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Im Internet kursierten Listen von Firmen, die der Gülen-Bewegung nahe stehen und die von Erdogan-Anhängern gemieden werden sollen. Foto: Bernd Weißbrod

Erdogan-Anhänger fordern Boykott von Gülen-Sympathisanten

Der türkische Präsident Erdogan macht die Gülen-Bewegung für den gescheiterten Militärputsch verantwortlich. Seine Anhänger rufen zum Boykott gegen die Sympathisanten in Deutschland auf. Unternehmer sollen sogar Morddrohungen erhalten haben.

Berlin (dpa) - Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan machen Stimmung gegen Unternehmer in Deutschland, die der Gülen-Bewegung nahe stehen sollen. Im Internet kursierten Listen von Firmen, bei denen man nicht mehr einkaufen soll, berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit".

Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Seitdem wurden in der Türkei Zehntausende Menschen festgenommen oder von ihrem Dienst suspendiert. Gülen, nach einem schweren Zerwürfnis im Jahr 2013 einer von Erdogans Erzfeinden, bestritt die Vorwürfe und verurteilte die Putsch-Aktionen scharf.

Die Boykott-Listen werden laut "Zeit" in den sozialen Medien oder über Messaging-Dienste wie Whats-App geteilt. Betroffen seien unter anderem Bauunternehmer, Ärzte, Restaurantbesitzer, Gemüsehändler und Friseure. Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg berichteten der Zeitung, Morddrohungen erhalten zu haben. Ebenso seien sie auf offener Straße angeschrien oder als "Gülen-treue Vaterlandsverräter und Terroristen" bezeichnet worden.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärte, kursierende Listen dem DIHK bekannt. "Boykottaufrufe, die gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen, sind klar abzulehnen. Unternehmen können prüfen, inwieweit im Einzelfall wettbewerbsrechtliche und zivilrechtliche Ansprüche bestehen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der Deutschen Presse-Agentur.

"Wir fürchten, dass die Stimmungsmache gegen Gülen-Anhänger in Deutschland eskaliert", sagte der Vorsitzende der Gülen-nahen  Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun. Viele Deutsche türkischer Herkunft seien gerade im Sommerurlaub in der Türkei und bekämen dort die Propaganda Erdogans mit. "Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn einige voll mit Hass auf Gülen-Anhänger nach Deutschland zurückkehren." Er selbst habe auch schon Morddrohungen erhalten.

Die Menschen hätten Angst, sagte Önder Kurt, Generalsekretär des Bundesverbands der Unternehmervereinigungen, in dem viele Betriebe mit türkischen Wurzeln organisiert sind. Betroffene Firmen klagten über Umsatzverlust und dass sie von den Kunden gemieden würden.

Das Bekanntwerden der Boykott-Aufrufe sorgte in Baden-Württemberg für Wirbel bei den Politikern. "Sollte es zutreffen, dass aus der Türkei heraus dazu aufgerufen wird, bestimmte türkische Unternehmer in Deutschland zu boykottieren, müssen wir ein klares Stoppsignal setzen", erklärte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Rechtschaffenen Unternehmern zu schaden, um sie politisch zu disziplinieren, gehe nicht. "Es geht schon deshalb nicht, weil damit Arbeitsplätze in großer Zahl gefährdet werden."

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