Nach mysteriösem Leichenfund

Agenten-Krimi: Großbritannien untersucht frühere Todesfälle 

Großbritannien lässt etwa 14 Todesfälle in Großbritannien mit einer möglichen Verbindung nach Russland erneut untersuchen.

Update 19.27 Uhr

Das kündigte Innenministerin Amber Rudd am Dienstag in London an. Die Todesfälle reichen teils mehr als zehn Jahre zurück. Darunter sind auch prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, etwa der Oligarch Boris Beresowski.

Ein Vertrauter Beresowskis, der Geschäftsmann Nikolai Gluschkow, wurde jetzt tot in seinem Haus in London entdeckt. Die Todesursache war am Dienstag noch unklar. Die Anti-Terror-Polizei übernahm aber vorsichtshalber die Ermittlungen. Unter anderem hatte Gluschkow für die russischen Großkonzerne Avtovaz und Aeroflot gearbeitet. 2004 war er zu drei Jahren und drei Monaten Haft nach Vorwürfen von Betrug und Geldwäsche verurteilt worden. 2010 erhielt er in Großbritannien Asyl.

Im Fall Gluschkow sieht die Polizei aber derzeit keine Verbindung zu dem Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter. Die beiden waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich nach britischen Angaben in einem kritischen Zustand. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden.

Erneut russischer Exilant tot in London aufgefunden

London - Die britische Anti-Terror-Polizei leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung zu dem neuerlichen Todesfall ein. Britische Medien gaben den Namen des Toten mit Nikolai Gluschkow an.

Erst in der vergangenen Woche war in Großbritannien ein Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal verübt worden. Für die Tat macht die britische Regierung Russland verantwortlich.

„Keine Hinweise auf Salisbury-Verbindung“

Die russische Zeitung "Kommersant" berichtete, der Leichnam weise "Strangulierungs-Spuren" auf. Dies hätten Familienangehörige von Gluschkow mitgeteilt. Es sei "noch nicht klar, ob es sich um einen Mord oder Selbstmord handelt".

Ein Sprecher der britischen Anti-Terror-Polizei sagte, eine Untersuchung sei eingeleitet worden "wegen der Verbindungen, die der Mann gehabt haben soll". Zur Todesursache wollte er sich nicht äußern, der Fall werde als "ungeklärt" eingestuft. Der Sprecher betonte, es gebe "keine Hinweise auf eine Verbindung zu dem Vorfall in Salisbury".

Beresowskis Ableben weiter ungeklärt

Gluschkow soll Berichten zufolge früher für den Kreml-Kritiker Beresowski gearbeitet haben, der vor fünf Jahren in seinem Haus nahe London aufgefunden worden war - ebenfalls stranguliert. Ein Fremdverschulden an seinem Tod hatte die Polizei damals nicht nachweisen können.

afp

Rubriklistenbild: © dpa / Monika Skolimowska

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