Wie aus der Ente ein Fisch wurde

Fasten ist mehr als Fleischverzicht: - München ­- Jetzt brechen harte Zeiten an, der Gürtel wird enger geschnallt. Am heutigen Aschermittwoch beginnt für die Christen die vorösterliche Fastenzeit. Also Fleisch ade, Schokolade adieu, Wein passé?

"Zwar lesen wir, Wein passe überhaupt nicht für Mönche. Aber weil sich Mönche heutzutage davon nicht überzeugen lassen, sollten wir uns wenigstens darauf einigen, nicht bis zum Übermaß zu trinken, sondern weniger." So schreibt der heilige Benedikt im 6. Jahrhundert über das rechte Maß beim Essen und Trinken.

In der Fastenzeit waren die Verbote freilich noch strenger. Drei Bissen Brot und drei Schluck Bier am Tag waren erlaubt, Fleisch und süße Schlemmerei tabu. Heute fasten viele Menschen ohne religiöse Motive -­ sie wollen einfach ein paar Pfunde weniger auf die Waage bringen und sich für die Strandsaison fit machen.

Trockenes Brot, Wasser und einen Apfel am Tag -­ das muss nicht sein, auch nicht zur Fastenzeit. Verzicht auf fettreiche und zuckersüße Speisen sowie Alkohol sind heute gängige Fastenmethoden. Im vergangenen Jahr hat jeder fünfte Bundesbürger gefastet. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa gaben 20 Prozent von 1002 Befragten an, bis Ostern auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel verzichten zu wollen.

Wer die Fastenzeit nur unter dem Aspekt der Ernährung betrachtet, greift zu kurz, sagt Martin Glaab, Pressesprecher vom Benediktinerkloster Andechs (Landkreis Starnberg), der die Fastenpraxis der Ordensbrüder beschreibt. "Fasten ist breit angelegt und findet nicht im stillen Kämmerlein statt. Jeder Mönch trägt dem Abt seine Vorschläge vor, wie er sich die vorösterliche Bußzeit vorstellt." Der Abt prüft in Einzelgesprächen, ob der Geistliche sich für die Bußzeit ein machbares Ziel gesetzt oder sich übernommen hat.

"Es ist ein Stück Seelsorge", erzählt Glaab vom heutigen Umgang der Mönche mit der Fastenzeit. Es sei eine befreiende Erfahrung zu erleben, dass man nach der Fastenzeit wieder Herr im eigenen Hause ist: "Der Blick wird scharf für die kleinen und großen Abhängigkeiten, in die wir uns begeben haben", sagt Glaab.

Reiner Otto Schmid, Ernährungs- und Fastenberater aus Inning (Landkreis Starnberg), fastet selbst einmal im Jahr, verzichtet auf feste Nahrung. Durchs "Entschlacken" werde der Körper gereinigt. Das Verhältnis zum eigenen Körper wird radikal umgestellt. "Man wird wacher, braucht weniger Schlaf und ist in den ersten zwei Wochen leistungsfähiger, als wenn man etwas isst." Ist das erst mal überstanden, "fühlt man sich keinesfalls heruntergezogen, sondern wie im eigenen Paradies".

Allerdings macht Schmid nach zwei Wochen Schluss. "Dann merke ich, wie mich meine Kraft verlässt." Er rät davon ab, Fastenkuren nur mit Wasser und Tees durchstehen zu wollen. Er selbst schwört auf spezielle Zitronensäfte. Ganz im Gegensatz zur Mehrheit der Mediziner, die dem radikalen Fasten skeptisch gegenübersteht.

Dass das Interesse am Fasten zunimmt, will Schmid nicht bestätigen. "Fasten heißt zu verzichten. Und in unserer Gesellschaft haben die Menschen noch nicht begriffen, dass Gewinn durch Verzicht erlangt werden kann."

18 Maß Bier täglich

Die mit Aschermittwoch beginnende Fastenzeit wurde im 4. Jahrhundert beim Konzil von Nicäa auf 40 Tage festgelegt. Fleisch war verboten, Fisch erlaubt. Die Regeln haben findige Büßer gekonnt umgangen: Kurzerhand erklärten sie am und im Wasser lebende Tiere wie Enten und Biber zu Fischen, die dann in der Pfanne landeten. Am Fastengedanken geht der reine Fleischverzicht heute vorbei: "Was hilft es, wenn man statt Fleisch den in Butter gebratenen Lachs isst?", fragt Glaab.

Legendär ist das Fasten des Andechser Mönchs "Frater Brauer": Er soll in den 40 Tagen bis Ostern täglich 18 Maß Bier getrunken haben. Über den gesundheitlichen Zustand des Mönches nach seiner speziellen Fastenkur ist allerdings nichts überliefert.

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