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Bei der Essensausgabe im Flüchtlingslager: Minister Müller.

Flüchtlingslager für die Ewigkeit

Bewegender Besuch: Entwicklungsminister Müller im Riesen-Lager Dadaab

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Dadaab - Dadaab in Kenia ist das größte Flüchtlingslager der Welt. Viele der Menschen, die dort gestrandet sind, leben seit 25 Jahren in dem Camp. Am Dienstag bekamen sie Besuch von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Merkur-Reporter Sebastian Horsch reist mit. 

1991, als das größte Flüchtlingscamp der Welt entstand, ist auch sie von Somalia nach Dadaab in Kenia geflohen. Fünf Kinder hat die Frau auf die Welt gebracht, und jedes dieser Kinder hat heute selbst fünf Kinder. „Alle leben im Camp“, erzählt sie Gerd Müller, CSU. Sie ist noch nicht zurückgekehrt in ihr Heimatland, das nach mehr als zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Seit 25 Jahren lebt sie im Lager. „Wir verstehen, dass es viele Krisen gibt“, sagt die Frau dem Entwicklungsminister aus Deutschland. „Aber wir hoffen, wir werden nicht vergessen.“

Müller besucht Dadaab am Dienstag als Auftakt einer fünftägigen Ostafrika-Reise. Weitere Stationen des Ministers sind Tansania und Dschibuti. Er will sehen, wie die Menschen hier leben, welche Hilfe sie brauchen. Ein Hintergrund ist auch, dass die Bundesregierung Flüchtlingshilfe vor Ort verstärken will – um die Zahl der Verzweifelten, die nach Deutschland kommen, zu reduzieren.

350.000 Menschen leben hier

Die meisten Menschen in den insgesamt fünf Lagern von Dadaab stammen aus Somalia, wo die islamistische Terrormiliz Al Shabaab das Leben auch heute unsicher macht. Hier, knapp 100 Kilometer von der somalischen Grenze im Landesinneren von Kenia, leben 350.000 Menschen. Nach dem Anschlag auf die Universität im kenianischen Garissa, bei dem die Terroristen von Al Shabaab voriges Jahr 148 Menschen tötete, hatte Kenias Regierung schon angekündigt, das Lager schließen zu lassen. Aus Angst, es diene als Unterschlupf für Terroristen. Passiert ist das bislang nicht. Wenn man so will, ist Dadaab die drittgrößte Stadt des Landes. Einfach schließen? Ein Programm, das zur freiwilligen Rückkehr nach Somalia bewegen soll, haben circa 12.000 Menschen seit 2014 genutzt. 106.000 seiner Bewohner sind im Camp geboren.

Das Lager wächst - die Unterstützung schrumpft

Viele von ihnen haben bereits selbst Nachwuchs. Schulen gibt es allerdings nur für die Hälfte der Kinder. Und auch das Geld wird weniger. „Wir sind hungrig“, sagt ein Mann. „Wir kriegen nur noch 70 Prozent von früher.“ Anders als Deutschland haben viele Geberländer die Unterstützung in den vergangenen Jahren zurückgefahren. Andere Krisen scheinen in den Vordergrund gerückt zu sein. Müller sagt bei seinem Rundgang, er würde sie alle „gerne einmal einladen, hier durchzulaufen“. Es sei „beschämend“, dass er von hier aus an die Weltgemeinschaft appellieren müsse, ihre Zusagen einzuhalten. „Die Menschen leiden hier Not.“ Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR kostet ein Campbewohner etwa 18 Dollar – im Monat.

Viele denken an Flucht nach Europa 

Der Minister kommt gerade aus der Hütte, die ihm eine Campbewohnerin gezeigt hat. Nicht nur für den großgewachsenen Politiker aus Deutschland wirkt die Behausung zu eng. In dem Bau aus Ästen, bedeckt mit Planen und Stoff, lebt eine Familie. Müller sagt, er sei „mitgenommmen vom Leid und Elend der Menschen, die hier seit 25 Jahren leben“. Gleichzeitig beeindrucke ihn dieser Überlebenswille. Doch einige Menschen hätten ihm auch gesagt, dass sie das nicht schaffen: nochmal 20 Jahre so zu leben. Dass sie dann daran denken müssen, nach Europa zu gehen. 12.700 Somalis haben 2015 in Deutschland Asyl beantragt.

Die Nahrungsration gibt es per Finger-Scan

Bei der Nahrungsausgabe warten Männer und Frauen in getrennten Gitterkorridoren, bis sie durch die Drehkreuze dürfen. Menschen, die in Hütten aus Ästen, Fetzen und Lehm leben, legen ihre Finger schließlich auf ein Scangerät. So bekommen sie am Schalter den einen Teil ihrer wöchentlichen Nahrungsration. Getreide, Mehl, grundlegende Dinge. Den anderen Teil der Hilfe bekommen sie als Geldguthaben auf ihr Handy, mit dem sie in umliegenden Läden einkaufen können. Minister Müller ist beeindruckt vom Fingerscan für Flüchtlinge. In Europa habe man das alles noch nicht so gut hinbekommen. „In Europa läuft das seit einem Jahr“, beruhigt ein UNHCR-Mitarbeiter Müller auf englisch. „Dieses Hilfsprogramm ist 25 Jahre alt.“

Nach seinem Besuch im Camp teilt Minister Müller mit, er werde die Hilfszahlungen für Flüchtlingslager in Kenia verdoppeln, von sechs auf elf Millionen Euro. Damit sollen Rückkehrer-Programme sowie Ernährungssicherung gefördert werden.

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