+
Überlebende bei der Erinnerung an den 71. Jahrestag des Warschauer Aufstands. Foto: Bartlomiej Zborowski

Polen gedenkt des Warschauer Aufstands

Sirenenklänge und Schweigeminuten: In Warschau und vielen Städten Polens ist an den Beginn des Warschauer Aufstands vor 71 Jahren erinnert worden. Selbst auf dem größten Open Air-Festival des Landes verharrten Hunderttausende schweigend.

Warschau (dpa) - Mit Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen haben die Menschen in Polen am Samstag an den Beginn des Warschauer Aufstands gegen die deutsche Besatzung vor 71 Jahren erinnert.

Um 17.00 Uhr - der Stunde der ersten Kämpfe des Aufstands - schrillten in ganz Warschau die Sirenen. Tausende Menschen standen schweigend auf Plätzen und großen Verkehrskreuzungen der polnischen Hauptstadt sowie vor den Gräbern und Denkmälern der Aufständischen. Busse und Straßenbahnen unterbrachen die Fahrt. Auf dem Open Air-Festival "Przystanek Woodstock" im westpolnischen Kostrzyn wurde vor mehr als 500 000 Besuchern das Bühnenprogramm unterbrochen. Jugendliche verharrten minutenlang schweigend.

Die Untergrundkämpfer hätten auch den heutigen Polen eine "Lektion über das Leben" gegeben, sagte Parlamentspräsidentin Malgorzata Kidawa-Blonska bei einer Gedenkveranstaltung in Warschau. Freiheit und Demokratie seien nicht selbstverständlich, man müsse "bereit sein, sich zu ihrer Verteidigung zu erheben", sagte sie. Regierungschefin Ewa Kopacz erklärte, die Aufständischen hätten gezeigt, "dass der Kampf um Freiheit wichtiger ist als das Leben".

Im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erinnerte Gedenkstättenleiter Piotr Cywinski an die etwa 13 000 Warschauer, die nach dem Aufstand nach Auschwitz deportiert wurden. "Der Aufstand war auch die Hölle für zehntausende Familien", sagte er.

Der Aufstand der im Untergrund aktiven "Heimatarmee" scheiterte im Oktober 1944 tragisch. Mehr als 180 000 Menschen kamen ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten. Während der Kämpfe verübten die Deutschen Massaker an der Zivilbevölkerung; nach der blutigen Niederschlagung wurde Warschau systematisch zerstört. Die Rote Armee, die bereits die Stadtteile am östlichen Weichselufer erreicht hatte, griff nicht ein.

Die Bewertung des Aufstands spaltet Polen bis heute: Für die einen ist er Ausdruck von Heldentum, für die anderen sinnloses Blutvergießen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erbschaften und Schenkungen erreichen wieder Höchststand
In Deutschland haben Erbschaften und Schenkungen wieder einen Höchststand erreicht. Von den Finanzämtern wurden 2016 Vermögensübertragungen in Höhe von 108,8 Milliarden …
Erbschaften und Schenkungen erreichen wieder Höchststand
Terror in Spanien: Attentäter mit Verbindungen ins Ausland
Die spanischen Sicherheitsbehörden versuchen, den Anschlägen von vergangener Woche auf den Grund zu gehen. Vieles deutet darauf hin, dass die Terroristen enge …
Terror in Spanien: Attentäter mit Verbindungen ins Ausland
Mindestens 30 Zivilisten sterben bei Luftangriffen im Jemen
Sanaa (dpa) - Bei Luftangriffen der von Saudi-Arabien geführten Koalition sind im Jemen nach Angaben von Rebellen mindestens 30 Menschen getötet worden.
Mindestens 30 Zivilisten sterben bei Luftangriffen im Jemen
Kanadischer Richter muss sich wegen Trump-Kappe verantworten
In Ontario hat am Mittwoch ein Disziplinarverfahren gegen einen Richter begonnen, der am Tag nach dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump mit einer "Make America …
Kanadischer Richter muss sich wegen Trump-Kappe verantworten

Kommentare