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Radikaler Einschnitt in Energie-Zukunft? Habeck-Ministerium löst Beben bei Versorgern aus

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Robert Habeck
Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft, bei einer Podiumsdiskussion während des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. © Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Wie soll die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland aussehen? Die Pläne der Grünen und der Energieversorgungsunternehmen klaffen in einem Punkt offenbar auseinander.

Berlin - Nach einem Bericht der Welt soll ein Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) vergangene Woche für Aufruhr unter den Energieversorgern gesorgt haben: Patrick Graichen soll die Branche bei einer Veranstaltung aufgefordert haben, schon jetzt an de schrittweisen Rückbau der Erdgasversorgungsnetze zu denken.

Bisher sei die Energieversorgerbranche davon ausgegangen, dass die Erdgasnetze künftig für den Transport von Alternativen wie Wasserstoff genützt werden würden - ein Rückbau wäre ein ähnlicher Einschnitt wie der Kohle- oder Atomausstieg. Für vernünftig und begründet hält die frühe Diskussion demnach nur die Deutsche Energie-Agentur (Dena), weil sie in einer Studie ermittelt habe, dass der Verbrauch gasförmiger Energieträger bis 2045 um rund ein Drittel zurückgehen werde. Die Energieversorger sehen das laut Welt bisher anders.

Habecks Ministerium löst Beben mit Gas-Plan aus: „Als wenn man ein Pferd von hinten aufzäumt“

„Jetzt in die Rückbauplanung einzusteigen ist, als wenn man das Pferd von hinten aufzäumt“, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), in dem mehr als 900 Stadtwerke organisiert sind. Zuerst bräuchten die Millionen Haushalte, die an den Netzen hängen, eine brauchbare Perspektive. Technologieoffenheit sei von zentraler Bedeutung. „Sonst verbauen wir uns vollkommen ohne Not Wege, die wir später noch benötigen“, sagte er.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lehnt den Plan auch ab. „Ein Rückbau der Verteilnetze zum jetzigen Zeitpunkt wäre vor allem mit Blick auf die Vielzahl dort angeschlossener Gewerbe- und Industriekunden absolut kontraproduktiv“, sagt BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. Die frühere Grünen-Politikerin verweist darauf, dass über die Leitungen 20 Millionen Haushalte und 1,8 Millionen Unternehmen versorgt werden. „Die Gasverteilnetze sind ein essenzieller Bestandteil unseres zukünftigen Energiesystems und stärken die Resilienz des gesamten Versorgungssystems.“ Ziel müsse es sein, „Schritt für Schritt Erdgas durch Wasserstoff und andere klimaneutrale Gase zu ersetzen“. Dies sei „volkswirtschaftlich effizient und kann entscheidend zur Versorgungssicherheit beitragen“.

Politischer Streit um die Wärmepumpe? Vorwürfe der Energieversorger an die Grünen

Zweifel äußerte VKU-Chef Liebing auch an den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums unter Robert Habeck, Gasheizungen künftig durch Wärmepumpen zu ersetzen.

Drastische Worte für seine Kritik wählte Gerald Linke, der Chef des technisch orientierten Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW): „Man versucht, eine bestimmte Technologie, die Wärmepumpe, mit aller Gewalt in den Markt zu drücken, ohne dass es den Wärmekunden helfen wird. Für die wird es nur teuer, sehr teuer.“ Graichens Forderung sei „offenkundig von Ideologie getrieben“. Wärmepumpen wandeln in Wasser, Boden und Luft vorhandene Wärme in Energie um. (kat)

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