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Erika Steinbach tritt nicht mehr für das Präsidenten-Amt beim Bund der Vertriebenen an.

Zäsur beim Bund der Vertriebenen

Steinbach tritt nicht mehr an: So reagiert Polen 

Berlin/Warschau - Erika Steinbach will nicht mehr für das Präsidenten-Amt beim Bund der Vertriebenen kandidieren. In Polen hat der Rückzug ein starkes Medienecho ausgelöst.

Die langjährige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, tritt nicht für eine weitere Amtszeit an. „Meine sechzehn Jahre an der Spitze des BdV waren eine wunderbare Herausforderung und lohnende Aufgabe“, heißt es in einer Erklärung der 70-Jährigen, die der Verband am Sonntag veröffentlicht hat. „Jetzt ist es an der Zeit, das Amt in andere Hände für neue Herausforderungen zu legen!“ Bei den Neuwahlen des Präsidiums im November werde sie deshalb nicht mehr kandidieren.

Steinbach, die in Rahmel (heute Rumia) nördlich von Danzig im damals von deutschen Truppen besetzten Polen geboren wurde, steht seit 1998 an der Spitze des BdV. Ihre Forderungen nach einem Ausgleich für das Unrecht der Vertreibung stießen in Polen und Tschechien auf massive Kritik. 2004 zeigte sie sich kompromissbereit und war zum Verzicht auf materielle Entschädigung deutscher Heimatvertriebener bereit. Seit 1990 ist Steinbach für die CDU im Bundestag.

Sie gebe das Amt „mit gutem Gewissen“ ab, sagte Steinbach der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag). Gegen alle Widerstände sei es durch die Gründung der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ gelungen, „dass heute eine Gedenkeinrichtung des Bundes, in der das Schicksal der deutschen Vertriebenen in die nächsten Generationen vermittelt wird, in Berlin im Aufbau ist“.

Der BdV versteht sich als Interessenvertretung der als Folge des Zweiten Weltkrieges vertriebenen Deutschen und ihrer Nachkommen. In ihm sind Vertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler organisiert.

Polnischer Historiker: "Dieser Tag musste kommen"

Der Rückzug Steinbachs hat in Polen ein starkes Medienecho ausgelöst. „Dieser Tag musste kommen“, schrieb Krzysztof Ruchniewicz, polnischer Historiker und Leiter des Willy-Brandt-Instituts der Universität Breslau (Wroclaw), in seinem Blog. „Für Warschau kann das eine gute Nachricht sein.“ Mit Steinbach scheide eine Person aus dem Amt, „die in der Vergangenheit starke und ausschließlich negative Gefühle in den deutsch-polnischen Beziehungen ausgelöst hat.“

„Sie nutzte selbst den Abschied aus dem Amt, um über die Polen zu klagen“, schrieb die linksliberale „Gazeta Wyborcza“ am Montag. „Sie rief Stürme (der Empörung) in Polen und Tschechien hervor. Erika Steinbach tritt ab“, hieß es bei der Rundfunknachrichtenagentur IAR.

„Endlich! Erika Steinbach wird nicht mehr die Chefin des Vertriebenenverbands sein“, kommentierte das nationalkonservative Webportal Wpolityce.pl. „Aus polnischer Perspektive ist das ein Grund zur Freude.“

In Polen gehörte die Vertriebenenchefin jahrelang zu den bekanntesten und umstrittensten deutschen Politikerinnen; in manchen Medien wurde sie regelrecht dämonisiert. Ihre Forderung nach einem Zentrum gegen Vertreibungen wurde als Versuch gewertet, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges neu zu bewerten und auf eine Entlastung deutscher Schuld hin zu arbeiten, indem die Deutschen in der Opferrolle gezeigt wurden.

„Dieses Ziel erreichte Steinbach nicht - dank Angela Merkel“, bilanzierte die „Gazeta Wyborcza“. „Die Kanzlerin entschied, dass der Staat und nicht der Verband der Vertriebenen gedenkt und Steinbach zu kontrovers ist, um im Aufsichtsrat zu sitzen. Statt dessen sitzen zwei polnische Historiker im wissenschaftlichen Beirat. Kurz nachdem diese Entscheidung 2010 fiel, erlosch ihr (Steinbachs) Stern.“

dpa

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