„Erheblicher Unmut“

Katholische Kirche brüskiert Landtag

München - Die katholische Kirche hat den Landtag brüskiert. Alle vier Landtagsfraktionen ärgerten sich am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss über das Fernbleiben des Münchner Generalvikars Peter Beer.

Der Wissenschaftsausschuss im Landtag und die katholische Kirche sind sich über eine gescheiterte Einladung in die Haare geraten. Alle vier Fraktionen ärgerten sich am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss über das Fernbleiben des Münchner Generalvikars Peter Beer. Der Kleriker sollte zu einer Diskussion über die Zukunft der Katholischen Universität Eichstätt kommen.

Doch weder erschien der Generalvikar, noch schickte er einen Vertreter. Die Abgeordneten waren deswegen so verärgert, dass sie das Verhalten des Geistlichen anschließend rügten. „Ich glaube, wir können protokollieren, dass in den Fraktionen erheblicher Unmut da ist“, sagte der Ausschussvorsitzende Michael Piazolo (Freie Wähler). Alle vier Fraktionen stimmten zu.

„Das ist ein Affront“, sagte Landtags-Vizepräsidentin Ulrike Gote über das Fehlen eines Kirchenvertreters. Die Grünen-Politikerin denkt bereits laut darüber nach, die Uni in staatliche Obhut zu übernehmen. Das lehnte das Kultusministerium ab.

„Ich bin richtig sauer“, sagte auch die SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias. Eigentlich wollten die Abgeordneten mit dem Generalvikar, einem Vertreter des Kultusministeriums und dem Universitätskanzler Thomas Kleinert über die Zukunft der kirchlichen Hochschule sprechen.

Auch das Wissenschaftsministerium ist nicht erfreut: „Einer Einladung des Hochschulausschusses zur Beratung über eine Hochschule, deren Betriebskosten zu etwa zwei Dritteln vom Freistaat finanziert werden, hat der Träger dieser Hochschule Folge zu leisten“, erklärte ein Sprecher von Ressortchef Ludwig Spaenle (CSU).

Die Kirche verteidigte sich: „Die Einladung ist zu kurzfristig gekommen“, sagte ein Sprecher der Erzdiözese. Die Abgeordneten hätten am 25. März Kardinal Reinhard Marx eingeladen - eine Woche vor dem Termin. Marx sei aber diese Woche in Rom und habe die Einladung dem Generalvikar übermittelt.

Dessen Büro habe dann am 27. März mitgeteilt, dass eine Teilnahme des Generalvikars aus terminlichen Gründen nicht möglich sei. „Selbstverständlich ist die Kirche gesprächsbereit“, betonte der Sprecher. Generalvikar Beer habe dem früheren Ausschussvorsitzenden Oliver Jörg (CSU) von sich aus schon im März 2013 ein Gespräch angeboten. „Damals haben wir nix gehört.“

Weil der Generalvikar nicht kam, nahm der Ausschuss die Diskussion von der Tagesordnung. Kanzler Kleinert musste unverrichteter Dinge wieder abreisen. Er bedauerte anschließend, dass er keine Gelegenheit bekam, seine Uni zu präsentieren: „Ich bin überzeugt, es wäre uns gelungen, dem Ausschuss zu vermitteln, dass es keinen Grund zur Sorge um unsere katholische Universität gibt.“

dpa

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