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Verhaftete Journalisten gehören mittlerweile zum Alltag in der Türkei.

ARD-Doku zeigt schockierende Beispiele

Schockierende Beispiele: So hart geht Erdogan gegen Andersdenkende vor

Das Thema der Meinungsfreiheit ist seit dem Putschversuch 2016 in der Türkei sehr schwierig: Journalisten, Studenten, Lehrer werden täglich angeklagt und verhaftet.

Berlin - Wie ist es, in der Türkei angeklagt zu sein? Kann man dort überhaupt noch an eine unabhängige Justiz glauben? Viele Türken sind einer klaren Meinung: Nein.

Seit dem Putschversuch 2016 sind zehntausende Menschen inhaftiert worden. Mehr als 100.000 haben ihren Arbeitsplatz verloren. Es sind vor allem Soldaten und Journalisten, aber auch Lehrer oder Anwälte, die mutmaßliche Terroristen verteidigen. Viele türkische Bürger fürchten um ihre Zukunft und um die Zukunft ihres Landes.

Mit dem Thema beschäftigte sich die Sendung „Weltspiegel extra“ am Dienstagabend im Ersten. Anhand verschiedener Beispiele aus dem Leben normaler Bürger zeigt die Dokumentation, wie schwierig die Lage in der Türkei ist und wie gegen Kritiker und Andersdenkende vorgegangen wird.

Journalistin Mesale Tolu darf Türkei nicht verlassen

Mesale Tolu ist eine 34-Jährige Mutter aus Ulm, sie lebt und arbeitet jedoch in der Türkei. Mesale besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und ist mit einem türkischen Mann verheiratet, mit dem sie einen dreijährigen Sohn, Erkan, hat. Tolu arbeitete als Journalistin und Übersetzerin für die linke Nachrichtenagentur Etha, bis sie von der türkischen Polizei verhaftet wurde. Ihr wurden Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Der Grund sei die Teilnahme an mehreren Demonstrationen sowie an der Beerdigung zwei mutmaßlicher Terroristinnen gewesen.

Obwohl Tolu Mutter und deutsche Staatsbürgerin ist, musste sie acht Monate im Gefängnis sitzen, fünf davon mit dem kleinen Erkan. Im Dezember 2017 wurde die 34-Jährige letztendlich freigelassen, seitdem darf sie das Land aber nicht verlassen. Tolu will zurück nach Hause, nach Deutschland, doch sie sitzt in der Türkei fest. 

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Auch Studenten werden häufig festgenommen

Eine weitere Geschichte, die in der Dokumentation erzählt wird, ist die der Studentin Yarlin Tuncer. Die 18-Jährige sitzt seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft. Der Grund: Sie hat an einer Demonstration gegen die Militäroffensive in Afrin teilgenommen. Nachdem die Lage während der Demonstration eskaliert war, mussten zivile Polizisten eingreifen. Kurz darauf hatte Erdogan gedroht, man werde mit den Videoaufnahmen alle beteiligten „Terrorstudenten“ identifizieren und „das Nötige tun“. Am nächsten Morgen stürmte eine Spezialeinheit das Haus Yarins, um sie zu verhaften. Ihr Vater ist nach wie vor entsetzt: „Sie hat nichts getan, das macht alles keinen Sinn.“

Andere Beispiele sind der Buchhalter Emre Iper, der sich dem Bericht zufolge lediglich ein simples Musikprogramm auf sein Handy geladen hatte. Seitdem werden ihm Verbindungen zu Putschisten nachgesagt. Oder die zwei Journalisten Sahin Alpay und Mehmet Altan, die in Untersuchungshaft sitzen und unter Hausarrest stehen, obwohl der stellvertretende Regierungschef das Gericht für die Entscheidung kritisiert hatte.

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Staatssekretär Meyer: Massiver Druck gegenüber Ankara nicht der „zielführende Weg“

An Beispielen fehlt es offenbar nicht. Die Lage in der Türkei hat sich nach dem Putschversuch deutlich verschlimmert und droht nicht besser zu werden, wenn Präsident Recep Tayyip Erdogan Ende Juni wiedergewählt wird

Und was macht Deutschland in dieser schwierigen Situation? Staatssekretär des Bundesministerium Stephan Meyer möchte keinen massiven Druck gegenüber Ankara aufbauen: „Auf die Pauke zu hauen ist aus meiner Sicht nicht der allein glückselig machende und zielführende Weg.“

Lesen Sie auch: Erdogan-Fotos mit Gündogan und Özil: Sogar Merkel reagiert.

fm

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