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Erdogan plant neues Megaprojekt: „Ob ihr wollt oder nicht ...“

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Von: Markus Hofstetter

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Blick über den Stausee auf den Sazlidere-Damm im Norden von Istanbul. Hier soll einmal der Istanbul Kanal vom Marmarameer zum Schwarzen Meer fließen
Hier soll einmal der Istanbul Kanal fließen © Mirjam Schmitt/dpa/picture alliance

Recep Tayyip Erdogan plant ein gigantisches Bauvorhaben. Ein Kanal soll das Schwarze Meer und das Marmarameer verbinden. Kritiker warnen vor einer erhöhten Erdbebengefahr.

Istanbul/Ankara - Recep Tayyip Erdogan ist Freund gigantischer Bauprojekte. Dazu zählen in und um Istanbul ein neuer Flughafen und die größte Moschee der Türkei, die 63.000 Gläubigen Platz bietet. In Ankara baute sich Erdogan einen riesigen Präsidentenpalast.

Nun soll mit dem „Kanal Istanbul“ ein weiteres Großprojekt hinzukommen. Die geplante Wasserstraße zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer soll westlich des Bosporus verlaufen. Sie würde den europäischen Teil von Istanbul zu einer Insel machen. Der Beginn der Bauarbeiten ist in den kommenden Monaten geplant. „So Gott will, werden wir in den Sommermonaten den Grundstein legen“, so Erdogan. Die Ausschreibung werde „sehr bald“ erfolgen. „Ob ihr wollt oder nicht, wir werden mit dem Kanal Istanbul beginnen, ihn bauen und in den Dienst unseres Volkes stellen.“ An beiden Seiten des Kanals werde ein Stadtgebiet für insgesamt 500.000 Menschen entstehen, sagte Erdogan.

Erdogan baut neue Wasserstraße: länger und schmäler als der Bosporus

Die neue Wasserstraße soll 45 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle 275 Meter breit werden. Die Tiefe soll 21 Meter betragen. Sie ist damit länger und schmaler als der Bosporus, der rund 30 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle 700 Meter breit ist. Laut Tagesspiegel müssten bei einer Bauzeit von mindestens sieben Jahren 1,2 Milliarden Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Das Vorhaben soll Zehntausende Arbeitsplätze und kräftige Einnahmen aus den Durchfahrtgebühren von Frachtern und Tankern sichern.

Nach Ansicht von Erdogan wird der der elf Milliarden Euro teure „Kanal Istanbul“ benötigt, um den Bosporus zu entlasten. Der Schiffsverkehr dort nehme kontinuierlich zu. Nach einer Statistik der Direktion für Küstensicherheit, so schreibt der Tagesspiegel, nimmt die Anzahl der Schiffe seit einigen Jahren ab, Größe und Gewicht der Schiffe nehmen aber zu. Außerdem werde, so der türkische Präsident weiter, die Gefahr eines schweren Schiffsunglücks auf dem Bosporus und damit mitten in der Millionenstadt gebannt.

Schiffsunfall am Bosporus im April 2018
Auf dem Bosporus kommt es immer wieder zu Unfällen. Hier ist am 7. April 2018 ein Frachtschiff in eine Gebäudefront am Ufer gekracht. © Uncredited/dpa/picture alliance

Erdogan baut neue Wasserstraße: Kritiker sehen erhöhte Erdbebengefahr  

Doch der Widerstand gegen das Projekt ist groß. Experten warnen vor irreparablen Schäden am Ökosystem rund um die Millionenmetropole und davor, dass Trinkwasserressourcen gefährdet würden. Manche befürchten auch, die Gefahr eines Erdbebens könne in dem ohnehin stark gefährdeten Gebiet weiter erhöht werden.

Auch finanziell soll der „Kanal Istanbul“ sich nicht rechnen. Weil Handelsschiffe nach geltendem Recht kostenlos den Bosporus benutzen dürfen, würde wohl kaum eine Reederei für die Durchfahrt für den neuen Kanal viel Geld bezahlen, sagt Bürgermeister Ekrem Imamoglu. (mhof)

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