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Der Ermittlungsrichter, der Carsten S. vernommen hat, soll im NSU-Prozess aussagen.

NSU-Prozess

Mutmaßlicher Terrorhelfer nennt V-Mann Lügner

München - Im NSU-Prozess ist ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs als Zeuge geladen. Er hatte Carsten S. vernommen.

Im NSU-Prozess sagte am Dienstag ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs als Zeuge aus. Er hatte im Jahr 2012 den wegen Beihilfe mitbeschuldigten Carsten S. vernommen und den Haftbefehl gegen ihn ausgestellt.

Sch. habe „freimütig“ zugegeben, konspirativ Kontakt zu dem Trio gehalten und die mutmaßliche Tatwaffe vom Typ „Ceska“ nach Chemnitz zu Mundlos und Böhnhardt gebracht zu haben, berichtete der Zeuge.

Mutmaßlicher NSU-Helfer wirft V-Mann Lüge vor

Das Gericht hat außerdem erneut einen der mutmaßlichen Helfer aus der Chemnitzer Neonazi-Szene als Zeugen gehört. Der Mann warf dem V-Mann "Piatto", der vorübergehend bei dem Ehepaar angestellt war, Lüge vor. Der V-Mann habe ihn zu Unrecht als Mitglied der rechtsradikalen Organisation „Blood & Honour“ bezeichnet, sagte er am Dienstag aus.

Der habe er aber nie angehört. Er habe lediglich ein Geschäft betrieben, in dem er Musik und Kleidung für die Szene verkauft habe. Bei seiner Vernehmung ging es um die Zeit nach 1998, als das NSU-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Chemnitz untergetaucht war. Zwei Jahre später haben Böhnhardt und Mundlos laut Anklage das erste ihrer insgesamt zehn Mordopfer erschossen.

Andere Mitglieder der Chemnitzer „Blood & Honour“-Sektion hatten bereits eingeräumt, das Trio in ihren Wohnungen versteckt zu haben. Die damalige Ehefrau des Zeugen hatte ausgesagt, dass sie zu den Gründern von „Blood & Honour“ gehörte. Auf die Frage an ihren Ex-Mann, was er davon mitbekommen habe, antwortete er widersprüchlich. Einmal sagte er, sie sei lediglich ein weibliches Maskottchen in einer „Männerorganisation“ gewesen, so, wie sich „jede Anwaltskanzlei mit 'ner schönen Vorzimmerdame schmückt“. Später sagte er, seine Ex-Frau habe seine Fragen nach „Blood & Honour“ „abgeblockt“ und er habe auch „nicht alles wissen wollen“.

Zeuge bestreitet, NSU-Mitglieder gekannt zu haben

Die Mitglieder des NSU-Trios und die im NSU-Prozess mitangeklagten mutmaßlichen Helfer habe er durchweg nicht gekannt, sagte er weiter. Ähnlich hatte sich auch seine Ex-Frau in ihrer Vernehmung vor dem Münchner Gericht geäußert. Auf einen Aktenvorhalt, demzufolge einer der Angeklagten, André E., Partner im Geschäft ihres Mannes werden sollte, hatte sie mit einem Fluch reagiert und dann eingeräumt, dass womöglich doch ein Kontakt zu ihm bestand. Das bestritt ihr Mann jetzt mit den Worten, seine Ex-Frau habe nur „Halbwissen“ verbreitet.

V-Mann „Piatto“ hatte seiner Behörde berichtet, das Chemnitzer Ehepaar habe eine zentrale Rolle bei der Unterstützung des Trios gespielt und sei daran beteiligt gewesen, Geld und einen Pass „für das weibliche Mitglied“ zu organisieren. Ein anderer Anführer der Gruppe habe außerdem den Auftrag gehabt, Waffen zu beschaffen.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ zehn Morde vor, von denen neun aus rassistischen Motiven und jedesmal mit der „Ceska“ begangen worden sein sollen. Außerdem soll die Gruppe zwei Sprengstoffanschläge verübt haben.

dpa

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