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Streit um Schweden und Finnland: Erdogan treibt wieder Spielchen – daheim explodiert die Inflation

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Von: Mike Schier

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Foto-Montage für Kommentar: Recep Tayyip Erdogan und Mike Schier
Mike Schier kommentiert © AFP/Marcus Schlaf

Schweden und Finnland wollen in die Nato - und der türkische Präsident ist dagegen. Wahrscheinlich will er sein Ja nur teuer verkaufen, kommentiert Mike Schier.

München - Es war etliche Wochen erstaunlich ruhig um Recep Tayyip Erdogan. So ruhig, dass man fast glauben konnte, der türkische Präsident hätte sich darauf besonnen, in welchem Bündnis- und, nun ja, Wertesystem er sich eher zuhause fühlt. Schließlich könnte auch ihm die russische Aggression über das Schwarze Meer oder mehr noch bei seinen Interessen in Syrien Probleme bereiten. Jetzt aber treibt er in der Debatte um den Nato-Beitritt von Schweden und Finnland wieder seine Spielchen.

Türkei im Nato-Streit um Schweden und Finnland: Erdogan will Zusage teuer verkaufen

Vermutlich ist es nicht ganz falsch, wenn Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn Erdogan „Basar-Mentalität“ vorwirft. Es wäre nicht neu, wenn dieser versucht, Nato- und russische Interessen gegeneinander auszuspielen. Wahrscheinlicher ist, dass der Türke sein „Ja“ letztlich nur teuer verkaufen will. In Nordeuropa klopft man ihm in Menschenrechtsfragen besonders gern auf die Finger. Schweden verhängte 2019 sogar ein Waffenembargo. Der Präsident könnte also Zusagen verlangen, übrigens auch vom distanzierten US-Präsidenten Joe Biden.

Nato-Streit aus anderen Gründen? Inflation in der Türkei bringt Erdogan in die Defensive

Was man aber nicht vergessen sollte: Erdogans Außenpolitik ist nie ohne den Kontext der Innenpolitik zu sehen. Die astronomische Inflation von offiziell fast 70 Prozent und der wachsende Ärger über syrische Flüchtlinge haben den Präsidenten in die Defensive gebracht. Und die nächste Wahl rückt näher. Zoff mit dem Westen hat die Reihen daheim schon immer geschlossen – am besten, wenn am Ende ein paar Zugeständnisse stehen.

Mike Schier

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