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Linke-Fraktionschef Gregor Gysi.

Linke-Spitze vorbereitet

Erklärt Gysi am Sonntag seinen Rückzug?

Berlin - Am Wochenende wird Linke-Fraktionschef Gregor Gysi wohl erklären, ob er für eine Neuwahl zur Verfügung steht. Die Partei-Spitze ist auch auf seinen möglichen Rückzug vorbereitet.

Gregor Gysi macht es spannend: Auf dem Linken-Parteitag am Wochenende in Bielefeld will der dienstältetste Spitzenpolitiker der Republik das Geheimnis lüften, ob er weitermacht oder nicht. Von einem möglichen Abgang im Herbst ist die Rede, wenn die Wahl eines neuen Fraktionsvorstandes ansteht.

"Wir sind auf die verschiedenen Szenarien eingestellt", sagte Parteichefin Katja Kipping der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch in Berlin. Für den Fall, dass die Nachfolge des langjährigen Fraktionschefs geregelt werden müsse, sei im geschäftsführenden Parteivorstand ein Zeitplan erstellt worden.

Sollte es zum Wechsel an der Fraktionsspitze kommen, werde die Führung in Absprache mit dem geschäftsführenden Parteivorstand einen Vorschlag unterbreiten, fügte der Ko-Vorsitzende Bernd Riexinger hinzu.

Der 67-Jährige, der seit 1990 für seine Partei im Bundestag sitzt, lässt sich nicht in die Karten schauen. Vieldeutig fabuliert er darüber, dass er sich selbst manchmal frage, "wie lange ich das eigentlich noch machen will". Doch zugleich ist er voll des Lobes für die Fraktion, die ihn in der Vergangenheit alles andere als pfleglich behandelt hat. Insbesondere zwischen den Abgeordneten aus Ost und West liegt ein tiefer Graben, worunter Gysi immer wieder zu leiden hatte. "Im Moment behandeln mich alle in der Fraktion so anständig, wie ich das bisher noch nicht erlebt habe", berichtet er vergnügt. Und gerne redet er ein mögliches rot-rot-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl 2017 herbei - das sich kaum jemand ohne ihn vorstellen kann.

Das könnten Gysis Nachfolger werden

Zwar gibt es in der Fraktion durchaus geeignetes Personal für den Spitzenjob. Die Abgeordnete Martina Renner etwa hat sich im NSA-Untersuchungsausschuss einen Namen gemacht, der Rüstungsexperte Jan van Aken wäre ein wortgewandter Ko-Vorsitzender. Und dann ist da noch Sahra Wagenknecht: Die bekannteste Repräsentantin des linken Parteiflügels hat zwar vor einigen Monaten Abstand von einer Kandidatur genommen. Doch sie könnte ihre Entscheidung revidieren - und gemeinsam mit dem "Realo" Dietmar Bartsch die Doppelspitze bilden.

Alle Beteiligten wissen allerdings auch, dass ein Abgang von Gregor Gysi schon einmal schlecht ausgegangen ist für die Partei. Es war im Jahr 2000, als er mitten in der Legislaturperiode den Fraktionsvorsitz der damaligen PDS niederlegte. Zwei Jahre später flog die Partei in hohem Bogen aus dem Bundestag, nur zwei direkt gewählte Abgeordnete aus Berlin blieben ihr.

Zwar muss sich das keineswegs wiederholen, schließlich ist die Linke inzwischen stärker gesamtdeutsch aufgestellt als im Jahre 2002. Doch die reformorientierten Ostdeutschen und die Radikaleren aus dem Westen sind noch immer zerstritten - und es muss sich erst noch zeigen, ob der Laden ohne Gysi nicht vollends auseinanderfliegt.

Auch darum geht es am Wochenende bei den Linken

Streit dürfte es auch auf dem Bielefelder Parteitag geben, etwa wenn am Samstag über das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens debattiert wird. Das Konzept, das eine Existenzsicherung für jeden auch ohne Arbeit vorsieht, befürwortet insbesondere Kipping, während es bei vielen gewerkschaftlich orientierten Mitgliedern auf Ablehnung stößt. Die parteiinterne Diskussion darüber soll in Bielefeld angestoßen werden. Auch in einem solchen Streit könnte Gregor Gysi vermitteln.

Und seine Parteifreunde dürfen noch hoffen, dass er an Bord bleibt. Dem Berliner "Tagesspiegel" verriet Gysi kürzlich: "Ich höre spätestens mit 90 auf." Bis dahin sind es noch über 20 Jahre.

afp

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