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Oskar Lafontaine (l) bekommt nach seiner Wahl auf Platz eins der Landesliste der Linken für die Landtagswahl im Saarland von Jochen Flackus die Hand geschüttelt.

Er tritt wieder im Saarland an

Lafontaine macht‘s bei den Linken noch einmal

Saarbrücken - Politprofi Lafontaine hat es schon zwei Mal bewiesen: Mit ihm an der Spitze fährt die Linke an der Saar Wahlergebnisse ein, die weit über dem Bundesdurchschnitt liegen. Im März geht er wieder ins Rennen.

Oskar Lafontaine muss noch mal ran. Die saarländische Linke braucht ihn. So sehr, dass der 73 Jahre alte Politprofi noch einmal bei einer Landtagswahl im Saarland seinen Hut in den Ring wirft. „Ich fühle mich noch einigermaßen fit, da habe ich gesagt, ich kann es noch einmal versuchen“, sagt der Vorsitzende der Linksfraktion im saarländischen Landtag am Samstag bei seiner Kür zum Spitzenkandidaten in Saarbrücken. Und macht auch gleich klar, wo es langgeht: „Wir wollen einen Regierungswechsel. Wir brauchen hier einen neuen Aufbruch.“

Wir sind im Live-Ticker dabei, wenn es ab 18 Uhr erste Hochrechnungen im Saarland gibt.

Die Linke an der Saar weiß: Der Diplom-Physiker, der politisch quasi schon alles war vom Oberbürgermeister in Saarbrücken bis zum SPD-Kanzlerkandidat, bringt Stimmen. „Er ist schon ein Zugpferd“, sagt der Sprecher der Linksfraktion, Martin Sommer. Bei den vorigen Landtagswahlen holte „Oskar“, wie sie ihn hier fast alle nennen, als Nummer eins auf der Liste jedes Mal rund zehn Prozentpunkte mehr als die Linke im Bundesdurchschnitt erzielte: 2009 kam die Partei auf 16,1 Prozent, 2009 gar auf 21,3 Prozent.

Hier finden Sie die aktuellen Umfragen zur Wahl im Saarland 2017.

„Er ist unersetzlich“

„Oskar Lafontaine setzt sich sehr wohl für die kleinen Leute ein, hat darüber hinaus eine Riesenerfahrung, die wenige Politiker haben - und kann auf die Leute zugehen“, lobt Parteimitglied Peter Meiser aus Lebach. Derzeit gebe es in der Partei keinen gleichwertigen Ersatz für Oskar. „Er ist unersetzlich.“ Deshalb kann Lafontaine auch seinen wichtigsten personellen Wunsch durchsetzen: Er will seinen Vertrauten Jochen Flackus (61) als Wirtschaftsexperten auf Platz zwei der Landesliste. Und was er will, bekommt er prompt.

„Im Grunde bewundern ihn alle hier. Auch viele aus anderen Parteien“, sagt Flackus, der in der Zeit, als Lafontaine SPD-Ministerpräsident im Saarland war, dessen Büro leitete. Er sei „ein glaubwürdiger Macher“. Und er ist äußerst bekannt: Schon lange vor Erfindung von Smartphone-Selfies zog Lafontaine nach Angaben des Fraktionssprechers mit Polaroid-Kamera durchs Land und verschenkte Sofortbild-Fotos, die ihn mit Bürgern zeigen. „Jeder zweite Saarländer hat schon ein Bild mit ihm gehabt“, sagt Sommer.

„Wir brauchen keine Schnarchkappen“

Wofür steht „Lafo“? „Klare Ansagen“, lautet am Samstag das Motto der Landesmitgliederversammlung. Und die kommen fürs kleine Saarland: Verhinderung der Übernahme von Saar-Firmen „durch Finanzhaie“, ein Stopp „der Zerstörung von Wäldern durch Windkraftanlagen“, Unternehmensbeteiligungen für Arbeitnehmer. „Wir brauchen eine Regierung, die die Ärmel hochkrempelt, und keine Schnarchkappen“, sagt Lafontaine.

Also Rot-Rot-Grün im heute scharz-roten regierten Saarland nach der Wahl am 26. März 2017? Für den Linke-Spitzenkandidaten wäre das eine Option. Laut Forsa-Umfrage hätte dieses Bündnis eine Mehrheit. Nach der Wahl werde die Linke, die 15 Prozent plus X anstrebt, mit der SPD sprechen. Und auch mit den Grünen, wenn diese die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, sagt Lafontaine der Deutschen Presse-Agentur.

Wäre so ein Bündnis ein Signal für die Bundestagswahl im Herbst 2017? „Ich halte es nicht für begründet, Zusammenarbeit auf Landesebene als übertragbar auf Bundesebene anzusehen, weil dort die großen Streitthemen sind.“ Die Außenpolitik zum Beispiel.

Aber ein wenig auf die Bundesebene blickt Lafontaine schon. Ohne die Linke „wäre die AfD deutlich stärker“, analysiert er etwa. Deshalb sei es so wichtig, dass es eine linke Partei im Bundestag gebe, die gegen „Sozialabbau“ vorgehe. Für solche Worte lieben ihn die Genossen. Sie klatschen - und hoffen wieder mal auf das „ordentliche Ergebnis“ bei der Saar-Wahl, das ihnen ihr „Oskar“ versprochen hat.

dpa

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