+
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

Außenminister Cavusoglu äußert sich

"Einzige echte Anführerin Europas": Erdogan-Regierung lobt Merkel überschwänglich

Die Türkei bleibt auf Annäherungskurs: Präsident Erdogan will sich mit Kanzlerin Angela Merkel treffen, sobald es eine neue Regierung gibt. Auch zum Fall Yücel gibt es Neuigkeiten.

Antalya - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will Angaben seines Außenministers zufolge nach der Bildung einer neuen Bundesregierung persönlich mit Kanzlerin Angela Merkel zusammenkommen. Erdogan werde Merkel dann in die Türkei einladen oder womöglich selber nach Deutschland reisen, kündigte Außenminister Mevlüt Cavusoglu bei einem Treffen mit deutschen Journalisten am Mittwochabend in Antalya an. Die türkische Regierung bemüht sich um eine Normalisierung der belasteten Beziehungen zu Deutschland.

Erdogan habe zuletzt mehrfach mit Merkel und mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier telefoniert, sagte Cavusoglu. „Wir sollten den Dialog aufrecht erhalten.“ Der größte Streitpunkt in den Beziehungen ist der Fall des Welt-Korrespondenten Deniz Yücel, der seit fast elf Monaten ohne Anklage in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt - nach Überzeugung der Bundesregierung aus politischen Gründen.

Cavusoglu: Yücel „kein politisch motivierter Fall“

„Ich versichere Ihnen, Deniz Yücel ist kein politisch motivierter Fall“, sagte Cavusoglu. „Was ist mein Vorteil, wenn ich Deniz Yücel inhaftiere? Was werde ich im Gegenzug bekommen? Nichts. Es vergiftet unsere Beziehungen. Gefällt mir das? Nein. Aber ich kann nicht in die Justiz eingreifen, nur um dieses Problem loszuwerden.“ Er verwies erneut darauf, dass Yücel nicht als Journalist akkreditiert gewesen sei. „Sein Fall hat deswegen nichts mit Journalismus, nichts mit den türkisch-deutschen Beziehungen zu tun.“

Kritik an Nazi-Vergleichen aus Ankara an die Adresse Deutschlands wegen der Auftrittsverbote für türkische Regierungsvertreter im vergangenen Jahr wies Cavusoglu vehement zurück. „Sie haben Erdogan einen Diktator genannt, Sie haben Erdogan schwer beleidigt“, sagte Cavusoglu in dem Gespräch, das fast durchweg entspannt und in freundlicher Atmosphäre verlief. „Wenn Sie Erdogan und uns Diktator nennen, sollten Sie auch ähnliche Kritik von Erdogan erwarten.“

„Respektiere Frau Merkel sehr“

Der Minister äußerte sich zugleich anerkennend über die Bundeskanzlerin. „Ich respektiere Frau Merkel sehr“, sagte Cavusoglu. „In den vergangenen fünf, sechs Jahren ist sie die einzige echte Anführerin in Europa gewesen.“ Zu Forderungen nach einer Aufhebung des Ausnahmezustands in der Türkei, der kommende Woche zum sechsten Mal um drei Monate verlängert werden soll, sagte Cavusoglu: „Ich hoffe, dass wir ihn zum letzten Mal verlängern. Ich hoffe das ernsthaft.“ Das hänge aber von der Lage in drei Monaten ab.

Alle Neuigkeiten zu den GroKo-Verhandlungen finden Sie in unserem News-Ticker

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

CIA sieht saudischen Kronprinz hinter Tod Khashoggis
Die Hinweise auf die Beteiligung des saudischen Kronprinzen an der Tötung des Journalisten Khashoggi sind vielfältig. Nun kommt auch die CIA zum Schluss, dass Mohammed …
CIA sieht saudischen Kronprinz hinter Tod Khashoggis
Proteste und Straßenblockaden wegen hoher Spritpreise eskalieren: Eine Tote und 220 Verletzte in Frankreich
Bei Protesten und Straßenblockaden wegen zu hoher Spritpreise ist die Lage in Frankreich am Samstag eskaliert. Mehr als 220 Personen wurden verletzt, eine Frau kam ums …
Proteste und Straßenblockaden wegen hoher Spritpreise eskalieren: Eine Tote und 220 Verletzte in Frankreich
Sachsen-Anhalts CDU lehnt UN-Migrationspakt ab
Seegebiet Mansfelder Land (dpa) - Sachsen-Anhalts CDU hat sich auf einem Parteitag gegen den viel diskutierten UN-Migrationspakt gestellt. Eine Mehrheit der Delegierten …
Sachsen-Anhalts CDU lehnt UN-Migrationspakt ab
Gegen "Untätigkeit" der Regierung: Mehr als 6.000 Demonstranten legen Brücken in London lahm
Gegen die „Untätigkeit“ der Regierung demonstrierten Klimaschützer am Samstag in London. Sie blockierten dabei die Brücken der Stadt. 
Gegen "Untätigkeit" der Regierung: Mehr als 6.000 Demonstranten legen Brücken in London lahm

Kommentare