Fahnenschwenken für den Präsidenten: An die 250 Unterstützer feierten am Siegestor Erdogans Wiederwahl. 

Sie riefen „unser Führer“ 

Erdogans Wahlsieg: Deutschtürken feiern am Siegestor in München

Die Türken haben am Sonntag ihren neuen alten Präsidenten gewählt: Mit dem Wahlsieg von Recep Erdogan geht ein Rechtsruck durch die Türkei. Auch in München stimmten viele Deutschtürken für den Autokraten. Kritiker sind besorgt.

München - Das amtliche Ergebnis stand noch nicht fest, als sich am Sonntagabend gegen Viertel vor zehn ein hupender Autokorso von Neuperlach Richtung Innenstadt in Bewegung setzte. An Bord: hunderte Erdogan-Anhänger im Freudentaumel. „In der Spitze feierten am Siegestor ungefähr 250 Personen.

Rund um das Siegestor war die Leopoldstraße dicht“, sagt ein Polizeisprecher auf Anfrage des Münchner Merkurs. Mit lautem Jubel („Unser Führer“), Hupen und Fahnen feierten die Deutschtürken die Wiederwahl des türkischen Staatspräsidenten. Die Polizei bekam die Situation dem Sprecher zufolge aber schnell in den Griff und brachte die Feiernden von der Straße, damit der Verkehr wieder floss.

Erdogan höhere Zustimmung in Deutschland als in der Türkei

Wie viele der rund 115 000 wahlberechtigten Türken in der Bayerischen Landeshauptstadt gewählt haben, ließ das Türkische Generalkonsulat in München auf Anfrage offen. Es teilte mit, es habe „eine hohe Wahlbeteiligung“ gegeben, wonach „die Berechtigten ihr demokratisches Recht genutzt haben“. Fakt ist: In Deutschland erzielte der neue und alte Präsident mit 65 Prozent eine höhere Zustimmung als in der Türkei. Dort erhielt der Autokrat laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu 52,5 Prozent. In Deutschland haben sich rund 717 000 Deutsch-Türken (49,7 Prozent) an der Wahl beteiligt. Darunter auch viele in München lebende Türken.

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Ein Ergebnis, das Grünen-Stadträtin Gülseren Demirel erschreckt: „Ich muss zugeben, dass ich schon relativ viele Hoffnungen hatte, dass die sozialdemokratischen Oppositionsparteien das Rennen machen. Aber trotz der Manipulationsvorwürfe haben Erdogan und die AKP sowie die rechtsextreme MHP gesiegt. Heute war der Tag, sich für Demokratie oder Unterdrückung, gegen den Ein-Mann-Staat zu entscheiden. Das Ergebnis ist enttäuschend.“ Und gefährlich, sagt sie: „Die Türkei ist ja nicht weit weg. Dieser Rechtsruck betrifft uns immer mehr.“ Auch Demirels Stadtratskollege Cumali Naz (SPD) ist enttäuscht. „Vor allem der sozialdemokratische Kandidat Muharrem Ínce hat gezeigt, dass ein Wechsel möglich ist. Sein gutes persönliches Ergebnis stimmt mich für die nächsten Jahre sehr optimistisch.“

Oppositionskandidat Ínce von der sozialdemokratischen Partei CHP ist auch für viele Deutschtürken in München ein Hoffnungsträger – öffentlich sagen wollen das aber viele nicht. Als er sich einmal in der Zeitung zur CHP bekannt habe, seien viele seiner Gäste sauer gewesene, wären sogar nicht mehr gekommen, erzählt der Inhaber einer Döner-Bude am Hauptbahnhof. Ähnlich sprechen die Mitarbeiter eines Reisebüros. Weniger Angst hat Imirze Göl, Gastronom aus Haidhausen („Letoon“). Im Gegenteil: Als Vorstandsmitglied der CHP Bayern warnt er eindringlich vor Erdogan und der AKP. Das Wahlergebnis – aus seiner Sicht ganz sicher manipuliert. „Die haben schon immer die Ergebnisse gefälscht. Er hat alles unter Kontrolle – die Polizei, Presse, Verwaltung. Es ist eine undemokratische Wahl.“

Daniela Schmitt 

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