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Erneut Wirbel um Schwulen-Demo

- Warschau - Nach gewaltsamen Ausschreitungen gegen eine Homosexuellen-Parade in Moskau sorgt eine Schwulen-Demonstration in Warschau erneut für Wirbel. Der polnische Bildungsminister Giertych forderte die Regierung auf, den für heute geplanten Zug durch die Warschauer Innenstadt abzusagen. Die Behörden müssten das "obszöne Verhalten" unterbinden. Die Organisatoren der "Gleichheitsparade ("Parada Równosci") haben Politiker aus ganz Europa mobilisiert.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth und Parteikollege Volker Beck nehmen teil. Erst am letzten Mai-Wochenende hatten bei einer Schwulendemo in Moskau russische Rechtsradikale auf Beck eingeprügelt. Der Bundestagsabgeordnete holte sich eine Platzwunde am Kopf, die Täter entkamen. Dass Beck nun in Warschau ein ähnliches Schicksal ereilen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Laut polnischen Medienberichten hatten die Organisatoren der "Gleichheitsparade" bereits am 2. Juni die Polizei - öffentlich - um "verschärfte Sicherheitsmaßnahmen" gebeten. Man befürchte Ausschreitungen durch rechte, gewaltbereite Jugendliche.

Denn selbst wenn die "Gleichheitsparade" heuer nicht verboten wurde wie in den Vorjahren - seinerzeit war der polnische Staatspräsident Lech Kaczy´nski noch Oberbürgermeister von Warschau -, so ist die Luft seit einiger Zeit (noch) dünner geworden für Polens Homosexuelle. Nach der Bildung der Regierungskoalition der nationalkonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) mit der national-katholischen "Liga polnischer Familien" (LPR) und der radikalen Bauernpartei "Selbstverteidigung" leben Schwule und Lesben gefährlich. Vor allem Anhänger der LPR - zu denen auch Bildungsminister Giertych gehört - fordern immer lauter das Verbot homosexueller Organisationen.

Einige Gruppierungen der Partei zelebrieren den Schwulenhass. Wojciech Wierzejski, Vize-Vorsitzender der Liga-Fraktion, soll sich ans Innenministerium gewandt haben. Sein Anliegen: Man möge doch bitte die Verbindungen der Schwulenszene mit dem "Umfeld der Pädophilen und der Drogenmafia prüfen". Erst Ende Mai hatte er getönt: "Wenn Abartige demonstrieren, brauchen sie den Knüppel."

Über Jahrzehnte hat das kommunistische Regime in Osteuropa Homosexuelle stigmatisiert. Schwule, so das propagierte Bild, seien schuld am Werteverfall, an Aids, Drogenmissbrauch und Kinderschändung. An diese Etikettierung knüpfen nun viele osteuropäische Politiker an - mit Erfolg, weil Schwule und Lesben in Osteuropa keine Lobby haben. Politische Hetzparolen tragen nicht selten Früchte.

"Wir beobachten dich, Sieg heil"

Seit einigen Tagen - im Hinblick auf die Warschauer "Gleichheitsparade" - sollen sich "massiv Äußerungen von polnischen Politikern gegen Schwule" häufen. Das ist in zahlreichen Internetforen zu lesen. Laut Medienberichten bekommt auch Tomasz Baczkowski, Hauptorganisator der Demonstration, diese Stimmung zu spüren. In jüngster Zeit soll sein Handy oft piepen - die Kurznachrichten haben stets einen ähnlichen Inhalt, zum Beispiel: "Wir beobachten dich, Sieg heil." Rechtsradikale, so heißt es, haben Baczkowskis Nummer im Internet veröffentlicht.

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