilets jaunes“ brachten den Präsidenten in eine prekäre Lage. Durch seine Reformpolitik verärgerte er viele Bürger. Seine Zustimmungswerte sanken deutlich und am 17. November 2018 gingen zum ersten Mal die Gelbwesten für eine Demo auf die Straßen. Weitere Demos im ganzen Land folgten, teilweise mit Gewaltausbrüchen, Brandstiftung, Plünderungen und Demolierungen am Arc de Triomphe. Die Demonstranten forderten die Besserstellung sozial benachteiligter Bürger und den Rücktritt Macrons, der als „Präsident der Reichen“ bezeichnet wurde.

Zunächst reagierte Macrons Regierung mit dem Aussetzen der Benzin- und Dieselsteuererhöhung, später reagierte er klarer, übernahm Verantwortung und versprach ein Frankreich, in dem jeder mit Würde leben könne. Dafür sollten in naher Zukunft kurzfristige Maßnahmen wie staatliche Subvention des Mindestlohns von bis zu 100 Euro im Monat, Steuer- und Abgabebefreiung von Überstundenvergütungen, Entlastung von Rentnern mit einem Monatseinkommen unter 2.000 Euro und eine abgabenfreie, freiwillige Prämie der Arbeitgeber für Arbeitnehmer zum Jahresende sorgen.

Emmanuel Macron: Familie und Privatleben

Emmanuel Macron heiratete im Jahr 2007 seine ehemalige Französischlehrerin Brigitte Trogneux. Das Paar lernte sich kennen, als der Politiker das Lycée La Providence in Amiens besuchte, wo die 25 Jahre ältere Lehrerin ihn schon im Alter von 15 Jahren unterrichtete. Mit 17 verliebte er sich in die Frau, zog aber seinen Eltern zu Liebe und um einen Skandal zu vermeiden nach Paris. Dort legte er am Lycée Henri IV sein Baccalaurát ab, was ungefähr dem deutschen Abitur entspricht. Das Paar verlor sich in all dieser Zeit aber nie auseinander und mit 29 konnte der Politiker der Liebe seines Lebens schließlich das Ja-Wort geben. Das Paar hat keine gemeinsamen Kinder, allerdings ist Macron durch die Hochzeit mit Trogneux Stiefvater ihrer zwei Töchter Tiphaine Auzière, Laurence Auzière- Jourdan und ihres Sohnes Sébastien Auzière geworden, die sie aus einer früheren Ehe mit dem Bänker André Louis Auzière. Das Paar hat außerdem 2017 einen Hund aus dem Tierheim adoptiert, den der Politiker auf den Namen Nemo taufte.

Auch interessant

Kommentare