„Erdogans Spitzel-Imame“

Bericht: Ermittlungen gegen 20 mutmaßliche türkische Spione

Berlin - Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind angespannt. Dies dürfte sich in nächster Zeit nicht ändern, denn nun wird gegen mutmaßliche türkische Spione ermittelt.

In Deutschland laufen einem Zeitungsbericht zufolge Ermittlungsverfahren gegen 20 mutmaßliche türkische Spione. "Derzeit wird gegen insgesamt 20 Beschuldigte sowie gegen unbekannt wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit im Auftrag der türkischen Regierung ermittelt, soweit es um die Ausspähung von Anhängern der Gülen-Bewegung geht", zitiert die Welt (Donnerstagsausgabe) aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen.

"Das rechtsstaatlich völlig inakzeptabel laxe Vorgehen gegen Ditib wegen Spionage hat dazu geführt, dass sich Erdogans Spitzel-Imame in die Türkei absetzen und sich der Strafverfolgung entziehen konnten", sagte Dagdelen dem Blatt. Die Türkisch-Islamische Union (Ditib) ist der größte islamische Verband in Deutschland. Mehreren Imamen von Ditib-Moscheen wird vorgeworfen, im Auftrag der türkischen Regierung in Deutschland mutmaßliche Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdogan ausspioniert zu haben.

Imame aus der Türkei predigen deutschlandweit in 800 Moscheen 

Erdogan macht die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den gescheiterten Militärputsch vom vergangenen Juli verantwortlich.

Laut der Antwort der Bundesregierung wurden im vergangenen Jahr für Islamprediger der Ditib insgesamt 345 Visa ausgestellt, 2015 waren es noch 240 Visa, im Jahr zuvor 200. Im Vergleich zum Jahr 2011 habe sich die Anzahl der Visa sogar mehr als verdoppelt: Damals sei 160 Visa-Gesuchen stattgegeben worden.

Die aus der Türkei entsandten Imame predigen in den etwa 800 Moscheen, die der Dachverband in Deutschland betreibt. Die meisten von ihnen bleiben fünf Jahre. Ditib äußerte sich auf eine Anfrage der "Welt" nicht zu der personellen Aufstockung.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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